Europa wackelt wieder – DAX auf Talfahrt
Cindy Bach in Insider Daily zum Thema Dax 30
vom 11. Juli 2011, 14:30 Uhr
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kaum haben die Aktienmärkte ein Häkchen" hinter Angstfaktor Griechenland" gesetzt und zu einer breiten Erholung angesetzt, schon kommt der nächste Angriff. Auch diesmal sind es die angloamerikanischen Ratingagenturen, die Europa nicht zur Ruhe kommen lassen wollen. Klar, die Schuldenlage in Italien macht den Analysten schon seit längerem Sorgen. Bei einem beachtlichen Schuldenstand von 1,8 Bio. Euro und dem geringsten BIP-Wachstum in der Eurozone, sind Sorgen durchaus berechtigt.
Erste Schockwellen hatte die Ratingagentur Moody's bereits Ende Juni ausgelöst, als sie für einige italienische Unternehmen und einen Teil der ausstehenden Schulden des Landes die Warnung einer möglichen Rating-Abwertung aussprach. Nun aber kommen die Warnsignale direkt aus dem Land selbst. So hat der Finanzminister in Italien erstmals offiziell ernste Bedenken geäußert. Der Stuhl von Italiens Finanz- und Wirtschaftsminister Giulio Tremonti soll ins Wanken geraten sein. Er galt bisher als Vertreter stabiler Staatsfinanzen. Nun soll er gegenüber seinen Mitarbeitern gesagt haben: Wenn ich stürze, dann stürzt Italien. Wenn Italien stürzt, ein Land das zu gross ist, um gerettet zu werden, dann stürzt der Euro."
Die neue Unsicherheit um die finanzielle Zukunft hat in Italien wie eine Bombe eingeschlagen. Die Mailänder Börse verlor letzte Woche 7,2%. Die Zinsen für italienische Staatsanleihen kletterten am Freitag auf den höchsten Stand seit der Euro-Einführung. Und das Mittelmeerland ist heute Thema auf einem EU-Sondergipfel.
DAX und Euro gehen heute auf Talfahrt
Die Sorgen über die Kreditwürdigkeit Italiens belasten heute auch DAX und Euro. Der deutsche Leitindex verlor bis zum Nachmittag knapp 2% auf 7.256 Punkte. Auf der Verlierer-Seite finden sich dem Thema des Tages" entsprechend vor allem Finanzwerte. So fällt der Kursrutsch bei der Commerzbank besonders ins Gewicht: Die Aktie gibt 5,5% auf 2,80 Euro ab. Auch die Allianz-Aktie büßt aktuell 4% auf 91,65 Euro ein. Und mit der Münchener Rück belegt ein weiterer Konzern aus der Versicherungsbranche den dritten Platz auf der Verliererliste. Die Aktie büßt 3% auf 102,35 Euro ein.
Auch Europas Gemeinschaftswährung setzt ihre Talfahrt vom Freitag heute weiter fort. Aktuell notiert der Euro bei 1,405 US-Dollar (ein Minus von 1,2% zum Schlusskurs von Freitag) und damit gefährlich nah an seiner wichtigen Unterstützungslinie bei 1,40 Dollar.
EU-Kommissarin fordert Zerschlagung von Ratingagenturen
Viele Analysten und Politiker halten das Vorgehen der US-Ratingagenturen schon lange für fragwürdig. Warum stürzt sich Moodys unmittelbar nachdem in Hellas die Kuh von Eis" ist, auf Italien. Genau genommen müssten dann angesichts ihrer erstickenden Schuldenberge nahezu alle Länder in Europa und die USA gleich mit kräftig abgestuft werden. Somit drängt sich unabwendbar der Verdacht auf, dass hier gezielte Politik im Spiel ist.
Glücklicherweise wird dieser Verdacht nun auch mal endlich offen zur Sprache gebracht. EU-Justizkommissarin Viviane Reding hat die Ratingagenturen in der Presse scharf kritisiert. Europa darf sich nicht von drei US-Privatunternehmen kaputt machen lassen", sagte Reding gegenüber der Welt Online" mit Blick auf die drei Unternehmen Standard & Poors (S&P), Moody's und Fitch, die den Markt der Ratingagenturen weitgehend beherrschen. Es dürfe nicht sein, dass ein Kartell dreier US-Unternehmen" über das Schicksal von Volkswirtschaften entscheide.
Reding schlägt zwei Lösungsansätze vor: Entweder beschließen die G20-Staaten gemeinsam, das Kartell der drei US-Ratingagenturen zu zerschlagen. Die USA könnten beispielsweise aufgefordert werden, aus drei Ratingagenturen sechs zu machen. Oder aber es werden unabhängige europäische und asiatische Ratingagenturen geschaffen." Das brauche allerdings Zeit. Zeit, welche man angesichts der Zuspitzung der Schuldenlage in vielen südeuropäischen Ländern immer weniger hat, um sich vor den Übergriffen der Ratingagenturen zu schützen. Die Dramatik könnte in den kommenden Wochen also durchaus noch ein wenig zunehmen.
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die neue Woche.
Ihre
Cindy Bach
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Wilhelm Klotz (11.07. 2011 16:05 Uhr):
"Somit drängt sich unabwendbar der Verdacht auf, dass hier gezielte Politik im Spiel ist." Was ich mich frage: zu wessen Vorteil wird dieses Spiel betrieben, wer profitiert davon?
Antworten - Kommentar von therisol ag (11.07. 2011 16:26 Uhr):
....wieso soll man alteingesessene Rating-Agenturen verbieten oder aufteilen, damit man die Wahrheiten verstecken kann? Die EU soll endlich mal Ihre Arbeit erledigen und ehrlich Auskunft erteilen, dann sind den Rating-Agenturen der Wind aus den Seglen genommen................
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