Europa und der steigende Dollar
J. Christoph Amberger in Baltimore in Traders Daily
vom 11. Dezember 2007 12:00 Uhr
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Öffnet man dieser Tage in den USA an einem beliebigen Tag sein Email-Konto, dann findet man massenhaft Geschwätz, dass die unmittelbar bevorstehende Auslöschung des amerikanischen Dollars vorhersagt und damit unvermeidlich auch der Vereinigten Staaten als wirtschaftlicher und finanzieller Supermacht.
Sicher, der Dollar befindet sich heute in der Nähe der Tiefstwerte der Wechselkurse, die in den 1990ern gegenüber der Deutschen Mark verzeichnet wurden - vielleicht sogar schon dahinter. Die Deutsche Mark, ist vermutlich die vergleichbarste Währung ist, wenn man einen langfristigen Vergleich des Wechselkurses sucht, bei dem Äpfel mit Äpfeln verglichen werden.
Aber was passiert, wenn der Anstieg der Bewertung des Dollars nicht nur gegenüber dem Dollar (und damit dem Yuan) sondern auch gegenüber dem Yen mit einer abkühlenden weltweiten Nachfrage und einer Verlangsamung der Weltwirtschaft zusammenfällt?
Der steigende Euro und damit die im Verhältnis steigenden Kosten für europäische Arbeit fressen schon heute einen ganz ordentlichen Batzen aus den Gewinnspannen der europäischen Produzenten. Betrachten Sie BMW und Airbus. Die europäischen Ökonomien erleben vielleicht gerade starke Investitionsaktivitäten und solide Exportzahlen... aber der zurückgehende private Konsum (und das auch noch in einem Jahr der Wirtschaftsexpansion!) weisen darauf hin, dass die Exporte auch weiterhin der Schlüssen zu ihrem wirtschaftlichen Wohlergehen sind.
Einige hochkarätige europäische Wirtschaftler sehen ein Potenzial für einen Wechselkurs von bis zu 1,60 Dollar je Euro, und das würde eine weitere Entwertung um10% vom aktuellen Niveau bedeuten.
Und das würde den europäischen Ökonomien einen weiteren halben Prozentpunkt des Wirtschaftswachstums kosten. Während die Hersteller und Exporteure immer noch auf soliden Bestellungsrückständen sitzen, bleibt abzuwarten, ob die Bestellungen auch dann noch kommen, wenn der Wechselkurs allein schon einen 10%igen Aufschlag für Produkte aus Europa bedeutet... ganz zu schweigen von dem Anstieg der Arbeitskosten, die üblicherweise auf Streiks mit hoher Publizität folgen, wie sie in Frankreich und Deutschland momentan geführt werden.
Geben Sie der Sache etwas Zeit und Sie werden ein Wiederholungsspiel einer Welle der Kostenreduzierung erleben, wie wir es in den Jahren 2003 und 2004 erlebt haben, als der Dollar die Marke von 1,30 Dollar durchbrochen hatte. Das wird die bereits anämische heimische Nachfrage noch weiter reduzieren.
Die angekündigte Mission der europäischen Zentralbank ist natürlich „das Aufrechthalten der Preisstabilität“. Bislang hat man versucht, dies mit unterschiedlichen Ergebnissen zu erreichen, indem man die Zinssätze weiterhin hoch hielt und die Kredite teuer – und indem man gegenüber Peking und Washington gejammert hat. Peking soll den Yuan frei fließen lassen. Das würde die chinesische Arbeitskraft und die Exporte teurer machen und europäische Güter und Dienstleistungen wären wieder wettbewerbsfähiger.
Die Chinesen finden das vermutlich sehr spaßig. Sie haben den Yuan aufgewertet – und werden jetzt vermutlich darauf hinweisen, dass Japan an der Reihe ist, wo man die eigene Währung unkontrolliert fallen ließ – nachdem man sie aktiv über Jahre entwertet hat.
Sie haben damit natürlich Recht: Die Aufrechterhaltung von Preiskontrollen ist ein Auftrag zu handeln und nicht nur eine Lizenz zu jammern. Den europäischen Bankern steht es frei, jederzeit zu intervenieren – Dollar und Yuan zu kaufen und den Euro nach Herzenslust zu verkaufen, genauso wie es die Japaner getan haben.
Aber das ist Europa, und die USA dafür zu belangen, dass sie die Weltwirtschaft aus der Rezession freikaufen, ist vermutlich einfach praktischer.