Europa und der Inflationsprozess
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 14. August 2007 20:45 Uhr
ENL5454
Die Klassik
Neben der Warenkorbdefinition gibt es eine klassische Definition, die in der österreichischen Volkswirtschaftslehre entwickelt wurde. Hierbei wird davon ausgegangen, dass Inflation erst entsteht wenn das Wachstum der Geldmenge größer ist als das Wachstum der Gütermenge. Wenn man also das Wachstum der Gütermenge (Delta BIP) vom Wachstum der Geldmenge (Delta M) abzieht erhält man den Preisanstieg (Delta P), folglich die Inflationsrate.
Das faszinierende an dieser Formel ist, dass sie im Gegensatz zur Warenkorbdefinition, die nur die Preissteigerung angibt, auch die Ursachen für eben jenen Preisanstieg mit einbezieht.
Der Preisanstieg der sich daraus ergibt wirkt sich meist zunächst auf die Vermögenswerte aus. Das heißt als Erstes steigen zum Beispiel die Immobilienpreise oder die Renten.
Interessanterweise entspricht genau dieses Szenario aber der Realität. Denn die Erzeuger- und hernach die Konsumgüterpreise, die die Inflation schließlich jedem schmerzhaft bewusst werden lassen, steigen immer am Schluss.
Beispiel Europa
Die Europäische Zentralbank gibt an pro Jahr eine maximale Inflationsrate von 2 % erzielen zu wollen. Das kling in meinen Ohren lustig, so als müssten sie sich selbst davor bewahren mehr Geld zu drucken.
Nun gut, 2 %. Sie geht zeitgleich davon aus, dass in Euroland ein Wirtschaftswachstum von 2,5 % erreicht wird.
Wenn wir also die obige Formel heranziehen (Delta P + Delta BIP = Delta M) ergibt sich, dass die Geldmenge pro Jahr nicht mehr als 4,5 % wachsen darf.
Tatsächlich druckt die EZB, nach eigenen Angaben aber 10,9 % mehr Geld pro Jahr.
Berechnen wir also alles neu mit Hilfe unserer Formel ergibt sich, dass wir Europäer mit einer Inflationsrate von 8,4 % leben.
Und jetzt erzählen Sie mir nicht, dass sich die Immobilienpreise nicht erhöhen, die Aktienmärkte seit ein paar Jahren nicht wieder deutlich anziehen, Alternative Investments nicht immer mehr boomen ( hier ist in letzter Zeit ja ein wahrer Kampf unter den Private Bankern um die gut betuchte Kundschaft entstanden; jeder will seinem eigenen Reichen zu seinen eigenen Millionen - teuren Kunstwerken verhelfen; bei Sothebys wurde erst kürzlich Kunst im Wert von 278 Millionen US Dollar versteigert) und dank noch zusätzlicher Besteuerung vom Tabak über Benzin jede Gurke teurer geworden ist. Sogar das Oktoberfest Bier wird jedes Jahr teurer. 1996 zahlte ich noch 10 DM, heute soll es fast 8 Euro kosten. Und ich habe mir sagen lassen, dass man im letzten Jahr den Eindruck gehabt habe, es sei mit Wasser verdünnt worden. Aber vielleicht ist das ja eine Art von Qualitätssteigerung.
Aber vielleicht ist das ja auch alles nur „gefühlt“ ! ;-)
Wenn Sie wissen möchten, wie es weitergeht und warum die Rohstoffmärkte eine Absicherung bieten lesen Sie am Montag im zweiten Teil von Zinsen, Krediten, Gold und mehr.
So long liebe Leser….eigentlich schade, dass die Zentralbanken nicht gleich an jeden Bürger seine eigenen Druckplatten verteilen ...das würde ihnen doch sicher eine Menge Arbeit ersparen … ;-)
Ihre Miriam Kraus