Europa und der Abwertungswettlauf
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 13. Oktober 2010, 20:00 Uhr
ENL5454
Kommen wir also nochmal zu den Europäern. Tja, die Europäer, die sind sich, wie immer, nicht einig, ob sie dem Weg der anderen folgen sollen oder nicht. Geht es nach Bundesbanks Weber, dann steigt die EZB so bald als möglich aus allen außergewöhnlichen Maßnahmen aus. Allerdings gibt's auch andere Stimmen, die lieber mit dem Amis um die Abwertung wetteifern wollen. Na ja, bislang macht die EZB im internationalen Vergleich lustigerweise tatsächlich noch eine relativ rechtschaffene und stabile Figur. Ein Grund für den aktuellen Anstieg des Euro.
Hieraus aber erwächst die Angst, mit der es beispielsweise DIHK-Präsi Driftmann zu tun bekommen hat. Der fürchtet nämlich, dass alle anderen sich schwache Währungen zulegen und die Europäer mit ihrem dann richtig starken Euro in die Exportröhre gucken.
Aber sind solcherlei Ängste wirklich begründet?
Beispiel Schweiz
Als Beispiel möge mir heuer die kleine Schweizer Volkswirtschaft dienen. Entgegen möglicher Vorstellungen lebt die Schweizer Wirtschaft nämlich keineswegs nur von Banken und Schokolade. Tatsächlich verfügt das Land im Vergleich zur Größe über eine recht große und starke Industrie, mit zum Teil deutlicher Abhängigkeit vom Export.
Und, oh Wunder, die Schweizer Industrie macht sich gut, nicht erst seit gestern, aber bemerkenswerter Weise auch in diesem Jahr - und das trotz des nur mäßigen Erfolgs der Schweizer Nationalbank beim Versuch die ständige Aufwertung des Schweizer Franken zu unterbinden.
Warum? Nun, Schweizer Produkte sind wettbewerbsfähig, weil von hoher Qualität und damit sowieso teuer.
Und jetzt mal ganz unter uns: auch wenn wir Deutschen bisweilen zur Bescheidenheit neigen mögen, alle drei Attribute können guten Gewissens ebenso für die deutschen Produkte genannt werden. Qualität und Spezialisierung, das sind wohl die Zauberworte, die es generell für die Zukunft zu beherzigen gilt.
Ich mach mir ehrlich gesagt nur wenig Sorgen, weder um die deutsche, noch um die Schweizer Wirtschaft und auch um eine ganze Reihe weiterer europäischer Volkswirtschaften nicht.
Denn seien wir ehrlich, wer heute noch versucht mitten in Europa Massen-Turnschuhe und T-Shirts herzustellen, der liegt einfach falsch. Wer aber Maschinen und die besten Fahrzeuge der Welt baut, der liegt richtig. Ich denke, das würden auch 1,3 Milliarden Chinesen unterschreiben, die ganz heiß auf hochqualitative und spezialisierte Produkte aus Europa sind.
Um noch einmal auf das Stichwort Währungskrieg zurück zu kommen: ich bin jedenfalls nicht der Meinung, dass die traditionellen Werte einer Einheit von starker Volkswirtschaft und starker Währung, antiquiert sind! Etwas dass die USA vielleicht noch erfahren werden müssen...
Abwertungswettlauf und was sich daraus ergibt
So gesehen kann ich keinesfalls von einem Währungskrieg sprechen. Wenn schon, dann ist es eher ein Krieg zwischen Papiergeld und realen Vermögenswerten, den ich zu entdecken vermag und augenscheinlich gewinnen aktuell die Vermögenswerte die Schlacht.
Wohin auch sonst, sollte all das überflüssige Papiergeld fließen, wenn nicht zum Beispiel hierhin:
Gold zur Lieferung im Dezember an der COMEX in USD pro Feinunze seit Anfang August
Quelle: CFX-Trader
Ja, der Goldpreis hat in USD schon wieder ein neues Allzeithoch hingelegt und erfreut sich gegenwärtig über der 1.370 USD-Marke. Er (der Goldpreis) möge heute nur einmal stellvertretend für eine ganze Reihe an wirklich tollen realen Vermögenswerten wie Rohstoffen und Aktien gelten!
So long liebe Leser...ich weiß, eigentlich hatte ich angekündigt, heute wieder über die Getreidemärkte zu schreiben und unsere Silber-Münzen-Reihe fortzusetzen...allerdings brannte mir das heutige Thema dann doch förmlich unter den Nägeln...ich hoffe, Sie verzeihen mir, dass ich mir heute also zunächst Luft machen musste und sind morgen wieder dabei, wenn ich die eigentlich für heute angekündigten Themen fortführe...versprochen!....ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend, liebe Grüße und freue mich wenn wir uns morgen wiederlesen...
Ihre Miriam Kraus
ähnliche Beiträge:
Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von kurt brudermann luzern schweiz (13.10. 2010 21:36 Uhr):
Liebe Frau Kraus Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen, wie man sagt! Ich verkaufe in meinem Uhren-und Schmuckgeschäft nur gute Qualität und stelle fest, dass die Leute zunehmend vom billigen Mist Abstand nehmen und dankbar sind, wenn sie Markenuhren kaufen können, auch wenn diese nicht billig sind. Dies trifft in besonderem Masse auf die zunehmende chinesische Kundschaft zu. Während bei den Amis immer noch (fast) alles über den Preis läuft, ist dies bei den Chinesen gar nicht der Fall. Der Qualitätsbegriff beinhaltet aber auch einen funktionierenden Nachverkaufsservice und wer dies nicht begreift, bekommt mittelfristig Image- und dann Absatzprobleme. Da könnte ich Ihnen gleich einige Marken nennen! Mit besten Grüssen Kurt Brudermann
Antworten - Kommentar von Hans Dieter Franke Dr (13.10. 2010 22:08 Uhr):
"printing money" heisst keineswegs Banknoten drucken. Es heisst vielmehr Kredit. Die FED hat kein cash "gedruckt". Quantitative easing ist asset swap dafür wird nicht ein grüner Schein gedruckt. Selbstverständlich ist der chinesische Remninbi grotesk unterbewertet. Die Uneinsichtigkeit der PBOC die nur noch in Politiker-und Beamten geführten Bayerischen Landesbanken ein Äquivalent findet führt dann eben dazu dass US bonds ad infinitum gekauft werden. Selbst schuld.
Antworten - Kommentar von Olaf Helmer (14.10. 2010 04:32 Uhr):
Ein toller Bericht! Klug und durchdacht!
Antworten
weitere Ausgaben von
Rohstoff Daily
weitere Artikel dieser Ausgabe:
Donnerstag, 24. Mai 2012
Mittwoch, 23. Mai 2012
Dienstag, 22. Mai 2012
alle AusgabenBörsenbrief: Oxford Club
Der exklusive Finanzclub mit der antizyklischen Strategie
Klicken Sie hier für weitere Informationen zu Börsenbrief: Oxford Club
