Europa im Überlebenskampf

Mr N. N. in Kapitalschutz Akte zum Thema Aktien
vom


Am gestrigen Dienstag herrschte alles andere als nachösterliche Ruhe an den Aktienmärkten. Im Gegenteil, der freie Fall der Finanzwerte, vor allem der europäischen Bankaktien, setzte sich nahtlos fort.

Französische Großbanken unter Druck

In Paris brachen die Papiere der beiden Großbanken Frankreichs massiv ein. BNP Paribas (Muttergesellschaft des deutschen Discountbrokers Consors) verlor gut 5,7 Prozent. Die Societe Generale Aktie gab noch stärker nach. Und zwar um 6,2 Prozent. Frankreichs Leitindex verlor gut drei Prozent


Italienische Aktien im Abwärtsrausch

Noch heftiger ging es indes an der Börse in Mailand nach unten. Exakt um 4,98 Prozent brachen die Standardwerte des Mittelmeerlandes ein. Damit macht sich der Index langsam aber sicher wieder auf den Weg in Richtung der Tiefstände aus dem Jahr 2011. Noch heftiger nach unten ging es bei den beiden Großbanken Unicredit und Intesa Sanpaolo. Und zwar jeweils um die acht Prozent.

Spanischer Aktienmarkt schließt unter 7500

Dagegen war es beim spanischen Aktienmarkt schon gestern so weit. Das Leitbarometer ging unterhalb des 2011er-Tiefs bei 7433 aus dem Handel. Insofern sollten also mit Blick auf das Mittelmeerland allerspätestens jetzt alle Alarmglocken laut schrillen. Auch beim portugiesischen Leitindex wird es immer enger. Gestern ging er nur hauchdünn über dem 2011er-Tief aus dem Handel.

Portugal im Focus

Abseits der grottenschlechten Entwicklung an den Aktienmärkten sei an dieser Stelle auf einen äußerst lesenswerten Beitrag des Ökonomen und Demographen, Gunnar Heinsohn, in der gestrigen Ausgabe der FAZ hingewiesen. Und da wären wir wieder beim Thema Portugal. Das kleine Land an der Peripherie Europas soll laut Troika ja 2013 den Höhepunkt der Staatsschuldenquote mit 115 Prozent erreichen. Ob dem aber wirklich der Fall sein wird, ist mehr als zu bezweifeln. Laut Heinsohn bricht dem Land schlicht die demographische Basis weg.

Emigration der Könner

Im vergangenen Jahr 2011 verließen 150000 Portugiesen ihre Heimat. Und zwar vor allem in Richtung Brasilien, England und Angola (hier lockte die Petroleumindustrie). Das Hilfspaket der EU und des IWF für die Lusitanier lag bei 78 Milliarden Euro - mithin 8000 Euro pro Kopf. Leider hilft Heinsohn zufolge das Geld nichts gegen den Exodus der Talente. Bis zum Jahr 2020 kann die Einwohnerzahl von 10,8 auf 9 Millionen sinken; gleichzeitig erhöht sich das Durchschnittsalter der Bevölkerung auf 47 Jahre. Noch dramatischer sieht es allerdings im Hinblick auf die Innovationsfähigkeit der Portugiesen aus. 2009 meldeten die Portugiesen nur 24 (!!!) Patente an. Wohl gemerkt, insgesamt wurden 52000 Patente in Europa angemeldet.

Eins scheint so ziemlich sicher zu sein: es wird keinen durch Innovationen getragenen Aufschwung der portugiesischen Industrie geben. Eher wahrscheinlich ist indes ein klassisch-langfristiger Salami-Niedergang".

Und dies dürfte nicht nur für Portugal zutreffen.

Fassen wir also zusammen, gerade in den südeuropäischen Staaten kommen zu den gigantischen Schuldenbergen auch noch massive demographische Probleme. Und gerade in Ländern wie Portugal, Griechenland (24 Patente in 2009) oder Spanien (nur 348 Patente im Jahr 2009) steht es um die Innovationsfähigkeit der Wirtschaft extrem schlecht.

Kein Wunder, wenn also schon jetzt langsam aber sicher an den Börsen in Lissabon, Athen und Madrid die Lichter ausgehen...

ps.: gestern vermeldete die Deutsche Bundesbank, dass die Forderungen der Deutschen Bundesbank gegenüber den nationalen Notenbanken innerhalb des ESZB (Target2-Saldo) im Monat März 2012 auf knapp 616 Milliarden Euro gestiegen ist. Das ist gegenüber dem Februar ein Anstieg von fast 69 Milliarden Euro, oder fast 13 Prozent. Zum Vergleich, die Gesamtsteuereinnahmen in Deutschland (ohne die reinen Gemeindesteuern) lagen 2011 bei gut 527 Milliarden Euro. Allem Anschein nach nimmt nun auch die Kapitalflucht aus den südeuropäischen Krisenländern immer extremere Formen an...

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Kommentar von bernard

Ich wußte nicht das die Europäern auch immigrieren, es wird nur über die Ausländern die Europa erobern wollen gesprochen. Europa bringt sich selbst um, wenig Bewölkerung, massiv Immigration, Abtreibung überall erlaubt, was werden sie werden ?.

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Antwort von Suzette Preiswerk da Mota Veiga:

Das stimmt teilweise, aber wem kann man es veruebeln wenn ein Portugiese nach Angola auswandert, wo hohe Salaere in Aussicht stehen und wo Not ist an Fachkraften. Es wird dort dieselbe Sprache gesprochen und beide Voelker kennen sich seit ueber 500 Jahre. Aber irgendwann kommen dann diese Leute auch zurueck und haben bis dann noch mehr Fachwissen.

Kommentar von Suzette Preiswerk da Mota Veiga

Als Auslandschweizerin in Portugal wohnend, mache ich mir auch Sorgen um Europa und um alles drumherum. Doch ich glaube, dass wir es schaffen werden. Gewisse Zahlen wiedergeben nicht die richtigen Tendenzen. Portugal hat trotz der Krise stark im Export zugelegt, was extrem wichtig ist. Ich kenne viele Betriebe, denen geht es gut, nur wird das nicht laut gesagt, um von den Finazen nicht inspiziert zu werden. Die jetztige Regierung macht alles, um den Sparplan der Troika durchzusetzen, die Bevoelkerung murrt, aber es ist nicht wie in Griechenland. Das Land muss reformiert werden, nach dem unseligen Geldausgeben der letzten 10 Jahre. Danach hoffen wir auf bessere Zeiten, aber im Moment ist Sparen angesagt, was auch leider die Wirtschaft abwuergt.

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Kommentar von A Hiller

Hallo Mr N.N. ich habe Ihren Bericht gelesen. Können Sie den Zusammenhang zw den Target Salden und der von Ihnen erwähnten Kapitalflucht aus den südeuropäischen Krisenländern erklären? Danke A.Hiller

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Kommentar von Laufer

Es erscheint zwingend erforderlich, einmal zu untersuchen, welche Regierungen welcher Parteien die Miseren in Europa herbeigeführt haben. Und welchen Wert der Begriff "Demokratie" für unsere Politprofis wirklich hat!

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