Miriam Kraus ist eine gesuchte freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen
vom
Liebe Leser,
seit einigen Wochen beobachten wir die aktuelle USD-Schwäche. In meinen Augen gibt es nicht viel was gegen eine Fortsetzung dieses Trends spricht. Zumindest so lange die Stimmung hält, so lange ein wieder wachsender Risikoappetit die Märkte begleitet.
Ein Grund: die Politik der Zentralbanken
Während die EZB nur höchst ungern und unter wachsendem Druck ihren Leitzins auf 1 % gesenkt und vorsichtige QE-Maßnahmen in Höhe von 60 Milliarden Euro beschlossen hat, gehen andere Zentralbanken einen deutlich radikaleren Weg.
Die neusten Daten der FED zeigen, dass deren Bilanz in der vergangenen Woche um weitere massive 117 Milliarden US-Dollar auf 2,235 Billionen US-Dollar angeschwollen ist.
Dies bedeutet ein hohes Risiko für den US-Dollar. Dagegen zeigt sich die vorsichtigere EZB höchst unwillig gegenüber solchen aggressiven Maßnahmen.
Zweiter Grund: Kapitalzuflüsse
Die TIC-Daten für März werden mit Spannung erwartet. Denn trotz der Verbesserung der Handelsbilanz sinken die Kapitalzuflüsse in die USA deutlich. Schon jetzt sind die USA ein Netto-Exporteur von Kapitalflüssen (zum ersten Mal seit 1993) bei durchschnittlich 4 Milliarden US-Dollar monatlich über die vergangenen 6 Monate an Abflüssen.
Auch dies bedeutet weiteres Risiko für den US-Dollar.
Dritter Grund: die Libor
Die London interbank offered rate ist gestern auf ein Rekordtief bei 0,85 % gefallen. Dies könnte ein Indikator dafür sein, dass die Banken eine wachsende Bereitschaft für weitere Aktivgeschäfte entwickeln.
Sollte dies der Fall sein, dann könnten Finanzinstitute, die während der Krise bergeweise US-Dollar gehortet haben, damit beginnen in andere Währungen zu investieren.
Dies wiederum würde den US-Dollar massiv schwächen.
Doch es kommt immer auch auf die Stimmung an
Grundlegend scheint noch immer eher eine verbesserte Risikostimmung vorherrschend zu sein, die allerdings einen temporären Dämpfer, aufgrund der überraschend schwachen US-Einzelhandelsdaten, erfahren hat.
Trotz geringer Volumen schlossen die US-Aktienmärkte aber bereits wieder leicht im Plus. Während des Handels in Asien wurden US-Treasurys wieder verkauft. Die Renditen auf zehnjährige US-Staatsanleihen sind mittlerweile wieder auf 3,1 % gestiegen.
Ein Zeichen dafür, dass sich im Grundton eine Risikobereitschaft hält.
Heute: Schwache Daten aus Europa belasten EUR/USD
Nachdem EUR/USD gestern wieder bei über 1,3650 notierte, belasten aktuell die schwachen Wirtschaftsdaten aus der Euro-Zone.
Das Statistische Bundesamt gab bekannt, dass das deutsche BIP im 1. Quartal um 3,8 % gegenüber dem 4. Quartal eingebrochen ist. Der Konsens erwartet nun für die gesamte Euro-Zone einen BIP-Rückgang von 2 %.
EUR/USD konnte seine gestrigen Gewinne somit nicht halten und fiel bis auf unter 1,3550. Aktuell notiert EUR/USD bei 1,3560. Ein kurzfristiger Rückgang unter 1,3526 könnte einen zwischenzeitlichen Bruch in Richtung der 1,3401 bedeuten. Doch der übergeordnete Aufwärtstrend scheint mittelfristig nach wie vor intakt. Das nächste Ziel ist hier die 1,3857 und hernach die 1,4187.
Quelle: CFX-Broker