Euro versus Dollar
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 08. Mai 2003 18:00 Uhr
ENL5454
1,1456 Dollar. Das war der letzte Höchststand des Euros. Sie sollten sich fragen, wie es sein kann, dass die Währung einer glänzend laufenden Wirtschaft mit guten Aussichten sich derart schwach zeigen kann. Nicht, dass ich glaube, die amerikanische Wirtschaft liefe glänzend oder davon überzeugt wäre, dass sie einer rosigen Zukunft entgegen steuert. Aber die vielen Investoren, die Aktien über Aktien kaufen, müssen das wohl denken. Offenbar sind die Devisenhändler jedoch auch nicht von den rosigen Aussichten für die amerikanische Wirtschaft überzeugt. Und im Devisenmarkt tummeln sich zumeist eher die Spezialisten. Okay seien wir fair, die schwächelnde US-Wirtschaft ist nicht der einzige Grund für den schwachen Dollar, die amerikanische Notenbank (FED) hat ein neues Hobby entdeckt: "Geld drucken". Ob das funktioniert, hier scheiden sich die Geister.
Offenbar wird das US-Leistungsbilanzdefizit noch weiter ansteigen. Zum Thema Staatsverschuldung habe ich auch noch nichts von Gegenmaßnahmen seitens der US-Regierung gehört. Und bedenken Sie, Rallyes in Devisen sind meistens viel nachhaltiger als in anderen Bereichen. Aber bleiben wir beim US-Leistungsbilanzdefizit, das will finanziert werden. Würden Sie Ihr Geld zurzeit in Dollar anlegen? Gut, keiner. Schulden in Dollar, das geht in Ordnung , so wie es die deutsche Telekom gemacht hat. Wie wäre es mit Regierungsanleihen: Inflationsindexierte zehnjährige Bonds? 2,1 %. Hier in der Provence kriegen Sie 2,4 %. Hm, nein. Vielleicht eine kleinen nette Immobilie in Amerika? Ach nein, da war ja die amerikanische Immobilienblase. In US-Aktien? Dafür müsste sich die amerikanische Wirtschaft nachhaltig erholen. Eine zurzeit noch überaus unsichere Spekulation. Keine guten Zeiten, um in Amerika zu investieren.
Der Euro befindet sich offenbar in einer großen Rallye. Dabei war der Euro noch vor Kurzem mehr als verpönt. Jeder, wirklich jeder, regte sich über den schwachen Euro auf und wünschte sich die stabile Mark zurück. Zu Tiefstzeiten hätte keiner den Euro auch nur mit der Kneifzange angerührt: Herbst 2000–83 Cent. Aber das antizyklische Spiel kennen Sie ja bereits ...
Jetzt mausert sich der Euro zu einer inoffiziellen Zweitwährung neben dem Dollar. Dabei ist ein weiterer Umstand viel beachtlicher. Sie wissen ja, dass der Export in Deutschland unter dem schwachen Dollar leidet. Die Produkte der Exporteure werden immer teurer. Doch es gibt deutliche Tendenzen, dass immer mehr Geschäfte direkt in Euro abgewickelt werden. Selbst bei den traditionellen Dollar-Märkten kommt es spürbar zu einer Aufweichung. Sollte diese Tendenz sich fortsetzen, kann man an zehn Fingern abzählen, welche Folgen das wiederum für die US-Wirtschaft haben wird.
Gut, Alan Greenspan könnte ja auch die Zinsen wieder anheben. Doch das dürfte aufgrund der hohen Verschuldung der amerikanischen Firmen, Verbrauchern und nicht zuletzt der Staatsverschuldung erst Recht der amerikanischen Wirtschaft den Garaus machen. Eine verzwickte Situation. Warum, frage ich mich, warum sollte es also in der USA zu einem neuen Bullenmarkt kommen?
Gerade schwächelt der Euro etwas, er ist zu steil angestiegen. Aber eine Topformation ist nicht zu erkennen. Trotzdem, Sie kennen mich, setzte ich für eine Teilposition meinen Stopp bei meinem Call weit im Gewinn. Nur so zur Absicherung.
Der Dax testet heute morgen die 3000er Marke von oben. Das ist normal nach einem Bruch eines Widerstandes. Interessant dabei ist, hält sie oder geht er deutlich unter diese Marke. Sollte die 3000er Marke halten, dann ist es ein gutes Zeichen. Bricht sie (Dax unter 2980 Punkten), ist dies ein erster Hinweis für eine Schwäche. Bricht sie deutlich und tief (Dax bei 2900), dann ein weiterer Hinweis für ein Ende dieser Rallye. Der Nasdaq100 hat gestern unter seinem Widerstand eine rote Kerze ausgebildet, ohne diesen brechen zu können. Ich bin gespannt. Kurz noch die wichtigen Bear-Marken: Im Nasdaq100 unter 1100, im Dow unter 8300 und im Dax unter 2800.