Euro und Wulff - die Themen der Woche: Leser kommentieren

in Insider Daily
vom


am Mittwoch bat ich Sie, mir Ihre Meinung zum Thema: "Wo sehen Sie den Euro in fünf Jahren?", zukommen zu lassen. Es gab einige sehr aufschlussreiche Beiträge, die Sie heute an dieser Stelle lesen können. Doch der erhoffte Ansturm blieb aus. Das Thema Euro-Zukunft scheint vielen schon überdrüssig geworden zu sein, obwohl sie doch für unser aller Zukunft so wichtig ist. Dafür brachte mir mein Wulff-Kommentar von gestern eine wahre Flut an Lesermeinungen ein. Da sieht man doch, wie sehr das Thema Christian Wulff polarisiert. Selten bekam ich zu einem Thema mehr Leserzuschriften als diesem Beitrag, der wie Sie an der nachfolgenden Auswahl an Kommentaren sehr schön sehen können, die Gemüter ebenso erhitzte, wie das ganze Thema an sich.


Auch wenn meine Meinung dazu vielen nicht schmeckte und sie mir das auch ordentlich aufs Brot schmierten, meinen Beitrag sogar als schäbig beschimpften, bin ich sehr erfreut, dass die Menschen Stellung beziehen. Hierzulande wird das immer seltener. Dabei ist es so wichtig. Mag sein, dass das Thema nicht gerade eines derer ist, dass die Menschen aufrütteln sollte. Es gäbe wichtigere, siehe meinen Leseraufruf zum Thema Euro-Zukunft. Aber all jene, die jetzt bezüglich des Umgangs der Journalie" mit dem Thema Wulff mit dem mahnenden Finger auf die Presse zeigen, sollten bedenken: nur freie Presse, die u.U. auch mal überspitzt polarisiert, schafft unabhängige Meinungsbildungs- und -äußerung im Volk. Das haben all ihre Kommentare gezeigt. Wir haben das, wonach die Menschen in Russland und Nordkorea lechzen, denn sie bekommen nur stumpfe, einseitig polarisierte Informationen serviert und werden weggesperrt, wenn sie dagegen sind und das auch noch öffentlich bekunden.

Aufgrund der vielen interessanten Kommentare habe ich mich entschieden heute einen Insider Daily von Lesern für Leser zu machen. Zuerst lesen Sie zwei Beiträge zum Euro-Thema und dann je zwei Pro- und Contra-Einschätzungen zu meinem Wulff-Kommentar.

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen und ein erholsames Wochenende.

Ihre

Cindy Bach

Jetzt sind Sie gefragt - wo sehen Sie den Euro in fünf Jahren?

Kommentar von Ulli Fleischer:

"Bei der Einführung des Euro sind derartig grundlegende Fehler gemacht worden. (z.B. gründliche Analysen der Staaten und bei Nichteinhalten der Kriterien -Auschluss) Diese Fehler können nur wie z.Zt. mit zu hohem finanziellen Aufwand beseitigt werde. Außerdem sorgen die Ratingagenturen dafür, dass der Euro irgendwann 'den Geist' aufgibt.(evt.2012) oder später."

B. Köhler schreibt:

"Schon vor der Einführung des Euro haben anerkannte, Volkswirtschaftler vor dieser Gemeinschaftswährung mit unwiderlegbaren Argumenten gewarnt. Trotzdem wurde gegen jede volkswirtschaftliche Vernunft die Einführung des Euro beschlossen. Weil eine Währung aber nur so stark sein kann, wie die dahinter stehende Volkswirtschaft, müssten alle Volkswirtschaften Europas auf den gleichen Stand gebracht werden. Da das aus naheliegenden Gründen in diesem Jahrhundert nicht möglich ist, wird der Markt entscheiden welchen Wert der Euro international hat. Die starken Euro-Länder werden den größten Einfluss auf ihre Währung haben. Aus dieser Sicht könnte der Euro also auf wechselndem Nivau weiter bestehen.

Genau hier liegt jedoch der Knackpunkt. Jedes Euroland verfolgt nationale, egoistische Ziele, im Vertrauen darauf dass die Gemeinschaft den Schaden bezahlen wird. Stichworte sind: - Staatsverschuldung (3%?) - Subventionsbetrug - Vertragsbruch (Bail out) - die EZB kennt ihre vertraglich festgelegten Aufgaben nicht - die Gelder aus Brüssel fließen zu oft in dubiose Projekte - es müssen immer höhere Schulden gemacht werden, um alte Schulden abzulösen, mit Mitteln die die anderen Mitgliedsstaaten aufzubringen haben - Länder versuchen durch Personalentscheidungen in wichtigen Gremien ihren egoistischen Einfluß durchzusetzen - Deutschland wird durch Knebel/Hebelverträge/Entscheidungen aus Brüssel zunehmend entmündigt, mit Billigung unserer Regierung - der innere Zusammenhalt der Euro Länder wird ausschließlich monitär bestimmt. Diese Aufzählung könnte erweitert werden. Die Maastrich Verträge hätten aufgrund ihrer massiven Mängel nie ratifiziert werden dürfen. Also zunächst raus aus dem Euro und Verträge neu verhandeln, so schnell wie möglich. Besser ein Ende mit Schrecken, als....

Unsinn wäre auch ein Euro der zwei Geschwindgkeiten. Gute Beziehungen zwischen Ländern sind auch ohne Währungsunion möglich. Das 15-jährige Euro Jubiläum werden wir sicherlich nur dann 'feiern' können, wenn: - Deutschland auf Dauer die Schulden anderer Staaten über EZB/EWF usw. wesentlich mitfinanziert, nach dem Muster des Deutschen Länderfinanzausgleichs - Deutschland seine fiskalische und wirtschaftliche Souveränität an Brüssel abgegeben hat. Bestrebungen dazu wurde einigen Südländern ja schon in Aussicht gestellt. Dann werden es eher mehr als 17 Mitgliedsstaaten sein."

von
Cindy Ullmann
Cindy Ullmann

Cindy Ullmann nimmt regelmäßig Insidergeschäfte unter die Lupe. Sie stellt „Directors’ Dealings“ vor - zum Vorteil ihrer Leser.

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Kommentar von Mario B

Mir ist es so, ob eine gemeinsame Währung der Eurostaaten eine Voraussetzung (Frankreich) für die Wiedervereinigung der SBZ mit den Rest Deutschlands 1990 war. Man nahm einen großen Topf und warf alle möglichen Zutaten an Volkswirtschaften, Schulden, Politikweisen und Kultur- und Denkweisen verschiedenster Völker zusammen. Man drückte vorher nicht den Resetknopf oder machte „tabula rasa“ als man erst das Buchgeld und dann die Brückenscheine einführte. Die Tragödie ist wahrscheinlich in ihrem letzten Akt, außer man befindet sich gerade im retardierenden Moment. Ich persönlich glaube nur an das Fortbestehen des €uro wenn wir zur Transferunion werden. Ob wir dasselbe Schicksal erleiden wie die FED-regierten, ist für mich um wahrscheinlicher. Pest oder Cholera, einer davon wird unser Freund.

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Kommentar von Albert Karl

Sehr geehrte Frau Bach, ich war die letzten Tage verreist, deshalb melde ich mich nachstehend: Zum Thema EURO I. Ausgangslage: Schon Romano Prodi, damaliger EU-Kommissionspräsident hatte bekanntlich 2001 zur Euro-Bargeldeinführung festgestellt:"Es wird ein Kind geboren, das schon bei der Geburt eine erhebliche Dimension hat." Und glauben Sie mir, Herr Prodi kannte sich in solchen Dingen sehr gut aus! Will heissen, dass die überhastete Währungsunion zu einer kränkelnden Frühgeburt geführt hat. Wenn Deutschland finanziell und ökonomisch also gar keine Interessen an einer Einheitswährung haben kann- warum traten dann gerade deutsche Politiker so stark für das unbeliebte Einheitsprojekt ein? Sicher spielt hier der geschichtliche Hintergrund eine gewisse Rolle: Als 1990 die deutsche Einheit ins Haus stand, war das für die meisten unserer Nachbarn bedrohlich hinsichtlich der gesteigerten Wirtschaftskraft des vereinigten Deutschland. Man hat sich bemüht, Deutschland fest in Europa einzubinden, damit es seine eigenständige Wirtschaftspolitik verlieren würde. Und dazu eignet sich eben der Entzug der Währungssouveränität. Der Beschluss, die D-Mark abzuschaffen, erfolgte deshalb nach der deutschen Einheit, im Jahr 1992 durch den Vertrag von Maastricht. IST-STAND: 1. Weil die Euro-Staaten mit dem Euro ihre Währung nicht mehr abwerteten und so ihre Produkte im Export billiger machen konnten, gewann ab ca. 2005 die BRD (die Lohnstückkosten in der EU stiegen zwischen den Jahren 2000 und 2010 bis zu 30 %; in der BRD blieben sie stabil. Die Reallöhne stagnierten allerdings). Der wirtschaftliche Aufschwung stellte sich in 2010 ein: 60 Prozent der deutschen Exporte im Gesamtwert von ca. 98 Mrd. Euro gingen in die EU. 2. Finanz- und Bankenkrise: Die Konstruktion des EURO als Einheitswährung ist dafür ausgelegt, womit sich der Euro-Raum seit fast zwei Jahren auseinandersetzen muss: Gerät ein Land an den Rand der Zahlungsunfähigkeit, gefährdet es auch den Rest des Währungsraums. Im Kampf mit den Spekulanten auf den Finanzmärkten um die Währung wuchsen die staatlichen Garantiesummen hinsichtlich der Schuldenkrisen in Irland, Italien, Portugal, Spanien und Griechenland immer weiter an: Wie wir alle wissen, haften die EU-Mitglieder mit 500 Mrd. Euro, wovon die BRD momentan 123 Mrd. Euro trägt. 2. Mit einer Preissteigerungsrate von ca. 2 % bleibt der Euro eine stabile Währung - bis heute! 3. Der Euro ist noch die zweitwichtigste Währung der Welt. 4. Fest steht, dass der Euro die wirtschaftlichen Stärken und Schwächen der Staaten nicht ausgleichen konnte. So führten die anhaltenden Unterschiede in den Lohnstückkosten sowie bei den Teuerungsraten zwischen den einzelnen Ländern zu einer nachhaltigen Verschlechterung der Wettbewerbsposition einer Gruppe von Mitgliedsstaaten. 5. Leider können wir noch nicht von einer politischen Union in der EU sprechen. Das hat die fehlende europäische Kontrolle der nationalstaatlichen Finanzen gezeigt. Erst jetzt auf dem EU-Gipfel in Brüssel im letzten Dezember beschlossen die Staats- und Regierungschefs automatische Sanktionen. 6. Die Gretchenfrage nach der Aufgabe der EZB ist unter Experten hoch umstritten und führte letztlich zum Rückzug des Herrn Stark im September 2011. Seither galt der Schäuble-Vertraute Jörg Asmussen als aussichtsreichster Kandidat, der deutsche Interessen und die Linie der Bundesbank zu vertreten pflegte. 6.1 Traditionell sieht ja die deutsche Position den Auftrag der EZB vor allem in der Gewährleistung der Preisstabilität. Diese Maßgabe war einst Voraussetzung für die deutsche Zustimmung zu der europäischen Institution. Wie wir wissen, diente als Vorbild die Bundesbank, die die D-Mark so lange stabil gehalten hatte. 6.2 In dieser Richtungsentscheidung hat sich bedauerlicherweise Herr Draghi nun auf einen anderen Kandidaten festgelegt; seine Wahl fiel auf den Belgier Peter Praet. 6.3 Für Deutschland bedeutet diese Entscheidung eine empfindliche Beschneidung des eigenen Einflusses. Man kann nicht mehr persönlich, finanzpolitisch Einfluss auf die strategischen Geschicke nehmen. 7. Wir steuern auf eine hohe Inflation zu. 7.1 Die etwas stabileren Staaten wie die BRD haben die Schulden der Pleite-Staaten dauerhaft mit zu übernehmen. Wahrscheinlich als Euro-Instabilitätsbonds (die überschuldeten Staaten werden automatisch verleitet, noch mehr Schulden aufzunehmen. Unser Staat wird dann sehr wahrscheinlich seine gute Bonität verlieren und das bedeutet: Höhere Zinsen! II. FAZIT: Da Deutschland und Frankreich gemeinsam die Führung übernommen haben, um zu retten was noch zu retten ist - auch wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist - müssen 1. die Länder der Euro-Zone die jetzt beschlossenen Maßnahmen stringent und zügig umsetzen für eine stärkere Planabstimmung der Wirtschaftspolitik. Damit könnte man den Geburtsfehler des Euros im Nachhinein korrigieren. 2. Ein Happy End für den Euro in ca. 10 Jahren ist nicht nur wünschenswert, sondern dann wahrscheinlich, wenn die Staatsschulden in den Griff gebracht werden. Bekanntlich müssen die Regierungen dieser Welt in diesem Jahr fast 8 Billionen Dollar an Schulden zurückzahlen, was nur über die Aufnahme neuer Schulden gehen dürfte (Deutschland 285 Mrd. Dollar). 3. Dass Euro-Bonds und Inflation kommen, ist wahrscheinlich. 4. Es ist unwahrscheinlich, dass es tatsächlich zu einer Euro-Spaltung kommt. 5. Die Rückkehr zur D-Mark ist sehr unwahrscheinlich. Dem Euro ist unser Exportboom der letzten Jahre zum Teil zu verdanken. Unsere Unternehmer und die Bundesregierung dürften alles veranlassen, den Euro am Leben zu erhalten - allerdings müssen wir schon auch sehen, dass auf Basis der aktuellen Rettungsmaßnahmen ein Überleben der Euro-Zone in der jetztigen Form bei einer Zahlungsunfähigkeit eines wirklich großen Eurolandes wie Spanien oder Italien gar nicht gewährleistet ist. Gruß und gute Nacht, Ihr interessierter Leser Albert Karl aus München

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Kommentar von rudolfengelhardt

Beiden Kommentaren wie o.e. kann ich nur zustimmen. Vor allem die Überprüfung der Finanzen der einzelnen Länder und die Berücksichtigung der grundsätzlich anderen Einstellung der Mittelmeerländer war eine tolle Fehlleistung. An Dummheit nicht zu überbieten!- Genauso dumm fand ich die Bemerkung von Frau Schausten beim Interview von Herrn Wulff,daß man doch Freunde für einen mehr oder weniger langen Urlaub oder Übernachtung bei Ihnen Geld in die Hand drücken sollte. Bescheuert! Sie hat - wenn überhaupt - die falschen Freunde!

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