Euro stürzt ab
Henrik Voigt in DAX Daily zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 15. Dezember 2011, 08:30 Uhr
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nach den Jubelfeiern der Börsen im Vorfeld des letzten EU-Krisengipfels (Sie erinnern sich: der mit dem „großen Wurf Nr. 15") und einer Woche gespannten Abwartens haben sich die Börsen in dieser Woche also mal wieder für die Abwärtsrichtung entschieden. Die Ernüchterung durch die schieren Fakten ist vermutlich doch zu groß, trotz aller versöhnlichen Weihnachts- und Jahresendrallystimmung. Und diese Fakten sehen so aus:
Während am Freitagabend noch alle EU-Länder außer Großbritannien zustimmten, einen neuen zwischenstaatlichen Vertrag auszuarbeiten, rudern inzwischen Dänemark, Ungarn, Tschechien und Polen wieder zurück. Das italienische Sparpaket im Umfang von 30 Milliarden Euro wurde gestern vom Parlament verabschiedet, aber dennoch stiegen die Zinsen für italienische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 5 Jahren auf ein neues Rekordhoch seit Bestehen der Eurozone! Die Anleihen im Wert von 3 Milliarden Euro erreichten Zinsen von 6,48 Prozent, während sie einen Monat zuvor noch bei 6,29 Prozent lagen.
Der Euro ist unterdessen unter die Marke von 1,30 zum Dollar gefallen und hat damit ein mittelfristiges Verkaufssignal mit Mindestkursziel 1,15 generiert. Unten habe ich Ihnen dazu den Chart angehängt. Er stammt aus meinem Börsendienst DAX Profits, in dem ich meine Leser am Dienstag warnte, dass die Weihnachtsrally bei Aktien ausfallen dürfte, wenn der Euro weiter abrutscht. Und jetzt haben wir den Salat.
Euro im Tageschart
Ich kann viele Anleger verstehen, die sich mit ihren gebeutelten Aktiendepots wenigstens zum Jahresende etwas Entspannung erhoffen und von der Politik schnelle Lösungen erwarten. Aber eine Krise, die sich über Jahrzehnte aufgebaut hat, ist nicht in ein paar Monaten zu lösen. Offenbar ist es schwerer als gedacht, an den Märkten verlorenes Vertrauen wiederherzustellen. Mit den großzügig verteilten Vorschusslorbeeren im Oktober und Dezember standen die Aktienbörsen allein da, während sich Devisen,- Rohstoff- und Anleihenmärkte weiter skeptisch zeigten. Ohne Rückenwind wird der weitere Aufstieg allerdings schwer werden.
