Euro Stoxx 50: Austauschgeschwindigkeit wird erhöht
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 23. Februar 2009, 08:00 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
der seit rund 14 Monaten andauernde Verfall der Aktienkurse hat vielen Aktienindizes stark zugesetzt. Nicht nur die deutschen Flagschiffe DAX, MDAX, TecDAX und SDAX mussten deutlich Federn lassen, auch supranationale Indizes haben sich überdurchschnittlich verbilligt. Anleger kennen diese Entwicklung noch gut aus der Zeit der Internetblase, deren Platzen ein ähnlich starkes Erdbeben verursachte. Die Deutsche Börse musste im Laufe der damaligen Baisse sogar den Technologieindex Nemax 50 auflösen, weil die Glaubwürdigkeit der darin enthaltenen Aktien einfach dahin war und der Index nur noch ein Schattendasein führte. Sein Ersatz, der TecDAX, operiert zwar mit deutlich verbesserten Rahmenbedingungen, vor den Ausläufern der neuen Baisse wurde er dennoch mit voller Wucht erfasst. Vor dem Hintergrund der aktuell fundamentalen Veränderungen an den Aktienbörsen stellt sich die Indexbetreiber deshalb die Frage, wie sie die Qualität ihrer Produkte erhöhen können. In der vergangenen Woche hatte ich hierzu bereits die Maßnahmen beschrieben, die die Deutsche Börse zur Qualitätssicherung insbesondere beim DAX ergriffen hat. Nun rang sich auch der Indexbetreiber der viel europäischen Indizes, Euro Stoxx 50 und Stoxx 50, zu einer Regeländerung durchgerungen.
Zweimonatige Schwächephase reicht zum Austausch
Demnach soll die Überprüfungsphase hinsichtlich der Qualitätskriterien von alle 12 Monate auf im Extremfall zwei Monate verkürzt werden. Der bisherige, reguläre jährliche Austauschtermin Anfang September zu soll dynamisch um die sogenannte „Fast Exit-Regel" ergänzt werden. Diese Maßnahme entspricht einer langjährigen Forderung der Investoren, die mit der Schwerfälligkeit der Stoxx-Indizes im Vergleich zu anderen Indizes bisher nie ganz glücklich waren. Ursache für den zunehmenden Handlungsdruck ist die durch den dramatischen Kursverlust vieler Schwergewichte ausgelöste Verschiebung der Indexgewichtung. Nach den bisherigen Regeln musste auf eine Veränderung der Indexzusammensetzung dennoch bis zum jeweiligen September-Termin gewartet werden. Das damit die Attraktivität des Index nicht gerade erhöht wird, versteht sich von selbst. Um nicht vollständig von Radar der Anleger verschwinden, sah sich Stoxx nun gezwungen, zu handeln. Ein Indexmitglied, dass zwei Monate hintereinander auf Platz 75 oder schlechter auf der am Monatsanfang erscheinenden „Selection List" erscheint, muss den Index verlassen. Im umgekehrten Fall können dann alle Unternehmen, die eine bessere Platzierung erreichen, aber noch nicht im Index sind, dann aufgenommen werden. Der Termin für den Austausch ist der sechste Handelstag des jeweiligen Monats, Gültigkeit erlangt die Regelung ab April.
Spekulation um Auf-und Absteiger führt zu neuen Schwankungen
Die Veröffentlichung der neuen Regelung hat folgerichtig sofort zu Spekulationen um die nächsten Auf- und Absteiger geführt. Ähnlich wie im DAX haben sich beim Euro Stoxx 50 schon eindeutige Favoriten herauskristallisiert. Während die mittlerweile verstaatlichte Investmentbank Fortis so gut wie sicher absteigt, wird der Bierkonzern Anheuser-Busch-Inbev vermutlich den Aufstieg in den elitären Kreis schaffen. Zweiter Absteiger wird sehr wahrscheinlich der Automobilkonzern Renault sein, als weitere Aufsteiger dürfen sich CRH, Ahold und die Deutsche Post sich Hoffnung machen. Beim Stoxx 50 muss sich wohl die Royal Bank of Scotland auf einen Abstieg gefasst machen, zudem könnte Barclays gefährdet sein. Als Aufsteiger kommen der französische Konzern Vivendi sowie VW, RWE und Müncher Rück in Betracht. Bis zum tatsächlichen Austausch dürften alle diese Titel erhöhten Schwankungen ausgesetzt sein, denn die Zugehörigkeit zum einen oder anderen Index ist natürlich auch mit einem entsprechenden Prestige verbunden. Vor allem die Fondsmanager werden versuchen Änderungen durchsetzen, die ihnen möglichst geringe Kosten verursachen. In Zeiten, in denen aufgrund sinkender Aktienkurse die Umsätze ohnehin nicht sonderlich hoch sind, reicht deshalb schon die Platzierung mittelgroßer Orders, um die Kurse der gewünschten Aktien über die Ziellinie zu bringen.
