Euro startet durch!
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 12. Juli 2004 12:00 Uhr
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Der Euro startet gerade richtig durch! Ich hatte kaum mit diesem Beitrag begonnen, da kletterte er über die 1,24. Und dann direkt ein Sprung auf 1,2433. Hoffentlich haben Sie meinen Rat befolgt und am besten EUR/USD-Powercalls gekauft. Ich hatte ja nun wirklich oft genug dafür getrommelt. Und ich bin weiter bullish für den Euro. Oder, genauer gesagt, bearish für den Dollar. Aus fundamentalen Gründen. Nehmen wir nur das oft zitierte US-Handelsbilanzdefizit. Die USA importieren weit mehr, als sie exportieren. Was bedeutet das eigentlich? Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole:
Nun, zunächst einmal bedeutet das, dass mehr Geld aus dem Land fließt, als hineinströmt. Dieser Betrag lässt sich genau beziffern: Derzeit sind es rund 1,3 Milliarden US$ – PRO TAG! Das ist der Betrag, um den der Wert aller importierten Waren den Wert aller exportierten Waren übertrifft. Deshalb ist es kein Wunder, dass sich besonders in den kalifornischen Häfen mittlerweile leere Containerschiffe stauen. Sie kommen voll beladen aus Asien an, löschen ihre Fracht – und haben dann keine Ladung, mit der sie nach Asien zurückkehren könnten. Deshalb die riesige Armada leerer Containerschiffe an der amerikanischen Westküste.
Ich bewerte dieses amerikanische Handelsbilanzdefizit eindeutig negativ. Um eins klar zu stellen: Ein Handelsbilanzdefizit ist nicht grundsätzlich negativ zu bewerten. Es kommt auf den wirtschaftlichen Kontext an. So kann es zum Beispiel für ein Land, das nach einer schweren Krise wieder auf den Wachstumspfad zurückfindet, durchaus sinnvoll sein, ein Handelsbilanzdefizit zu haben. Nehmen Sie die alte Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg: Der Export lag am Boden, da die landwirtschaftliche Produktion, die abgebauten Rohstoffe und die geringe Konsumgüterproduktion im eigenen Land gebraucht wurden. Es wurden Rohstoffe, Nahrungsmittel und Fertigprodukte importiert – aber auch Material, um die teilweise demontierten Fabriken wieder aufzubauen. Gerade der Import von Gütern, die die eigene Produktionsbasis stärken, kann sehr viel Sinn machen – auch auf Kosten eines vorübergehenden Handelsbilanzdefizits. Denn durch diesen Import kann die eigene Produktionskapazität erweitert werden, was sich langfristig in steigenden Exporten und damit einer nachhaltigen Verbesserung der Handelsbilanz niederschlägt.
In den USA sieht es anders aus: Die Vereinigten Staaten sind kein Land, das nach einer schweren Krise wieder auf den Wachstumspfad zurückfindet und deshalb verstärkt Güter zum Ausbau des produktiven Sektors importiert. Es sind hauptsächlich Konsumgüter, die importiert werden. Konsumgüter, die im Ausland – vor allem in Südostasien – billiger als in den USA selbst hergestellt werden können. Angefangen von Textilwaren bis hin zu Flachbildschirmen, meist "Made in China". Sie müssen wissen: Die US-Wirtschaft ist extrem konsumlastig, der private Konsum ist für fast drei Viertel des amerikanischen Bruttoinlandsproduktes verantwortlich. Diese Konsumlastigkeit durch ein hohes Handelsbilanzdefizit noch auszubauen, halte ich nicht für sinnvoll – weshalb ich das US-Handelsbilanzdefizit als eindeutig negativ bewerte. Negativ für die US-Wirtschaft insgesamt, und damit auch negativ für den US$.
Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche!
Michael Vaupel