Euro sinkt nach Leitzinserhöhung der EZB
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 12. Juni 2006 18:00 Uhr
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Ich wurde mehrfach von Lesern gefragt, warum ich davon ausgegangen bin, dass nach der Leitzinserhöhung der Euro zum Dollar weiter sinken wird. Eigentlich müsse er doch steigen.
Es geht hier um die Zukunft, wie immer. In Erwartung dieser Zinserhöhung ist der Euro schon gestiegen, dann kam das Ereignis, die Zinsentscheidung und er ist gefallen. Allerdings gibt es hier noch einen anderen Grund: Die EZB machte in ihrem Statement nicht den Eindruck, als würde sie einen nachhaltige Straffung der Zinsen in der EU anstreben. Gleichzeitig wird auf der anderen Seite des Ozeans immer deutlicher, dass Ben Bernanke einen starken Dollar will, also die Zinsen sogar evt. noch weiter anheben wird.
Der Unterschied macht es
Es geht beim Dollar / Euro Vergleich im Prinzip sehr vereinfacht um den Unterschied zwischen den Zinsniveaus, also dem Zinsgefälle. Während in den US die Zinsen bei 5 % liegen, stehen wir hier noch bei moderaten Zinsen von 2,75 %. Wenn Sie nun überlegen, wo Sie lieber Zinsen anlegen; in den USA zu 5 % oder hier zu 2,75 %, dürfte Ihnen diese Entscheidung nicht schwer fallen. Mit anderen Worten: Noch fließt Geld in die USA, dieser Geldzufluss wirkt sich stützend auf den Dollar aus.
Nun ist der Preis das Dollar/Euro-Verhältnis nicht nur von der Zinsdifferenz abhängig, sondern auch von der Erwartung: Bis zur Zinserhöhung der EZB waren die meisten Devisentrader davon ausgegangen, dass sich diese Zinsdifferenz bald verringern wird – kurz hier in Europa starten wir eine Phase der Zinserhöhungen, während die Zinserhöhungsphase in den USA ein Ende findet.
Darauf wurde bereits spekuliert. Diese Hoffnung hat aber, wie gesagt, seit dem Statement der EZB ein dicken Dämpfer erhalten. Aus diesem Grund fällt der Euro. Wie ich letzte Woche deutlich gemacht hat, hat er auch charttechnisch eine Topformation ausgebildet.
Stimmiges Bild
In diesem Fall passen Charttechnik und Fundamentals zusammen – das ist meistens ein verlässlicher Indikatoren, wenn man auch selbst in solchen Fällen immer daran denken muss, dass an den Börsen immer alles möglich ist.
Nun könnten Sie fragen, ob man denn nun nicht auf einen fallenden Euro traden sollte. Grundsätzlich hat sich das Bild nicht verändert. Wir befinden uns immer noch in einem sehr großen und stabilen Aufwärtstrends des Euros (Eigentlich müsste man korrekterweise sagen: Abwärtstrend des Dollars). Im Moment wird nur die zeitliche Verschiebung des obigen Szenarios (Ende oder deutliche Verringerung der Zinsdifferenz) eingepreist, das Szenario selbst ist damit aber nicht aus der Welt.
Der Markt sucht lediglich ein Niveau, ab dem wieder neues Geld auf dieses Szenario traden wird. Sollten morgen die Inflationszahlen besser als erwartet ausfallen, dann kann die Abwärtsbewegung des Euros ein sehr jähes Ende finden, schließlich wäre das ein Hinweis dafür, dass die FED weitere die Zinserhöhungen aussetzt.