Euro-Politiker spielen auf Zeit
Miriam Kraus in Rohstoff Daily zum Thema Rohstoffe
vom 16. März 2010, 20:00 Uhr
ENL5462
Wieder gibt's neues zum Thema Griechenland, dass sich zu erörtern lohnt! Obwohl, eigentlich ist es doch wieder nichts Ganzes und auch nichts Halbes. Eigentlich nur viel Gerede und schon ist wieder ein Tag im Leben der Griechen, Euro-Bürger und Marktteilnehmer vergangen....
Doch zur Sache:
Von Plänen und technischen Rahmenbedingungen
Gestern hieß es allerorten noch, die Euro-Länder hätten sich nun doch auf einen Hilfsplan für Griechenland verständigt. Daraufhin verteidigte sich die Bundesregierung, diese Darstellung sei so nicht korrekt.
Also zitieren wir doch einfach mal Luxemburgs Juncker, seines Zeichens Eurogruppen-Chef, der da sprach, die Euro-Finanzminister hätten sich lediglich auf technische Modalitäten für eventuelle bilaterale Hilfen verständigt. Allerdings gäbe es da natürlich noch einige offene Fragen, welche die EU-Staats- und Regierungschefs erst einmal klären müssten.
Die Bundesregierung beeilte sich derweil zu erklären, dass beim nächsten EU-Gipfel in der kommenden Woche besser keiner mit einer Entscheidung rechnen solle.
Die Finanzminister sind sich im Gros offenbar nicht ganz einig - während Belgiens Finanzminister Didier Reynders bekannt gab, sein Land sei dazu bereit Griechenland zu helfen, zeigte sich sein italienischer Kollege Giulio Tremonti ebenso wenig begeistert wie Bundes-Schäuble. Seine Regierung, so Tremonti, werde sich erst bei der endgültigen Vorlage eines Plans festlegen. Schön, nicht?! Italien (weil man es sich nicht leisten kann) und Deutschland (weil man als größte Euro-Volkswirtschaft immer am meisten blechen muss) in gemeinsamer Zurückhaltung vereint!
Dementsprechend lasse ich mich gerne auf Junckers Aussage zu den technischen Modalitäten ein, aber von einem Plan seh sich da ehrlich gesagt noch nix!
Und Griechenland?
Tja, Griechenland - hat immer noch nicht gelernt, dass bereits der zweite Generalstreik in diesem Jahr auch nicht dazu beiträgt, großes Vertrauen an Land zu ziehen. Davon abgesehen aber, dass das alles inzwischen langweilig geworden ist, hat sich nicht allzu viel verändert.
Gut, die Renditen für 10-jährige griechische Staatsanleihen sind ein bisschen gefallen - um genau zu sein auf 6,16%. Was aber immer noch wahnsinnig hoch ist! Damit liegen die Renditen auf griechische Papiere immer noch rund 297 Basispunkte über den Renditen für deutsche Papiere. Die sind im Übrigen ein wenig gestiegen, als Folge des großen Plan-Geredes (denn schließlich gehen alle davon aus, dass es Deutschland sein wird, das im Falle einer Rettungsaktion am meisten gefordert wird).
Aber, die Griechen schaffen das alleine....
...hofft zumindest nicht nur Bundesfinanz-Häuptling Schäuble! Jedenfalls wurde er nicht müde zu betonen: "Es bleibt dabei, Griechenland hat um Hilfe nicht nachgefragt, und deshalb gibt es darüber auch keine Entscheidung. Wenn eine unmittelbare Zahlungsunfähigkeit bevorstehen würde, dann müssten wir darauf reagieren."
Also geht es gar nicht nur um Griechenland?! Na ja, nicht nur! Das lustige ist, Schäuble hat ja sogar Recht: die Griechen könnten das (wobei wir natürlich erst einmal definieren müssten, was DAS eigentlich zu bedeuten hat, denn irgendwelche 3%-Defizit-Grenzen schafft ja sowieso keiner mehr) sogar schaffen, wenn sie sich günstig, oder zumindest zu durchschnittlichen Euro-Rahmenbedingungen refinanzieren können. Dazu gehört auch eine Mischung aus Einsparungen von unnötigen Ausgaben, klugen Mehreinnahmen, vielen Touristen, Vertrauen des Marktes und auf sehr lange Sicht die graduelle Senkung des Defizits.
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