Euro leicht unter Druck

Jochen Steffens in Investors Daily
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von Jochen Steffens

Eigentlich ist alles überhitzt: Der Euro, Gold und die Aktienmärkte. Ich habe mich jedoch immer wieder gefragt, wie diese Überhitzung gleichzeitig abgebaut werden soll. Könnte es gleichzeitig zu fallende Aktienkursen, einem fallenden Euro und auch noch zu einem fallenden Goldpreis kommen? Ganz abwegig ist das nicht, es gibt mehrere mögliche Szenarien dafür. Wobei ich (noch) nicht behaupten will, dass diese Szenarien auch so wirklich eintreten. Ich will sie lediglich schon einmal als Ansatz vorstellen. Dazu zunächst diese Nachrichten:


Die EZB begann heute mit stärkeren "verbalen" Interventionen gegen den Euro-Höhenflug vorzugehen. EZB-Chef Jean-Claude Trichet äußerte sich nach einem Treffen der sogenannten G10 Notenbankchefs in Basel besorgt über die jüngsten Wechselkursbewegungen. Prompt reagierte der Euro und sackte nach einem Kurs von knapp 1,29 Dollar wieder auf 1,275 Dollar. Etwas obskur ist in diesem Zusammenhang die Nachricht, dass ein Sprecher des US-Finanzministeriums bekräftigte, es gäbe keine Änderung in der Politik des starken Dollars. Aha, das war also in dem letzten Jahr eine Politik des starken Dollars?

Insgesamt könnte es klappen: Die EZB mit Hilfe der G10 Zentralbankchefs bringt den Euro unter Druck, er fällt. Wenn dann die amerikanische Notenbank FED noch die US-Leitzinsen anheben würde, könnte das zu fallenden Märkten und einem steigenden Dollar führen. Mit anderen Worten: Der Euro fällt, die Märkte fallen und der in Dollar gelistete Goldpreis fällt ebenfalls.

Nur, durch die letzten Arbeitsmarktdaten ist eine Zinsanhebung in weite Ferne gerückt. Gut, es geht auch ohne eine Zinsanhebung der FED: Die EZB senkt die Zinsen, der Euro kommt unter Druck. Die amerikanischen Börsen spielen Deflation, da die Wirtschaft doch nicht anspringt. Die Märkte fallen und der in Dollar gelistete Goldpreis könnte dann aufgrund des schwächeren Euros im Verhältnis fallen.

Im Moment fällt zwar der Euro aber der Dax steigt. Begründet wird dieser Anstieg von Analysten eben mit dem fallenden Euro. Ich bin hingegen etwas verwundert über die Stärke des Dax, denn der Dow hat nach seinem 130 Punkte Verlust vom Freitag lediglich nur magere 37 Punkte aufholen können. Aber Triebfeder ist der Nasdaq, der freudig vor den Intel-Zahlen am Mittwoch bereits im Vorfeld positive Überraschungen einpreist.

Der Dow steht dabei immer noch kurz davor, seinen steilen, seit November bestehenden, Aufwärtstrend zu brechen. Gleichzeit ist der Dow an der oberen Trendlinie seines langjährigen Abwärtstrends abgeprallt. Hier wird in den nächsten Tagen eine Entscheidung fallen. Und wahrscheinlich wird Intel mal wieder Zünglein an der Wage spielen.

Wirklich wichtig sind auch die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in dieser Woche. Sollte diese Zahl die schlechten Arbeitmarktdaten vom Freitag noch unterstützen, rechne ich mit fallenden Märkten. Es erwarten uns also spannende zwei Tage, der Dax ist offenbar zuversichtlich, dass alles so weiter gehen wird. Ich bin hingegen eher skeptisch.

Ich sehe gerade, dass die amerikanischen Indizes bei weitem nicht so zuversichtlich starten, wie der Dax gedacht hat. Belastend wirkt sich unter anderem aus, dass angesichts schrumpfender Öl-Reserven der Ölpreis wieder auf 35 Dollar (!) gestiegen ist und damit auf einem Niveau von kurz vor dem Irak-Krieg notiert. Die Hoffnung, dass der gewonnene Irak-Krieg zu sinkenden Ölpreisen führen wird, ist damit auch hinfällig geworden.

Und zum Schluss: Unser Lieblingsnotenbänker, Old Greeny, befindet sich in Deutschland und redet heute um 17.00 Uhr auf einer Konferenz der Deutschen Bundesbank zum Thema Globalisierung. Dabei ist mit einer offenen Fragerunde der Zuhörer zu rechnen. Manche erhoffen sich Hinweise zum Markt durch Aussagen von Greenspan. Dazu eventuell morgen mehr.


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