Euro-Krise verschärft sich! Schlechtes Timing der Deutschen...
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 19. Mai 2010, 12:00 Uhr
ENL5454
Herrje, was für ein Timing! Sollte das seit Mitternacht geltende deutsche Leerverkaufsverbot zur Beruhigung der Märkte dienen, oder gar den Druck auf den Euro nehmen - dann ist das Ganze aber gründlich nach hinten losgegangen!
Leerverkaufsverbot
Ganz überraschend kam gestern Abend die Nachricht, dass ab Mitternacht ein Verbot für Leerverkäufe auf die Aktien der 10 größten deutschen Finanzunternehmen gelten wird. Darüber hinaus ist in Deutschland ab sofort auch der Handel mit bestimmten (ich sage einmal ungedeckten) Kreditausfallversicherungen auf Staatsanleihen der Euro-Zone untersagt.
So weit, so na ja! Leerverkaufsverbote gab es auch während der letzten Banken- und Finanzmarktkrise. Und solche Verbote halten in der Regel sowieso nicht ewig lange. Das CDS-Verbot...na ja, kann man irgendwie nachvollziehen, obwohl es den Finanzmarktakteuren gar nicht schmeckt.
Finanzmarkt-Transaktionssteuer
Aber der Hammer ist natürlich das Gerede über eine Finanzmarkt-Transaktionssteuer. Das einzige was damit erreicht würde, wäre am Ende ein eingeschränkter und extrem dünner Handel und ein Heer von Arbeitslosen aus der Finanzbranche.
Dementsprechend gehe ich davon aus, dass eine solche Steuer auf globaler Ebene nicht durchführbar sein wird. Vor allem nicht mit den Amerikanern!
Nun spricht man hierzulande aber über eine europäische Lösung. Jetzt mal ernsthaft, ist das wirklich euer Ernst, liebe Politiker? Klar, wenn ihr wollt, dass die europäische Finanzindustrie im globalen Wettbewerb künftig den Löffel abgibt, dann könnt ihr das gerne durchführen. Jedenfalls wäre Europa damit so gut wie raus aus dem weltweiten Handel. Wenn europäische Finanzunternehmen tatsächlich für jeden einzelnen Trade eine Steuer abdrücken müssen, dann gute Nacht für Europas Finanzindustrie. Was sagen eigentlich die Briten, mit ihrem Finanzstandort London, dazu? Überraschend war ja schon, dass die Cameron-Regierung sich in Punkto Hedge-Fonds breit schlagen ließ. Aber machen die Briten auch bei dieser Sache mit? Wahrscheinlich nicht...aber wahrscheinlich wird es auch gar nicht dazu kommen. Vielmehr hat man gestern vermutlich einfach versucht einmal auszuprobieren, wie wirklich schlechtes Timing den Markt bewegt.
Angesichts des Leerverkaufsverbots auf CDS, ist den Marktteilenehmern augenscheinlich nichts anderes mehr übrig geblieben, als stattdessen eben den Euro noch stärker zu verkaufen. EUR/USD klatschte in der Folge auf ein Jahrestief bei 1,2145. Aktuell notiert EUR/USD bei 1,2188. Der Abwärtsdruck bleibt weiterhin bestehen - heute dürfte eine Range zwischen 1,21 und 1,22 möglich sein. Erst ein Überwinden des Widerstands bei 1,2450 nimmt wieder etwas Druck von der Einheitswährung.
Quelle: CFX-Trader
