Euro favorisiert: EUR/USD über 1,31
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 17. September 2010, 12:00 Uhr
ENL5454
Alle wollen eine schwache Eigenwährung und der Euro legt zu! Weiterhin schwache US-Daten und eine erfolgreiche Anleihenauktion Spaniens runden das Bild ab.
USA vs. Japan oder der Euro profitiert
In Zeiten in denen die konjunkturellen Aussichten nicht die besten sind, würden alle gerne mit Hilfe des Exports ihre Wirtschaft gesund stoßen. Ganz gut gelingt das im Moment nur den Deutschen (Europäern) und wie immer den Chinesen. Beide Länder (oder Zonen) erfreuen sich aber auch einer im Vergleich schwächeren Währung, obwohl der Euro in letzter Zeit natürlich zugelegt hat (und eigentlich fundamental betrachtet noch immer überbewertet ist) und die Chinesen den Yuan langsam und schrittweise aufwerten.
Eine starke Exportwirtschaft wünschen sich aber auch die US-Amerikaner und die Japaner, die zugleich gegen die ewige Deflation kämpfen. Nachdem der Yen immer weiter aufwertet, haben die Japaner nun die Notbremse gezogen und sich der Interventionspolitik hingegeben. Halbwegs nachhaltig ist so eine Politik aber nur, so lange die Bank of Japan im Markt bleibt. Dafür müsste sie dann über kurz oder lang Yen drucken - ein Vorgehen, dass den Japanern gefallen dürfte, lässt sich dadurch doch der Deflationsdruck senken. Bleibt aber noch die FED! Auch die Amerikaner wollen exportieren, wollen also einen schwachen US-Dollar haben. Und auch die FED hat kein Problem damit US-Dollar zu drucken. Am Ende, so sieht es auf den ersten Blick aus, läuft es auf einen Konflikt zwischen den USA und Japan hinaus - oder besser gesagt: auf ein Wettrennen, wobei es darum geht, wer seine Währung schneller schwächen kann.
Wohlgemerkt nur auf den ersten Blick, auf den zweiten Blick kommt nämlich noch eine dritte Währung ins Spiel: der Euro. Denn was bleibt am Ende, wenn Yen und US-Dollar geschwächt werden sollen? Im Grunde nur der Euro. Kein Wunder, dass dann auch noch Gerüchte kursieren, die besagen, dass die Chinesen den Euro kaufen.
Und so legt der Euro zu (obwohl das den deutlich exportorientierten Europäern auch nicht gefällt; aber die Gefahr, dass sich die EZB auf die gleichen Spielchen einlässt, wie die anderen, ist trotz allem geringer; stattdessen versucht es Jean-Claude momentan mit mahnenden Worten an die Japaner) und sogar gegenüber dem Schweizer Franken, nachdem die SNB gestern ganz clever die Aussichten für Wachstum und Inflationsdruck nach unten geschraubt und - für mich allerdings wenig überraschend - natürlich auch die Zinsen nicht angehoben hat.
Die Daten tun ihr Übriges
Weiterhin schwache US-Daten und ein paar positive Entwicklungen aus Europa kommen da gerade Recht, um den Aufwärtsdruck der Einheitswährung zu bestärken. Spanien platzierte gestern erfolgreich eine Anleihe und in den USA steigt die Zahl der gepfändeten Immobilien. Der Philly FED Index weist für September einen Wert von - 0,7 aus. Erwartet worden war + 1,6. Und die US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe zeigen sich zwar zunächst leicht rückläufig, werden interessanterweise aber hinterher fast immer wieder nach oben revidiert.
EUR/USD notierte heute Morgen in der Spitze bei 1,3158, wurde aber dann an diesem Widerstandsbereich um 1,3150/60 aufgehalten und notiert aktuell wieder knapp unter 1,31 bei 1,3095. Im Bereich um 1,3090/95 und 1,3050/60 ergeben sich kurzfristige Unterstützungsmarken. Sollte der Widerstandsbereich um 1,3160 nachhaltig nach oben durchbrochen werden können, bilden sich die nächsten Widerstände bei 1,3200, 1,3220/30 und 1,3260.
Quelle: CFX-Trader
