Euro, Dollar -Yuan
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 14. November 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Wieder steigt der Euro weiter und weiter. Ein Grund, der dabei gerne übersehen wird, ist auch die Anbindung des chinesischen Yuan an den Dollar. Wie Sie wissen, verhindert diese Anbindung eine Aufwertung der chinesischen Währung gegenüber dem Dollar. Das wiederum erhöht zusätzlich den Druck auf den Euro.
Der niedrige Yuan ist erst einmal für China perfekt. Der niedrige Kurs, dazu die billigen Arbeitskosten, ermöglichen China ein günstiges Klima für den Export. Chinesische Waren überfluten zum Beispiel den amerikanischen Markt. Für die Amerikaner ist das wiederum überhaupt nicht günstig. Ein nicht unbeachtlicher Teil des positiven Effekts des schwachen Dollars auf die Handelsbilanz verpufft sozusagen in den chinesischen Markt. Man erkannte es an den letzten Zahlen.
Auf die deutsche Export-Wirtschaft wirkt sich der hohe Euro oder besser der niedrige Dollar natürlich negativ aus, so dass sich die Stimmen mehren, die EZB solle doch ihren geldpolitischen Kurs ändern. Zum Beispiel wird immer wieder gefordert, die EZB solle ähnlich wie die japanischen Notenbank an den Devisenmärkten gegen den schwachen Dollar intervenieren.
Da steckt allerdings das Problem im Detail. Die japanische Geldpolitik ist auf eine Geldmengenvermehrung aus, da sie seit vielen Jahren mit einer Deflation zu kämpfen hat. In Europa ist jedoch das Inflationsrisiko wesentlich größer. Eine Intervention am Devisenmarkt ist mit einer Vermehrung der Geldmenge verbunden, das kann den Japanern nur recht sein. In Europa ist die Inflationsrate vergleichbar hoch. Eine Ausweitung der Geldmenge ist daher mit einem erhöhten Inflationsrisiko verbunden.
Aus diesem Grund wäre auch eine weitere Zinssenkung gefährlich. Denn sollte sich die Wirtschaft deutlich erholen, dann könnte die Inflationsrate massiv anziehen, mit all den damit verbundenen negativen Folgen. Diesen Effekt befürchte ich schließlich auch in Amerika. Selbst wenn die Fed versucht Ruhe in die Märkte zu bringen, indem sie immer wieder beteuert, dass die Zinsen noch lange unten bleiben können – die ersten Anzeichen stehen auf Sturm.
So wurden zum Beispiel heute die Erzeugerpreise veröffentlich, dazu mehr im heute großen Bereich "US-Konjunkturdaten".
Eins noch in eigener Sache. Ich habe in letzter Zeit immer wieder Mails von Ihnen erhalten, mit Fragen, ob ich nicht einen eigenen Börsendienst anbiete. Ich kann Ihnen nun die freudige Nachricht mitteilen: Ja, ich habe mich vom Verlag überzeugen lassen und starte nun mit einem eigenen Traderdienst, allerdings mit einer limitierten Anzahl von Kunden. Es war mein Wunsch, denn ich möchte ein höchstes Maß an Kundennähe gewährleisten. Zudem will ich nicht die Märkte durch Empfehlungen treiben. Also, falls Sie Interesse haben, morgen geht die Mail raus, in dieser können Sie sich dann auch anmelden.
Aber keine Sorge, der Investor's Daily wird in gewohnter Qualität natürlich weiter kostenlos an Sie verschickt. Das wird sich auch nicht ändern.