Euro bevorzugt
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 27. April 2007 12:00 Uhr
ENL5454
*** Thema iranische Euro-Erdölbörse.
Nein, dazu gibt es nichts Neues (es sieht wirklich so aus, als ob dieses Thema stillschweigend ad acta gelegt worden ist).
Doch diese Woche verkündete der iranische Regierungssprecher Gholam Hossein Elham etwas, was auch interessant sein könnte: Die iranische Regierung hat der Zentralbank des Landes demnach vorgeschrieben, bei Transaktionen soweit wie möglich den Dollar zu boykottieren und auf den Euro zu setzen. Das soll auch für iranische Vermögensanlagen im Ausland gelten.
Das ist keine gute Nachricht für den Dollar (nun gut, den meide ich ohnehin so weit es geht, bin seit Jahren Dollar-Bär.) Aber es könnte auch der Bush-Administration überhaupt nicht gefallen, und den Konflikt der beiden politischen Führungen noch befeuern. Was wiederum den Ölpreis tendenziell steigen lassen dürfte, aufgrund einer höheren eingepreisten „Risikoprämie“. Und sichere Häfen wie Platin könnten ebenfalls davon profitieren.
Also: Dollar tendenziell runter, Öl und Platin tendenziell rauf – ich bin entsprechend positioniert.
*** Ganz interessant, was mein Kollege Bill Bonner so aus seinem neuen Heim in Argentinien schreibt (er hat sich dort eine Farm gekauft, man gönnt sich ja sonst nichts – Bill Bonner ist „self made“ Millionär).
Gerade hat er dort eine umfangreiche Solarthermie-Anlage installieren lassen. Und auch auf Photovoltaik setzt er, für den Strom. Wie er dazu kam? Ganz einfach: Die Farm liegt völlig abgelegen, ist überhaupt nicht ans öffentliche Stromnetz angeschlossen. „We had no choice anyway“ meinte er dazu so treffend wie lakonisch.
Jetzt hat er insgesamt 75.000 Dollar investiert und freut sich, dass er nur von Zeit zu Zeit den Staub von den Kontroll-Leuchten pusten sowie alle 3 Jahren ein paar Batterien ersetzen muss.
Und er muss keinerlei Rechnung für Warmwasser und Strom zahlen.
Mich interessierte die Wirtschaftlichkeit…wie rentiert sich der Einsatz dieser 75.000 Dollar?
Bill Bonner verwies darauf, dass er sonst um die 500 Dollar pro Monat für Strom und Wasser (es geht um eine recht große Farm!) zahlen müsste. Sein Einsatz von 75.000 Dollar würde deshalb eine impliziten Rendite von 8% erzielen.
Dann führte er einen typischen Bill-Bonner-Gedanken aus, ich übersetze das mal einfach:
“Aber das Schöne daran ist, dass das System funktioniert, egal ob wir Geld haben oder nicht. Es ist so wie…sparen. Denn wenn man 500 Dollar pro Monat zahlen müsste, dann müsste man diese 500 Dollar irgendwoher bekommen. Das ist wie mit einer Hypothek. Solange man auf keinem Haufen Geld sitzt, muss man arbeiten, um das zu verdienen. Und bei einem durchschnittlichen Steuersatz von 34% muss man schon 750 Dollar vor Steuern verdienen, um genug Geld für diese Strom/Warmwasser-Rechnung von 500 Dollar im Monat zu haben. Deshalb liegt die reale Rendite auf dieser Basis bei rund 12%. Nicht schlecht. Und sie ist…fast garantiert. Wo sonst erhalten Sie solche Renditen?“
“Das Einzige, was diese hohe Rendite verringern könnte, ware ein starker RÜCKGANG der Kosten für Strom und Warmwasser. Nicht sehr wahrscheinlich, meiner Meinung nach. Und im Gegenzug würde ein starker Anstieg dieser Kosten die reale Rendite meines Investments sogar noch steigern.“
Interessanter Denkansatz, den Bill Bonner da hat. Würde gerne mal mit ihm auf der Veranda seiner Ranch eine Flasche Wein trinken und plaudern, denn er ist ein wirklich angenehmer Zeitgenosse. (Was nicht heißt, dass ich seinen Anlagetipps vertrauen würde, denn ich weiß, wie er seine Tage verbringt.)
Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende! (Würde Ihnen auch gerne viel Sonne wünschen…doch das würde die Landwirte unter Ihnen ganz sicher nicht freuen, denn Regen ist für diese bitter notwendig.)
Ihr
Michael Vaupel