Euro-Austritt als Lösung?
Sven Weisenhaus in Wave Daily
vom 30. Januar 2012, 13:00 Uhr
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Sie werden mich vielleicht für irre halten, aber ich glaube tatsächlich, dass die Regierung, zumindest im Bezug auf die Bekämpfung der aktuellen Staatsschuldenkrise einen guten Job macht.
Regierung macht einen guten Job
Eine Eskalation der Lage, meinetwegen um einen Schlussstrich zu ziehen und neu anzufangen, dürfte uns deutlich härter treffen als die aktuellen Maßnahmen. Ein Ende des Euros ebenfalls.
Auch ein wildes Sparen würde die Wirtschaft weiter belasten und die aktuell drohende Rezession nur noch deutlich verschärfen. Womöglich würde es dann gar zu einer Deflation kommen, die sicher niemand haben will.
Es gab schon immer Staatsverschuldung und es wird die immer geben
Viel mehr Sinn macht für mich die aktuelle Vorgehensweise. Die Krise wird bekämpft, bis sie aus den Köpfen verschwunden ist. Wenn die Märkte wieder Vertrauen geschöpft haben und es zu einem soliden Wirtschaftsaufschwung kommt, kann man immer noch die Schulden bekämpfen. Leider dürfte unseren Politikern dann die Motivation fehlen, weil ja der derzeit vorherrschende Handlungsdruck dann nicht mehr besteht. Aber wie schrieb ich am Freitag bereits: "Es gab schon immer Staatsverschuldung und es wird die immer geben."
Euro-Austritt als Lösung?
Es wird auch immer wieder heiß diskutiert, ob sich ein Austritt aus dem Euro für die betroffenen Länder lohnen könnte. Die Vorteile wären, dass diese Staaten wieder eine eigene Geldpolitik betreiben könnten, die die Interessen des einzelnen Staates besser vertreten könnte.
Die eigene Währung könnte dann in Krisenzeiten einfach kräftig abgewertet. Damit würden die inländischen Produkte auf dem Exportmarkt wieder wettbewerbsfähig, da sie für das Ausland durch das Wechselkursverhältnis günstiger würden. Gleichzeitig würden sich ausländische Waren für die Inländer verteuern, was die Nachfrage nach Produkten auf dem Binnenmarkt ankurbeln würde.
Die heimische Wirtschaft würde also angekurbelt, weil mehr inländische Produkte nachgefragt werden. So zumindest die Theorie.
Abwertung der Währung führt zu Inflation
Mit einer Abwertung der eigenen Währung würde man allerdings die Inflation im eigenen Land befeuern - logisch, wenn die ausländischen Waren für die eigene Bevölkerung teurer werden und man dann auf die ebenso teuren heimischen Produkte ausweichen muss.
Ein Beispiel hierfür ist Großbritannien. Dort wird mit der eigenen Währung Pfund bezahlt, die von Anfang 2007 bis Ende 2008 massiv gegenüber dem Euro abwertete. Bekam man Anfang 2007 für einen Euro nur 0,65 Britische Pfund, so waren es Ende 2008 bereits im Hoch 0,96 - eine Abwertung des Pfund um fast 50 % in 2 Jahren. Die Inflation stieg dort auf 5,2 %.
In Island stieg die Inflation gar auf 12 % in 2009, obwohl die Krone um 51 % gegenüber dem Euro abwertete.
Wirkung eines Euro-Austritts
Hinzu kommen natürlich Nachteile, die allein durch den Euro-Austritt hervorgerufen werden. Natürlich wird die Unsicherheit in der eigenen Bevölkerung groß sein, was sich belastend auf den Konsum auswirken dürfte.
Ein Beispiel hierfür ist Ungarn, dessen Forint zwar um 27% abwertete, aber der private Verbrauch gleichzeitig um 11% einbrach und die Wirtschaft in 2009 um 6,3% schrumpfte.
Und die ausländischen Kreditgeber dürften auf nicht absehbare Zeit verschreckt werden. Hohe Kreditzinsen wären die Folge.
Die bereits vorhandenen Auslandsschulden, die allein durch einen Euro-Austritt ja nicht einfach wegfallen, würden durch die Abwertung der eigenen Währung entsprechend ansteigen. Denn man muss ja die eigene Währung zur Tilgung der Schulden in die dann deutlich teurere Währung des Auslands tauschen, um dort die Schulden zu bezahlen.
Lösung ja, aber keine gute
Ein Euro-Austritt wäre also durchaus eine Lösung - für die verbleibenden Euro-Länder. Doch auch hier würde ein Austritt aus dem Euro eines Landes nicht ohne Wirkung bleiben. Denn auch hier würde ein Vertrauensverlust in die eigene Währung sicherlich nicht ohne Folgen bleiben.
Es macht also durchaus Sinn, sich für den Erhalt der Euro-Zone mit entsprechenden Mitteln einzusetzen.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von FatBobGer (30.01. 2012 18:32 Uhr):
Mit meinem DAX Put lag ich falsch und bin noch mit mittleren Blessuren herausgekommen. Trotzdem bleibe ich dabei: Ich glaube nicht, dass Griechenland in der Eurozone verbleiben kann. Gründe: Keine funktionsfähige Verwaltung, kein Berufsbildungssystem, 90% Abiturienten, die guten flüchten gerade, keine fkt. Finanzverwaltung, Rezession, nur zwei Branchen: Tourismus, Schiffahrt, etwas Landwirtschaft, keinen Plan, Korruption und KEINE BESSERUNG in Sicht. Fazit: GR ist eine finanzpolitische Titanic. Ich bin gespannt, wann die Einigung über das Finanzpaket kommt!!! Es wurde uns bereits letzte Woche versprochen, nur noch kleine Formdetails, im Grunde bereits abgesegnet!!! Wenn alles bereits gelöst ist, warum haben wir noch keine Einigung? Nach dem Sinken der Titanic bekommen It, P auch wieder Refinanzierungsprobleme. Charttechnisch verweise ich auf R. Schröders neuesten Artikel zum Dax. Einschränkung: Wenn ich alles vorhersehen könnte, müsste ich nicht mehr arbeiten... aber ich seher nach Abschluss der Earningsseason eher Risiken als Chancen.
Antworten- Antwort von Sven Weisenhaus (03.02. 2012 20:18 Uhr):
Hallo! - - - Bin mir auch nicht sicher, ob Griechenland langfristig in der Eurozone bleiben kann, doch ein Austritt zu einem naheliegenden Zeitpunkt würde keinem Euro-Land helfen. Die Nachteile überwiegen, da die Märkte noch zu nervös erscheinen. - - - Ich sehe es so, dass Griechenland sich in den Euro hineingemogelt hat. Hier hätte es eine Regelung für entsprechende Sanktionen bzw. einen Ausschluss geben müssen. Doch dafür ist es nun einfach zu spät. - - - Viele Grüße - - - Sven Weisenhaus
- Antwort von Sven Weisenhaus (03.02. 2012 20:18 Uhr):
- Kommentar von wiwisser (31.01. 2012 08:24 Uhr):
endlich mal eine veröffentlichte Meinung, nach der gegen den mainstream vertreten wird, dass die regierung (der ich wirklich nicht so nahe stand) einen guten job macht. unter rotgrün wären wir längst mit "grossen schritten" in die zahlmeister- und und inflationsrolle verfallen.
Antworten- Antwort von Sven Weisenhaus (03.02. 2012 20:13 Uhr):
Guten Tag! - - - Vielen Dank für die Zustimmung. Ich glaube, dass ich meine Meinung auch stets fundiert begründe. Vielen Meinungen, die ich höre, mangelt es leider an solchen Begründungen. Man lässt sich einfach zu leicht beeinflussen und schwimmt lieber mit der Masse. - - - Mit freundlichen Grüßen - - - Sven Weisenhaus
- Antwort von Sven Weisenhaus (03.02. 2012 20:13 Uhr):