EUR/JPY: Rückkehr zur Interventionspolitik?
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 28. Oktober 2009, 08:00 Uhr
ENL5454
während die Aktienmärkte sich größtenteils noch in einer intakten Aufwärtsbewegung befinden, die Volatilität tendenziell eher auf dem Rückzug ist, nehmen die Schwankungen bei den Hauptwährungspaaren in jüngster Zeit wieder etwas zu. Die unveränderte lockere Zinspolitik der internationalen Notenbanken gibt den Akteuren zwar wenig Anlass ihre Positionen zu verändern, allerdings scheinen einige Regierungen ihre Währungen als „Problemlöser" einzusetzen. Die Abwertung des US-Dollar könnte dabei nur ein Anfang sein.
Auch bei den sogenannten „Carry-Währungen" Yen und Schweizer Franken zeigt sich eine neue Form von Interventionspolitik. Bei einem „Carry-Trade" verschulden sich die Investoren in einer niedrig verzinsten Währung und legen das Kapital in einer hochverzinsten Währung an. Vor Beginn der Finanzkrise galten Yen und Schweizer Franken als niedrig verzinste Währungen. Mit dem internationalen Absenken des Zinsniveaus haben sie diesen Vorteil verloren.
Würde die Schweizer Notenbank (SNB) nicht an einer selbst festgelegten Schwelle (1,50 CHF zum Euro) die heimische Währung schwach halten, wäre es schon längst zu einer weiteren Aufwertung gekommen. In Japan zeichnet sich nun eine ähnliche Tendenz ab, denn die neue Regierung bevorzugt eine Politik des höheren Staatseinflusses und wünscht stärkere Marktregulierung. Eine Rückkehr zur Interventionspolitik der Neunziger Jahre wäre durchaus möglich.
Protektionismus nimmt zu
Für die Japaner geht es in der aktuellen Krise noch um die Lösung jener strukturellen Probleme, der sich die europäischen Unternehmen bereits vor sechs Jahren gestellt haben. Die starke Ausrichtung auf das Exportgeschäft und der geringe Wettbewerb im Binnenkonsum haben die Bildung flexibler Strukturen bisher eher behindert als gefördert. Ausgerechnet das Paradebeispiel für eine fortschrittliche japanische Wirtschaftspolitik unter der Regierung Koizumi wird durch die neue Regierung wieder zurückgedreht.
Die Postprivatisierung sollte nicht nur Kosten einsparen helfen, sondern die starren Wettbewerbsstrukturen in Japan aufbrechen helfen. Nun dreht die neue Regierung das Rad zurück und stoppt den bereits vorbereiteten Börsengang der Post. Das Signal, das von dieser Aktion an die internationalen Investoren ausgeht ist mehr als eindeutig. Dem internationalen Wettbewerb glaubt man in Japan nun wieder mit mehr Protektionismus begegnen zu können. Diese Beruhigungspille an die Bevölkerung dürfte aber nur kurz wirken. Die Haushaltlage des Staates ist zu schlecht als das man auf ausländisches Kapital verzichten könnte.
Königsweg Abwertung
Noch tut die Regierung vor der Hand aber so, als könne sie soziale Wohltaten verteilen. Da sie mit diesem Versprechen die Wahlen gewonnen hat, sieht sie sich noch in der Pflicht. Der Exodus japanischer Unternehmen ist allerdings kein kurzfristiges Phänomen, das nahe China lockt mit konkurrenzlos günstigen Produktionskosten. Um wenigstens ein wenig an Attraktivität zurück zu gewinnen, bleibt der Regierung in Japan nicht anderes übrig, als der Strategie der USA zu folgen und eine Abwertung der einheimischen Währung aktiv zu befördern.
Der Fortsetzung der Verschuldungspolitik der Vorgängerregierung wurde zwar wortreich abgeschworen, die Praxis zeigt aber das Gegenteil (Stichwort Privatisierungspolitik). Um eine Währungsabwertung aktiv zu befördern, fehlen den Japanern mittlerweile die Devisenreserven. Verschuldet sich das Land aber in dem Tempo der letzten drei Jahre weiter, werden die Märkte den Yen von ganz allein wie Butter in der Sonne schmelzen lassen. Die japanische Notenbank, die direkt am Tropf der Regierung hängt, wird dagegen kaum etwas unternehmen wollen.
EUR/JPY: Schraubt sich langsam nach oben
Im Sommer vergangenen Jahres mussten Investoren für einen Euro noch knapp 170 Yen bezahlen. Der Absturz der Aktienmärkte führte aber ähnlich wie beim US-Dollar zum Euro zu einer Konzentration der internationalen Anleger auf ihren heimischen Anlageraum und zu einer raschen Auflösung der ausländischen Engagements. US-Dollar, Yen und Schweizer Franken werteten in nur drei Monaten extrem stark auf und schwankten in der Folge auf deutlich niedrigerem Niveau. Zumindest in Bezug auf US-Dollar und Yen haben sich die Vorzeichen verändert.
Nach dem Verlauf des Fibonacci-Retracements, dass auch das Potential der Erholungsreaktion auf die Abwärtsbewegung beschreibt, hat der Euro im Verhältnis zum Yen das Mindesterholungsziel bei 134 Yen überschritten und steuert die nächstmögliche Erholungsstufe an. Weitere beachtenswerte Widerstände liegen zwischen dem aktuellen Kurs bei 135,30 Yen und im Bereich um 138,30 Yen. Da auch viele Aktienmärkte vor wesentlichen Widerständen stehen, dürfte ein neuer Aufwärtsschub erst dann erfolgen, wenn auch an den Börsen die Rally weitergeht.
Der auf Kauf stehende MACD-Indikator signalisiert derzeit zumindest noch eine weitere kleine Warteschleife, die mit einem Rückfall bis 132 Yen einhergehen könnte. Hier verläuft auch die steigende 200-Tage-Linie, die als starke Unterstützung dient. Im Anschluss an die aktuelle sich entwickelnde Konsolidierung sollte der Euro spätestens zu Beginn des neuen Jahres den Widerstand bei 138,3 nachhaltig brechen und den nächsten großen Widerstand bei 148 Yen ansteuern.