EUR/CHF: Schweizer Nationalbank schlägt zu
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 25. Juni 2009, 08:00 Uhr
ENL5454
Vor knapp vier Wochen kommentierte ich die Entwicklung des Währungspaares mit dem Hinweis, die Schweizer Nationalbank (SNB) hat für die Kursentwicklung eine künstliche Bremse eingebaut. Nach einem bekunden, intervenieren die Währungshüter bei einem Unterschreiten der Marke von 1,50 CHF zum Euro am Währungsmarkt. Nachdem die Kommentierung der Wirtschaftssituation in der Schweiz durch die SNB auf ihrer dreimonatlichen Sitzung vor einer Woche die Marktteilnehmer nicht beeindruckte, realisierte die Schweizer Zentralbank heute ihre Drohung und hievte den CHF um 300 Basispunkte gegenüber dem Euro nach oben. Meine auf dieser Grundlage erstellte Prognose kam damit unter der Berücksichtigung einer kleinen Verzögerung noch zu ihrer Verifizierung. Die umgehende Frage, die sich an diese Aktion anschließt, muss sich mit dem weiteren Verlauf der aktiven SNB-Politik beschäftigen. Die Mitte März angekündigte und umgehend durchgeführte Intervention beim Stand von 1,48 CHF katapultierte das Währungspaar zwar bis auf 1,55 CHF, beeindruckte die Marktteilnehmer aber nur kurz. Märke neigen häufig dazu, öffentlich kommunizierte Kursmarken auf ihre Belastungsfähigkeit zu testen. So fand sich der Schweizer Franken zum Euro also erwartungsgemäß rasch wieder an der magischen Marke von 1,50 CHF. Die weitere Entwicklung des CHF ist auch stark von der Entwicklung der Aktienmärkte abhängig.
Risikobereitschaft muss wieder steigen
Obwohl die Aktienmärkte seit Mitte März deutlich zugelegt haben, konnte das Währungspaar EUR/CHF kaum von der steigenden Risikobereitschaft profitieren. Die Intervention der SNB vom März hatte eine mögliche, geordnete Erholung verhindert. Stattdessen bewegte sich EUR/CHF seitwärts, ein Zeichen dafür, dass die notwendige Risikobereitschaft der Carry-Trader noch nicht wieder zurückgekehrt ist. Carry-Trader nutzen in intakten Finanzmärkten niedrig verzinste Währungen, um sich dort zu verschulden und legen das so beschaffte Kapital in einem Land mit hohen Leitzinsen wie Neuseeland oder Brasilien an. Mit Ausbruch der Finanzkrise im vergangenen Frühjahr verlor diese Praxis aber relativ schnell ihren Reiz und die einstigen Paradewährungen für Verschuldungsexzesse, Yen und Schweizer Franken, werteten sehr schnell auf. Der SNB war diese schlagartige Belastung der einheimischen Exportwirtschaft kurzfristig doch zu viel. Die beschriebene Devisenintervention erschien ihr das probate Mittel, um der Währungsspekulation zugunsten eines starken Frankens ein Ende zu setzen. Wegen der Marktenge des Franken können gezielt eingesetzte Attacken durchaus eine nachhaltige Wirkung erzielen, ohne flankierende Wirtschaft- und finanzpolitischen Maßnahmen bleibt die eingesetzte Waffe auf Dauer aber stumpf. Japan hat dies in den neunziger Jahren eindrucksvoll unter Beweis gestellt.
Devisen-Interventionen zeitlich begrenzt
Zwar hat die Schweizer Regierung wie alle anderen Industriestaaten auch umfangreiche konjunkturpolitische Maßnahmen ergriffen, um den Schlüsselindustrien Maschinenbau und Finanzen schnell wieder auf die Beine zu helfen, aber die Abhängigkeit von der Erholung der größten Volkswirtschaft USA und den Reich der Mitte in Asien als bedeutende Exportmärkte ist unverkennbar. Solange sich die Konjunkturkennziffern in der Schweiz weiter nach unten bewegen, könnte die SNB mit ihrer Interventionspolitik weiter Erfolg haben. Kehrt die Schweiz aber auf einen stärkeren Wachstumspfad zurück, muss dass nicht gleichbedeutend sein, mit der Rückkehr der Carry-Trader. Werten allerdings auch andere Währungen wie der US-Dollar oder chinesische Yen deutlicher auf, würde die SNB ihre starre Grenzziehung bei 1,50 CHF für einen Euro wohl überdenken. Eine erfolgreiche Interventionspolitik über einen längeren Zeitraum ist hingegen kaum denkbar, denn der Markt würde wie ein Suchtabhängiger immer wieder in Versuchung geraten, öffentlich kommunizierte Grenzen zu testen. Auf Dauer kostet ein künstlich produzierter Wechselkurs nicht nur die Notenbank, sondern auch den Steuerzahler des betreffenden Landes viel Geld. Kaum zu vermuten, dass das den basisdemokratischen Eidgenossen passen wird. Die SNB bewegt also auf dünnem Eis.
Über 200-Tage-Linie ausgebrochen
Die Intervention der SNB hat den zuvor schon eingeschlafenen Kursmustern wieder Beine gemacht. Der Tageszugewinn von 2 Prozent sprengt nicht nur das Bollinger-Band nach oben auf, sondern fegte auch die als Widerstand geltende 200-Tage-Linie aus dem Sichtfeld der Bullen. Sämtliche Indikatoren vollzogen, bis auf den MACD-Trendfolger, extreme Aufwärtsbewegungen und zeichneten damit den Kursanstieg nach. Bei 1,53 CHF ist die kurzfristige Bewegung aber noch nicht an ihrem Ende angekommen. Nächstes Kursziel der Bullen ist der Widerstandbereich um 1,54 CHF, der auch schon bei der Aufwärtsbewegung im März als Hindernis im Weg stand. Hier dürften die kurzfristig orientierten Anleger durch Gewinnmitnahmen erst einmal für eine Verschnaufpause sorgen. Nächste Ziele der künstlich angeschobenen Aufwärtsbewegung finden sich dann bei 1,553 und bei 1,57 CHF. Da der Markt für dieses Währungspaar sehr eng ist, können sich die Schwankungen in extrem kurzen Zeiträumen abspielen. Kostproben waren gestern Mittag nach 12 Uhr und gestern Abend nach 18 Uhr zu bewundern. Es ist aufgrund der börsentechnischen Abrechnungsmodalitäten damit zu rechnen, dass auch in Zukunft im Umfeld dieser Uhrzeiten stärkere Bewegungen stattfinden. Kurz- bis mittelfristig steht das Währungspaar zumindest erst einmal auf Kauf.
