EUR/CHF: ein Allzeittief nach dem anderen
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 25. Mai 2011, 12:00 Uhr
ENL5454
Während EUR/USD mittlerweile ein überverkauftes Niveau erreicht, zumindest aber die Zone um 1,4000 als Unterstützung hält, verrät der Blick auf ein anderes Währungspaar dagegen das eigentliche Ausmaß des Vertrauensverlustes in die Lösung der europäischen Schuldenkrise. EUR/CHF ist und bleibt das Währungspaar der Wahl, wenn es darum geht sozusagen die europäischen Schuldenstaaten zu shorten.
Euro oder US-Dollar - die Wahl fällt schwer
Wie ich bereits schrieb, ist der jüngste Rückgang im EUR/USD vornehmlich auf die natürlicherweise zu erwartende Gegenbewegung nach dem Hoch bei fast 1,5000 zu Beginn des Monats zurück zu führen. Obgleich natürlich die Problematik um Griechenland und vor allem die offensichtliche Unfähigkeit von Politik und EZB, sich auf einen gemeinsamen Lösungkurs zu verständigen den Euro jüngst weiter unter Druck gesetzt haben. Auch die erneuten Abstufungen der Kreditwürdigkeit Griechenlands durch die Rating-Agenturen, sowie die Absenkung des Ausblicks auf negativ für Italien durch S&P haben natürlich zum Chaos weiter beigetragen.
Dennoch kann man auf dem aktuellen Kurslevel weder von einer Eurokrise sprechen, noch davon, dass die Wahl tatsächlich gewollt zugunsten des US-Dollar ausfällt. Denn auch in den USA liegt viel zu viel im Argen, wachsen die Schuldenprobleme der Politik über den Kopf. Stattdessen war eine Gegenbewegung für den US-Dollar schlichtweg einmal fällig und auch der gesunkene Risikoappetit kann der US-Währung zwischenzeitliche Unterstützung bieten.
Dennoch wirkt EUR/USD auf dem aktuellen Niveau bereits leicht überverkauft. Es bleibt daher abzuwarten, ob sich nun bereits ein Boden ausbilden kann oder der Euro übertriebenerweise noch weiter abgeben muss und die Unterstützung im Bereich um 1,4000 schließlich doch gebrochen wird.
Euro oder Schweizer Franken - diese Wahl fällt dagegen leicht
Während die Wahl zwischen Pest und Cholera (oder Euro und US-Dollar) nicht gerade leicht fällt und dazu führen sollte, dass sich das Währungspaar eigentlich in einer stabilen Range wzischen 1,4000 und 1,4500 ganz wohl fühlen sollte, fällt die Wahl zwischen Euro (oder auch US-Dollar) und Schweizer Franken dagegen umso leichter zugunsten des Franken aus.
Dieser gilt nicht erst seit gestern als Safe Haven Währung schlechthin. Obgleich natürlich die Nostalgie nicht als alleinige Begründung ausreichen kann, genauso wenig, wie der Umstand, dass sich die Schweizer Wirtschaft weiterhin sehr stabil präsentieren kann. Doch die Schweiz, obwohl eine vergleichsweise kleine Volkswirtschaft, kann mit einem Vorteil aufwarten: sie steht keiner derart horrenden Schuldenproblematik gegenüber, wie die USA oder die europäische Peripherie. Hinzu kommt, dass die Schweizer Banken, nach Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, im Vergleich relativ geringen Belastungen durch griechische Schulden ausgesetzt sind.
So lässt sich auch in der Entwicklung EUR/CHF immer wieder ganz gut ablesen, wann erneute Schuldenprobleme die Eurozone erschüttern und hernach Geld in die Schweiz fließt.
Sehen wir uns das einmal anhand eines längerfristigen Charts an:
EUR/CHF seit 2008
Quelle: CFX-Trader
Seitdem die SNB ihre Bemühungen zur Stabilität des Wechselkursverhältnisses aufgegeben hat, bleibt dem Schweizer Franken praktisch keine andere Wahl, als beständig aufzuwerten, gegenüber dem Euro.
Nachdem erst am Montag ein neues Allzeittief bei 1,2360 erreicht wurde, ist dieses bereits heute wieder unterschritten worden. Aktuell notiert EUR/CHF bei 1,2315. Zwar kann die Schweizer Volkswirtschaft durchaus mit einer stabilen Aufwertung des Schweizer Franken umgehen (denn es zählt vor allem die Dynamik der Bewegung), dennoch...neben der Eurozone, dürfte sich vor allem die Schweizer Exportwirtschaft auf eine baldige Lösung der Euro-Schuldenkrise freuen, denn sollte dies schließlich und endlich geschehen, dann dürfte der Franken deutlich unter Druck geraten.
