EUR/CHF auf historischen Tiefständen
Miriam Kraus in Investors Daily
vom 31. August 2010, 18:00 Uhr
ENL5462
Heute: ein Blick auf die Devisenmärkte!
Da Tom Firley sich nun zur Genesung nach seinem Fahrradunfall, auch endlich im wohlverdienten (und nun leider verkürzten) Urlaub befindet, berichte stattdessen heute ich - und zwar ein wenig von den Devisenmärkten.
Die Sorgen der Marktteilnehmer
Aktuell geht wieder die Sorgenstimmung an den Märkten um. Nur von kurzer Dauer erweist sich somit der kurzzeitige optimistische Ausbruch vom vergangenen Freitag. Dabei sind die vermuteten Bedrohungen so vielfältig, wie auch teilweise unterschiedlich, wobei trotz der bisweilen deutlichen Unterschiede in den Erwartungen, bestimmte Effekte gewissermaßen gleich bleiben.
Doch beschäftigen wir uns zunächst mit den Sorgenwolken, die Teile der Anleger-und Investorenschaft beschäftigen.
Zum einen ist da die Angst vor einer drohenden zweiten Rezession in den USA (Double-Dip). Nach unten revidierte Wachstumszahlen, hohe Arbeitslosenzahlen und ein schwacher Einzelhandel sprechen für sich. Auch ist bei einigen die Angst vor Staatspleiten in Europa noch lange nicht vom Tisch, obwohl das Thema in letzter Zeit ein wenig in den Hintergrund geraten ist. Ebenso in den allgemeinen Hintergrund geraten sind mittlerweile die Banken, unter deren Oberfläche es aber, trotz der beruhigenden Stresstests, bisweilen noch immer schwelt - insbesondere in den USA. Für China bestehen dagegen Immobilienblasen-Befürchtungen.
Und dann die Notenbanken! Unmengen an Geld haben sie in den letzten 2 Jahren in die Märkte gepumpt. Allein...in der Wirtschaft ist das Geld offenbar nicht angekommen. Stattdessen wird das billige Geld gebunkert, zum Beispiel in Anleihen - der nächste Blasenknall scheint vorprogrammiert.
Und dann die Erwartungen. Inflation oder Deflation?! Welches Szenario wirklich droht, vermögen weder die wirtschaftswissenschaftlichen Koryphäen, noch die Zentralbanker zu sagen. Fakt ist, beides ist nicht wirklich schön, wobei eine moderate Inflationsrate noch das beste Szenario ist.
Mit derlei düsteren Überlegungen, denen sich die Marktteilnehmer hingeben, ist es kein Wunder, dass der Monat August für die Aktienmärkte mal wieder ein schwacher Monat geworden ist.
EUR/CHF auf historischen Tiefständen
Düstere Stimmungen lassen sich aber auch wunderbar an den Devisenmärkten ablesen. Während EUR/USD sich nach wie vor nicht so ganz entscheiden kann, wo denn nun das geringere Übel zu finden ist, gibt das Währungspaar EUR/CHF ganz klar die Stimmungs-Richtung vor. Der Schweizer Franken, als sichere und stabile Währung geachtet, wertet kontinuierlich auf, gegenüber dem Euro. Und heute ist EUR/CHF sogar auf unter 1,29 gefallen. Aktuell ist 1 Euro nur noch 1,2894 Schweizer Franken wert. Zum Vergleich: in der Spitze kostete 1 Euro sogar einmal mehr als 1,68 Schweizer Franken. Das ist allerdings auch schon 3 Jahre her.
EUR/CHF - monatlich (seit 1999)
Quelle: CFX-Trader
Sie sehen, noch nie war der Euro gegenüber dem Schweizer Franken weniger wert, als in diesem Jahr. Und EUR/CHF dürfte wohl vorerst auch weiterhin grundsätzlich unter Abgabedruck bleiben, zumal nicht damit zu rechnen ist, dass sich die Stimmung so schnell (und vor allem signifikant und nachhaltig) ändert. Hinzu kommt, dass die Schweizer Nationalbank, angesichts positiver Schweizer Wirtschaftsdaten wohl wenig Lust verspüren dürfte, sich auf eine erneute Intervention im Markt einzulassen.
Liebe Grüße
Ihre Miriam Kraus
P.S.: Wenn ich Ihr Interesse an den Devisenmärkten geweckt haben sollte, dann schauen Sie doch einfach mal bei meinem kostenlosen Newsletter Devisen-Monitor vorbei oder alternativ bei meinem Trader-Kollegen Till Kleinlein und seinem kostenlosen Newsletter CFX Trader Kolumne.
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