EUR/USD: Trendwende oder kurzfristige Unterstützung?
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 02. April 2008 08:30 Uhr
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Liebe Leser,
nachdem der US-Dollar gegenüber dem Euro am Montag noch einmal stark unter Druck geraten war, mit einem Top bei EUR/USD 1,5855, setzte der US-Dollar gestern zu einem starken Erholungstrend an. Tatsächlich zeigte die US-Währung gestern den stärksten Anstieg gegenüber dem Euro innerhalb der vergangenen zwei Wochen.
Ist die Trendwende eingetreten?
Nachdem die Schweizer Großbank UBS Pläne für eine Kapitalerhöhung in Höhe von 15 Milliarden CHF bekannt gegeben und die in New York ansässige Lehman Brothers 4 Milliarden USD durch den Verkauf von Aktien eingenommen hat, erlebten die Finanzwerte gestern eine wahre Rallye, die möglicherweise als ein Zeichen für ein Ende der nun schon acht Monate währenden Marktturbulenzen gewertet wird.
Zwar werden durchaus noch weitere Abschreibungen erwartet, doch scheint der Prozess, welchen die Banken begonnen haben, äußerst positiv aufgenommen worden zu sein.
Doch nicht nur die Bankenwerte galten bereits teilweise als sogar schon unter Buch bewertet. Auch der US-Dollar gilt vielen Marktteilnehmern nach den massiven Verlusten in diesem Quartal, gemessen an seiner Kaufkraft inzwischen wesentlich zu günstig. Zudem werden in Relation noch stärkere Auswirkungen der US-Krise auf die europäische Wirtschaft erwartet.
So testete der EUR/USD gestern zwar nach der Veröffentlichung rekordhoher Inflationsdaten in der Eurozone bei 3,5%, die einen Zinssenkungsschritt der EZB unwahrscheinlicher machen, noch einmal ein Hoch bei 1,5900, wurde hernach aber aufgrund später Verkäufe aus New York zunächst weiter auf 1,5745 abgeschlagen.
Zu Beginn des Handels in Asien erreichte der EUR/USD zunächst die 1,5594. Über Nacht testete der Euro noch einmal ein Tief bei 1,5591 gegenüber dem US-Dollar.
Unsicherheit vor Ansprache des FED-Chefs und Veröffentlichung der Arbeitsmarktdaten
Der US-Dollar konnte gestern ebenfalls gegenüber den anderen Leitwährungen zulegen. USD/JPY erreichte gestern bei 102,16 das höchste Level seit dem 12. März, nachdem eine Umfrage der Bank of Japan weiterhin auf einen eher düsteren Ausblick der japanischen Wirtschaft hinweist und damit die Spekulationen auf eine weitere Zinssenkung durch die japanische Zentralbank forciert, was einen unterstützenden Faktor für die Carry-Trades darstellt.
Zu Beginn des Handels in Tokio notierte der US-Dollar allerdings nur noch bei 101,81 Yen.
Der Grund für den Rückgang des US-Dollar ist die Unsicherheit in Bezug auf die anstehende Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten.
Zudem lastet die für heute angesetzte Rede des FED-Chefs Bernanke vor dem Wirtschaftsausschuss des US-Kongresses auf der Wertentwicklung der US-Währung. Es wird erwartet, dass Bernanke der Entwicklung der US-Wirtschaft weiterhin große Unsicherheit bescheinigt. Zusätzlich negative Kommentare könnten weiterhin Verkaufsdruck auf den US-Dollar ausüben.
Der EUR/USD hält sich dagegen vergleichsweise stabil bei 1,5605.
Hohe Volatilitäten deuten auf steigende US-Dollar-Kurse hin
Ein Blick auf die Optionen zeigt: die Volatilitäten im EUR/USD sind rapide angestiegen.
Volatilität 1m erreichte gestern 11,6, 6m wurde bei 10,63 quotiert und 1y bei 10,28.
Normalerweise deuten hohe Volas auch auf die Ausbildung eines Tops im EUR/USD hin, wie dies am Montag der Fall war.
Doch die im gegenwärtigen Umfeld weiterhin rapide ansteigenden Volatilitäten überraschen einerseits, deuten aber ein entscheidendes Signal für einen mittelfristig zu erwartenden US-Dollar-Anstieg an.
EUR/USD könnte aufgrund der US-Wirtschaftsdaten kurzfristig wieder zulegen, doch mittelfristig sollte der Euro gegenüber dem US-Dollar weiterhin unter Druck geraten, so dass sich ein nächstes starkes Level bei 1,5382 herauskristallisieren könnte.
