EUR-USD: Korrektur noch nicht beendet
Andreas Wolf in DAX Daily
vom 23. Januar 2009, 08:00 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
nach dem deutlichen Aufschwung des Euro gegenüber dem US-Dollar zum Ende des Jahres 2008 haben die Bären die Lufthoheit zunächst zurückerobert. Die Ursache, akute Insolvenzgefahr der US-Autoindustrie, wurde mit massiven staatlichen Hilfen beseitigt, so dass die Bullen wieder den geordneten Rückzug antreten konnten. Zusätzliche Belastungen für den Euro stellten die schlechten Nachrichten von der europäischen Wirtschaftsfront da. Ob die Verstaatlichung britischer oder irischer Banken, die Pleitewelle bei einigen mittelständischen Betrieben oder die zahlreichen Ankündigungen von Kurzarbeit und Stellenkürzungen - all diese Meldungen stärkten nicht gerade das Vertrauen, in eine krisenresistente, europäische Wirtschaft. Auch Zweifeln die Investoren daran, ob die größtenteils lokal unterschiedlichen Konjunkturpakete der europäischen Regierungen die gleich Wirkungsweise entfalten, wie das von der Obama-Regierung geplante zweite große Hilfspaket für Banken und Privatwirtschaft. Auch wenn die Belastungen auf lange Sicht eher den US-Dollar schwächen dürften, so erscheint kurzfristig eine rasche Erholung der US-Wirtschaft wahrscheinlicher als im Euroraum.
Zudem gehen internationale Anleger davon aus, dass die US-Aktienmärkte schneller wieder auf die Beine kommen als der Rest der Welt. Damit fließt aber neben dem Geld der US-Anleger aus dem Ausland auch zusätzlich fremdes Kapital ausländischer Anleger in den Aktienmarkt. Die dafür benötigten US-Dollar belasten das Währungsverhältnis zu Ungunsten des Euro. Auch wenn die Zinsdifferenz noch zugunsten des Euro spricht, so erhöht sich mit jeder schlechten Wirtschaftsnachricht aus Europa die Wahrscheinlichkeit, dass die EZB spätestens im März die Zinsen nochmals senken wird. Noch ist völlig offen, ob der Senkungsumfang bei 50 oder sogar 100 Basispunkten liegen wird. Klar ist jedoch, dass die Federal Reserve keine klassische Möglichkeit mehr hat, die Zinsen weiter zu senken, da sie schon im Korridor zwischen 0 und 0,25 Prozent angekommen ist. Geht es der US-Wirtschaft besser, wird sie aber relativ schnell zu einem höheren Zinssatz zurückkehren als die Europäer. Das verschafft dem US-Dollar kurzfristig auch einen Vorteil gegenüber dem Euro. Darüberhinaus bauen die USA wegen der eigenen Konsumschwäche ihr bisher sehr hohes Handelsdefizit rascher ab als erwartet, die daraus resultierende sinkende Verschuldung trägt ebenfalls zur temporären Stärkung des US-Dollar bei.
Die technische Situation lässt demnach darauf schließen, dass die laufende Korrektur noch nicht beendet ist. Das Unterschreiten der einstigen Unterstützung bei 1,3080 US-Dollar wurde in den vergangenen Tagen aufgegeben und damit weiteres kurzfristiges Abwärtspotential bis 1,28 US-Dollar generiert. Der MACD-Indikator hat sein jüngst produziertes Verkaufssignal bestätigt, die Erholung der Stochastik entfaltet hingegen kaum Aufwärtsdynamik. Gelingt des Euro nun nicht ganz schnell die Rückeroberung des Bereichs um 1,3080 US-Dollar, droht sogar mittelfristig ein noch weitergehender Rückschlag bis auf die Oktober verzeichneten Tiefs um 1,23 US-Dollar. Nach Lage der Dinge könnte der Euro diese Unterstützungszone im Rahmen der nächsten zwei Wochen erreichen. Als Zwischenstation auf dem Weg nach unten käme noch ein Halt an einer horizontalen Unterstützungszone bei 1,2570 US-Dollar in Frage. Von Tempo und Dynamik des Abstiegs hängt dann auch der Umfang einer folgenden Gegenbewegung ab.
