EUR/USD durchbricht die 1,60 - weitere Aufwertung des Euro zu erwarten?
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 23. April 2008 08:30 Uhr
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Liebe Leser,
im Verlauf des gestrigen Handelstages durchbrach EUR/USD die 1,60 er Marke und notierte zwischenzeitlich auf einem Rekordhoch bei 1,6019.
Es stellt sich bisweilen die Frage, ob die Verantwortlichen Politiker und Notenbanker absichtlich verschiedene Wege der Kommunikation mit Markt und Medien bestreiten. Nachdem erst in der vergangenen Woche noch Luxemburgs Jean-Claude Juncker vehement für eine Abwertung des Euro von seinem hohen Level, mit Hilfe möglicher Interventionen im Devisenmarkt gesprochen hatte, gab gestern Christian Noyer, Vorsitzender der französischen Zentralbank und damit ein Verantwortliches Mitglied der EZB bekannt, eben jene europäische Zentralbank werde handeln müssen, um die Konsumentenpreise zu stabilisieren, sollte die Inflation sich weiter ausweiten. Wenn nötig, so Noyer, werde die EZB den Leitzins erhöhen. Später versuchte Noyer zwar noch einmal dem Wall Street Journal gegenüber seine Aussage zu variieren, doch der Versuch kam zu spät. Gleichzeitig erhielt Noyer zusätzliche Unterstützung durch seinen griechischen Kollegen Nikolas Garganas, der bekräftigte die Infaltion werde hoch bleiben in den kommenden Monaten.
Damit forcierten die EZB-Verantwortlichen die nach der G-7-Sitzung eigentlich als ungeliebt angeprangerte weitere Euro-Aufwertung.
Der Euro-Öl-Teufelskreis
Rohöl erreichte im Verlauf des gestrigen Handelstages ebenfalls ein neues Rekordhoch bei über 119 USD pro Barrel. Mittlerweile besteht zwischen der EUR/USD und der Rohölpreisentwickung eine Korrelation von 0,96. Mit anderen Worten EUR/USD und Rohöl bewegen sich in einer Abhängigkeit von fast 1:1.
Diese starke Korrelation führt inzwischen zu einem wahren Teufelskreis. Denn steigende Ölpreise verstärken die Erwartungen, die EZB – an der Eindämmung der Inflation und Preisstabilität interessiert - werde den Leitzins anheben. Dies wiederum führt zu einer Aufwertung des Euro. Auf der anderen Seite belasten die hohen Ölpreise die schwächere US-Wirtschaft wesentlich stärker, was wiederum zu einer Abwertung des USD führt. Ein weiterer Anstieg des EUR/USD wiederum unterstützt die Rohölpreisentwicklung.
Nachdem EUR/USD die Marke bei 1,6000 durchbrochen hat, besteht die Möglichkeit eines weiteren Anstiegs bis auf 1,6300. In der Vergangenheit hat der Durchbruch wichtiger Marken wie 1,3000, 1,4000 und 1,5000 zu einer durchschnittlichen Aufwertung um weitere 3 US-Cent geführt. Gegenwärtig notiert EUR/USD bei 1,5975.
