EUR/USD: Ausbruch erledigt - und nun?
Daniela Knauer in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 16. Juli 2007 08:30 Uhr
ENL5454
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
eines der dominierenden Themen der Medien in der vergangenen Woche war der Ausbruch von EUR/USD auf ein neues Hoch. Reihenweise setzten auch die Banken ihre Kursziele nach oben, als ob wir nicht schon seit Monaten einen stabilen Aufwärtstrend in EUR/USD hätten. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis das alte Hoch von EUR/USD in Angriff genommen wurde.
Als Auslöser wurden wieder einmal die Chinesen verantwortlich gemacht: Deren Handelsüberschuss lag im Juni bei 29,6 Mrd. USD - so hoch wie nie zuvor. Und sofort ging die Angst um, dass das Handelsbilanzdefizit der USA auch einen neuen Rekord erreichen müsste. Tat es aber nicht, mit einem Minus von 60,04 Mrd. USD war es zwar schlecht, lag damit aber immer noch deutlich über dem bisherigen Rekord von 67 Mrd. USD. Da der Markt seit Jahren mit einem Rekord-Handelsbilanzdefizit in den USA lebt, hatte es keine großen Auswirkungen mehr.
Kurzfristig belastender wirkten sich die Probleme um den Subprime-Hypothekensektor aus, verbunden mit Ratingabstufungen schlechter Anleihen in Milliardenhöhe. In die gleiche Kerbe schlugen die Gewinnwarnungen von Sears Holdings und Home Depot sowie die überraschend schwachen Einzelhandelsumsätze. Erwartet wurde hier ein unveränderter Stand für den Juni, doch mit -0,9% fielen sie enorm schlecht aus.
Damit meldeten sich zwei latente Fallbeile wieder zu Wort, die über dem Markt schweben: Die Immobilienkrise und der Konsum als Stütze der amerikanischen Wirtschaft. Beachtet wurde am Freitag jedoch mehr die Veröffentlichung des Verbrauchervertrauens der Universität Michigan - mit einem Stand von 92,4 fiel es deutlich über den Erwartungen von 86,0 aus. Das schürte die Hoffnung, dass die Verbraucher weiterhin fleißig konsumieren. Angesichts der für die Aktienbesitzer beruhigenden neuen Hochs in den amerikanischen Indizes ist dieses Verbrauchervertrauen nicht verwunderlich, kann sich jedoch auch schnell wieder verschlechtern, denn latente Risiken gibt es weiterhin reichlich.
Nach dem schwungvollen Ausbruch von EUR/USD über sein bisheriges Hoch fehlte es ab Mittwoch an Dynamik, der Kurs schlängelte sich an der (unbestätigten) kurzfristigen Trendlinie entlang weiter nach oben. Sowohl die jüngsten Sentimentdaten vom Wochenende als auch die Positionierung der kommerziellen Marktteilnehmer lassen vermuten, dass die Bäume bei EUR/USD kurzfristig nicht in den Himmel wachsen werden.
Wenn Sie sich den kurzfristigen Chart auf Stundenbasis ansehen, sehen Sie bereits seit rund einem Monat eine intakte Aufwärtsbewegung, die sich zuletzt beschleunigt hat. Wer hier kurzfristig kaufen wollte, hat gekauft. Die Stopp-Buys über dem alten Hoch sind auch abgearbeitet - Zeit für erste Gewinnmitnahmen. Doch auf diesen Rücksetzer werden auch längerfristig orientierte Marktteilnehmer warten, so dass ich eine Konsolidierung über dem alten Hoch erwarte, die gleichzeitig den jungen kurzfristigen Aufwärtstrend bestätigen sollte. Dessen Unterkante wird in einigen Tagen mit der Unterstützung bei 1,3675 zusammenfallen - eine solider Halt, der nicht unterschritten werden sollte, sonst werden viele Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt.
Konjunkturdaten gibt es in der kommenden Woche reichlich, zusätzlich zu den Quartalszahlen, bei denen nun die heiße Phase der Berichterstattung beginnt. Besonders wichtig werden am Dienstag die Produzentenpreise und am Mittwoch die Verbraucherpreise für den Juni. Bevor am Freitag die Woche ruhig zu Ende geht, kommen am Donnerstag mit dem Philly-FED-Index und der Veröffentlichung des Protokolls der letzten FED-Sitzung noch einmal zwei möglicherweise marktbeeinflussende Veröffentlichungen ans Licht.
