EUR: Nervosität bleibt!
Miriam Kraus in Devisen-Monitor zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 7. Mai 2010, 12:00 Uhr
ENL5454
Herrje, was war das gestern wieder ein chaotischer Tag! Angst und Nervosität kennen wir ja schon, aber jetzt kommen auch noch Tippfehler hinzu und die SNB hat ihre EUR/CHF-Beschützer-Rolle erst einmal aufgegeben.
Doch der Reihe nach...erst einmal das Wichtigste:
Der Markt wartet auf klare Ansagen aus Europa
Der Euro auf Tauchfahrt, die Europäer in Brandgefahr, steigende Renditen und CDS-Spreads für gefährdete Staaten und der oberste Währungshüter der Eurozone erweckt den Eindruck, vorzeitig in Rente gehen zu wollen.
Ich will nicht unfair sein, im Moment möchte ich auch nicht in Jean-Claude Trichets Haut stecken, aber es ist mehr als peinlich, dass erst die Ankündigung aus dem US-Finanzministerium, man werde beim kommenden G7-Treffen über Griechenland und die Schuldenproblematik sprechen, ein wenig Ruhe in die Kiste bringt. Eine Aufgabe, die eigentlich den Europäern zukäme und wenn die Politik sich nicht traut, dann wenigstens der Zentralbank. Aber Trichet wirkte gestern mehr als unentschlossen (ich möchte ja nicht sagen: apathisch). Auf die Frage ob die EZB nun auch den Kauf von Staatsanleihen bedenkt, gab es nur ein müdes: darüber haben wir nicht gesprochen! Natürlich, hierbei handelt es sich um ein mehr als heikles Thema und die Entscheidung zu treffen (egal wie sie ausfällt) ist schwer. Aber der Markt braucht irgendein verlässliches Zeichen, ein Signal, das zu verstehen gibt, wie ernst die Krise genommen wird - sonst spielt er einfach verrückt! Na ja, so lechzt der Markt weiterhin nach Vertrauen, während die Europäer schlichtweg wohl nicht mehr wissen, was sie nun eigentlich tun sollen. Ob die Sache sich allerdings von alleine lösen wird, ist mehr als fraglich!
EUR/USD fiel gestern bis im Tief auf 1,2508, kann sich aber heute wieder leicht erholen. Aktuell notiert EUR/USD bei 1,2785. Die heutige Range dürfte etwa zwischen 1,2800/25 und 1,2555 liegen. Ein Bruch der 1,2553 nach unten dürfte weiteren Abwärtsdruck in Richtung der 1,2459 nach sich ziehen. Widerstand ergibt sich bei 1,2825, Unterstützung bei 1,2683 und 1,2523.
Quelle: CFX-Trader
Währenddessen...
...in den USA
Dort sind gestern entweder die Händler mit dem Finger verrutscht oder das Handelssystem spielte verrückt. Whatever - die Amis legten einen erstklassigen Crash hin (die Indizes brachen innerhalb von Minuten um 10% ein), erholten sich dann aber bis zum Ende des Tages auf -3%. Zumindest ist mal nicht Griechenland schuld gewesen!
...in UK
Die Briten haben mittlerweile auch die Nase voll. Das Wahlvolk hat gewählt, sich aber im Grunde einer Entscheidung enthalten. Die konservativen Tories haben zwar gewonnen, die absolute Mehrheit aber verfehlt. Erst mal eine Patt-Situation - wie es weitergeht wird man sehen! Für mich allerdings ein Ausdruck dafür, wie wenig Vertrauen die Bürger noch in die Politik haben.
...in der Schweiz
Die SNB hat gestern den Widerstand gegen die Aufwertung des Schweizer Franken gegenüber dem Euro (vorerst) aufgegeben. Über einen Monat lang hatte die SNB mit Euro-Käufen interveniert und den EUR/CHF-Kurs auf über 1,43 gehalten. Gestern dann das Ende - ob der SNB die Luft ausgegangen ist, oder die Lust vergangen ist - wer weiß?! Laut SNB-Bilanz haben die Interventionen allein im ersten Quartal 2010 ein Volumen von 22 Milliarden Euro erreicht. Jedenfalls sackte EUR/CHF gestern abrupt auf ein Allzeittief bei 1,3991 ab. Heute, dank leichter Zwischenberuhigung, kann sich EUR/CHF wieder leicht erholen und notiert aktuell bei 1,4145. Wann und ob die SNB wieder intervenieren wird - das wissen nur die Schweizer Notenbanker!
Quelle: CFX-Trader

