EUR-JPY: Bodenbildung setzt sich fort
Andreas Wolf in DAX Daily zum Thema Devisen & Devisenhandel
vom 3. Februar 2009, 08:00 Uhr
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Liebe DaxDaily Leser,
der Beginn der Finanzkrise in den USA war zugleich auch das Ende der „Carry-Trades" im japanischen Yen. Private und Institutionelle Investoren verschuldeten sich bei dieser Anlagestrategie in einer niedrig verzinsten Währung und legen den Betrag in Ländern mit hohen Zinsen an. Lohnenswert war dies in den vergangenen Jahren vor allem im Austauschverhältnis zwischen dem Yen und dem US-Dollar, dem australischen sowie dem neuseeländischen Dollar und dem Euro. Nach Ende der Laufzeit der Kontrakte erhielten die Investoren die Zinserträge aus der Anlage, konnten aber meistens auch noch einen zusätzlichen Gewinn aus dem weiter gefallenen Yen verbuchen. Seit der Mitte des vergangenen Jahres sind die Ausleihungen im Yen aber deutlich zurück gefahren worden. Grund: Die einstigen Hochzinsländer haben aufgrund der sich andeutenden weltweiten Konjunkturschwäche ihre Zinsen fast alle drastisch gesenkt. Die vormals attraktiven Zinsdifferenzen sind damit hinfällig geworden. Zugleich zwingt die restriktivere Kreditpolitik der Banken die Kunden in Japan ihre meist kurzfristigen Ausleihungen rasch zurückzufahren und damit die Risiken zu begrenzen.
Der starke Yen ist für das Exportland Japan zudem zu einem ernsthaften Problem geworden. Kaum ein anderes Land profitierte vom weltweiten Handel und der Globalisierung so stark wie die Asiaten, nur China verzeichnete noch höhere Exportleistungen. Mehr als 55 Prozent der in Japan produzierten Waren gehen ins Ausland. Die starke Aufwertung des Yen hat die japanischen Waren für ausländische Käufer stark verteuert. Die Folge: Die Nachfrage ist in den vergangenen Monaten deutlich zurückgegangen, das Land spürt die Wirtschaftskrise schon fast so intensiv wie die USA. Damit währte die Hoffnung der Japaner nur kurz, nach einer Phase des wirtschaftlichen Stillstandes in den neunziger Jahren mit sinkenden Preisen (Deflation) wieder einen längeren Zyklus mit moderaten Wachstumsraten zu erleben. Obwohl Japan zu den am stärksten, öffentlich verschuldeten Staaten gehört und die Rezession noch weitere größere Löcher in den Staatshaushalt reißen wird, könnte die Stärke des Yen kurzfristig noch weiter zunehmen. Ähnlich wie die Amerikaner gehören die Japaner traditionell zu den am häufigsten im Ausland investierenden Anlegern. Die Verluste, die sie im Sommer 2008 durch die abrupte Aufwertung des Yen erlitten haben, hat ihre Risikoneigung deutlich reduziert. Der noch immer anhaltende Rückfluss von Anlagegeldern aus dem Ausland nach Japan führt zu der paradoxen Situation, dass die heimische Währung trotz fundamental schlechter Wirtschaftsdaten stärker wird. Eine Schwächung der Währung durch das Absenken des Leitzinsniveaus ist nicht mehr möglich, da dieses sich schon nahe null bewegt. Erst mit einem erneuten Anstieg der Zinsen im Ausland könnte die Risikoneigung der Japaner wieder zunehmen und für eine neue Schwächephase des Yen sorgen.
Gegenüber dem Euro gewann der Yen vom Juli bis Oktober des vergangenen Jahres fast ein Drittel an Wert. Im Bereich um 113,50 Yen bekamen die Bären aber erstmals die Gegenwehr der Bullen zu spüren, die Hauptwelle der Rückführung von Auslandsanlagen war damit abgeschlossen. Seither pendelt der Yen in einer recht volatilen Spanne zwischen 113,50 und 130 Yen. Ein Ende des seit Juli bestehenden Abwärtstrends stand bisher noch nicht zur Debatte. Dass könnte sich aber bald ändern, denn der Kurs läuft in die Spitze eines Dreiecks hinein, dass sich aus dem besagten Abwärtstrend und dem bereits mehrfach getesteten Unterstützungsniveau bei 113,50 gebildet wird. Aus dem Verhalten der Trendindikatoren MACD und Momentum lässt sich ablesen, dass zumindest auf kurze Sicht seitens des Marktes der Versuch unternommen wird, einen erneuten Anlauf auf die obere Begrenzung der aktuellen Handelsspanne bei 130 Yen zu starten. Scheitert dieser aber schon in Höhe des Abwärtstrends bei 123 Yen, könnte auch bald die bisherige Unterstützung fallen und neue Kurstiefs bis 100 Yen produzieren.
