Etwas aufgeben und nichts zurückbekommen
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 17. Oktober 2007 07:30 Uhr
ENL5454
It's the end of the world as we know it … and we feel fine!
Indien boomt, China boomt. Die jüngsten Nachrichten aus dem Reich der Mitte besagen, dass der Handelsbilanzüberschuss übers Jahr mit 56% steigt.
Und zum Teufel, sogar Argentinien boomt. Die Wirtschaft Argentiniens ist in den vergangenen fünf Jahren ungefähr dreimal schneller gewachsen als das amerikanische Modell.
Gestern wurden der Autor dieser Zeilen und sein alter Freund Doug Casey in den American Club in Buenos Aires eingeladen. Die Gastgeber waren überwiegend Männer, die schon seit Jahrzehnten in Argentinien leben und dort Geschäfte machen. Sie haben alles miterlebt – Korruption, Hyperinflation, Zahlungsunfähigkeiten, Chaos, Aufstände, Depression ... was auch immer.
“Ich wünschte, ich könnte es Ihnen sagen”, sagte ein Herr aus Texas, „ich bin schon seit mehr als dreißig Jahren hier unten ... und ich weiß nicht, was hier unten vor sich geht. Niemand weiß es.“
“Ich arbeite für die Regierung”, sagte ein anderer Mann, “und ich kann Ihnen sagen, sie haben keine Vorstellung. Es ist ein unglaubliches, unvorstellbares Durcheinander. Alles dreht sich ... es gibt keinen Halt.“
“Aber … was ist der Unterschied zu den Vereinigten Staaten?“, fragte Doug.
Viele Leute kommen wegen des Tango oder des Rindfleischs oder der Immobilienpreise nach Argentinien. Ich reise nach Argentinien, um einen Blick in die Zukunft zu werfen. Ganz egal welches Drama in den Vereinigten Staaten vor uns liegt ... ich habe das Gefühl, dass es hier in den Pampas schon einmal auf die Bühne gebracht wurde.“
Zuletzt ist der Dow ein bisschen gefallen. Aber es könnte sein, dass wir immer noch in der bullishen Phase sind. Der Index liegt immer noch in der Nähe eines absoluten Höchstwertes. Und sogar die Häuslebauer wirken so, als würden sie die sich auf einem niedrigeren Niveau stabilisieren. Nicht dass es mich besonders interessierte. Selbst wenn die Aktien weiterhin nominal steigen, ist es für mich nicht von Interesse – denn sie sind zu teuer, als dass sie noch gute Investitionen wären. Und mich interessiert wahrer Wert, nicht nur die Zahlen, die dem Dollarzeichen folgen.
Effektiv hat sich der Dow seit 2000 halbiert. Man konnte einst alle Aktien des Dow verkaufen, und davon mehr als 40 Unzen Gold kaufen. Heute verkauft man sie, und man bekommt nur so viel Geld, dass es gerade ausreicht, davon 18 Unzen Gold kaufen zu können.
Nein, liebe Leser, der Dow ist eine Attrappe ... ein Nebenschauplatz ... eine Ablenkung. Das wahre Drama ist der Dollar selbst. Und die wahre Aufregung erlebt man am Goldmarkt. Zuletzt ist Gold um mehr als 10 Dollar gestiegen – auf einen neuen Höchstwert für diesen Zyklus ... mit 758 Dollar. Auch Öl ist auf fast 87 Dollar gestiegen. Und der Dollar fiel auf weniger als 1,42 Dollar für einen Euro.
Der fallende Dollar ist nicht nur ein Spielzeug der Spekulanten. Es ist der Dollar, der den Maßstab darstellt, mit dem fast alle Amerikaner ihre Hoffnungen und Träume bemessen. Wenn ein Haus 300.000 Dollar wert ist, dann stellen diese 300.000 Stücke Papier womöglich den Wert der Mühen eines ganzen Lebens dar ... und sie könnten auch die Hoffnung auf zukünftige Rückzugsorte darstellen. Pensionen, Versicherungspläne, Aktienportfolios, Anleihen ... alles was wir verdienen und was wir ausgeben.
Kürzlich ist mir aufgefallen, dass das schmutzige kleine Geheimnis des fortgeschrittenen amerikanischen Kapitalismus darin besteht, dass man einen großen Teil der Risiken vergesellschaftet ... und den größeren Teil der Verluste. Die großen Banken ... die großen Finanzhäuser ... und sogar die kleinen Haushalte ... geraten in Schwierigkeiten und die Regierung eilt Ihnen zur Hilfe. „Hier habt ihr ein bisschen Geld“, sagt die Zentralbank.
Woher kommt all das Geld? Es ist eine lange Geschichte ... es ist aber keine neue Geschichte. Es ist eine Geschichte, die schon im alten Rom gespielt wurde ... im Frankreich des 18. Jahrhunderts ... in Deutschland im 20. Jahrhundert ... und heute ist es eine große Schau nördlich des Rio Grande.
Im Grunde genommen, und häufig im wahrsten Sinne des Wortes, erschaffen die Zentralbanker Geld – wie Keynes sagt – „aus dünner Luft.“ Das ist doch nicht schlimm, sagen Sie, es muss doch irgendwoher kommen. Es sei denn, dieses neue Geld tritt mit all dem alten Geld in Wettbewerb, für das die Leute so lange und hart gearbeitet haben, um es anzusammeln. Sie werden sehen, dass letzten Endes weder eine Wirtschaft noch irgendwer sonst den Unterschied zwischen einem Dollar, der im Schweiße des Angesichts erworben wurde und einem Dollar, der aus dünner Luft stammt, erkennen kann. Die Folge ist, dass man die gesamte Menge an verfügbaren Dollars vergrößert und den Wert jedes einzelnen davon reduziert. Das ist das Phänomen, das wir unter dem Namen „Inflation“ kennen.
Die Folgen einer Inflation sind wohlbekannt. Genauso die Ursache der Inflation. Jeder weiß, mit anderen Worten, wer getötet wurde und wer die Kugel abgefeuert hat. Heute ergänze ich nur noch ein belastendes Detail – das Motiv.
Warum sollte es der Wunsch der amerikanischen Zentralbank sein, eine Inflation hervorzurufen? Machen Sie den Kongress dafür verantwortlich ... die Politiker wollen immer mehr Geld ausgeben, als sie über Steuern einnehmen können. Sie gleichen den Unterschied durch geliehenes Geld aus ... und dann müssen die Kredite refinanziert werden ... und weitere Kredite hinzugefügt werden ... und die ganze Sache lässt sich wesentlich leichter verdauen, wenn noch ein bisschen extra Geld nebenher fließt.
Oder Sie machen die Verbraucher dafür verantwortlich. Sie geben Geld, das sie nicht haben, für Dinge aus, die sie nicht brauchen. Was glauben sie denn, wer sie sind, die Mitglieder des Kongresses? Auch sie sind deutlich zufriedener, wenn das Geld fließt. Und wenn die Wähler zufrieden sind, dann sind auch die Politiker zufrieden ... und wenn die Politiker zufrieden sind, dann stellen sie den Zentralbankern nicht so viele schwierige Fragen ... also sind auch die Zentralbanker zufrieden.
Wir wollen der Sache ins Auge blicken. Alle sind glücklicher, wenn es ein bisschen Inflation im System gibt. Die Wirtschaftler sind sogar zu der Überzeugung gekommen, dass die Inflation dazu beigetragen hat, Arbeitsplätze zu schaffen ... und dass sie die Verbraucher ermutigt hat, Geld auszugeben ... und dass sie sogar geholfen hat, eine dynamischere, robustere Wirtschaft hervorzubringen. Sie sehen also, liebe Leser, selbst die Ökonomen sind zufriedener, wenn durch die Luft ein kleiner Hauch von Inflation vorüberweht. Und wenn man einen Ökonomen zufrieden machen kann ... erweist man damit nicht auch Gott einen Dienst?
Okay … jetzt dringe ich bis zum tiefen, dunklen Herz der Angelegenheit vor. Machen Sie Gott verantwortlich. Gott hat den Menschen erschaffen. Und dem Menschen gefällt ein kleines bisschen Inflation. Ein kleines bisschen zusätzliches Geld gibt den Menschen das Gefühl, dass sie etwas für nichts bekommen. Wem könnte das nicht gefallen?
Doch an dieser Stelle war Gott noch nicht fertig. Er hat den Menschen erschaffen, dem Menschen gefällt es, wenn er etwas für nichts bekommt. Aber Gott stellte sicher, dass es in diesem Apfel einen Wurm geben würde. „Etwas für nichts“ erkauft man sich immer zu einem hohen Preis. Wenn der Dollar seinen Wert seit 2002 nur gehalten hätte und alles andere so geblieben wäre wie immer, hätten die Amerikaner heute ungefähr 10 Billionen Dollar Kaufkraft mehr. Stattdessen haben sie sich daran gewöhnt, dass die Menschen aus dem Ausland kommen, ihre Anlagewerte kaufen und ihnen erzählen, wie günstig alles ist. Ja, es ist alles günstig für die Ausländer, sie haben richtiges Geld. Aber es ist nicht günstig für die Amerikaner.
Die Krise von 2001-2002 hat den Wohlstand Argentiniens um fast zwei Drittel reduziert. Plötzlich mussten sie, wenn sie nach Europa reisten, feststellen, dass sie nur noch ein Drittel des Geldes hatten, das sie zuvor hatten. Die Ausländer kamen ins Land, um Wohnungen und Farmen zu kaufen ... die Argentinier selbst hatten kein Geld, um mit ihnen in den Wettbewerb zu treten. Den Reichen aus Argentinien ging es gut. Sie hatten ihr Geld immer in Miami oder in der Schweiz aufbewahrt. Sie hatten Anlagewerte außerhalb des Landes. Sie hatten ihre Ertragsquellen und Möglichkeiten, diese zu schützen. Aber die Mittelschicht hatte ihr Geld in Pesos. Sie verdienten Pesos. Sie haben sich auf den Wert ihrer Peso-Renten verlassen ... ihrer Häuser ... und ihrer Ersparnisse. Aber als die Krise kam, verschwand ihr Geld. Die Mittelschicht Argentiniens verschwand fast von der Bildfläche.
Argentinien? Seht euch Simbabwe an, sagt mein alter Freund Marc Faber. Die Geschichte ist die gleiche, aber sie ist unterhaltsamer. Und sie befindet sich immer noch in Phase der Super-Farce. Die Inflation beläuft sich, offiziellen Angaben zufolge, auf ungefähr 7.000% im Jahr. Aber inoffizielle Schätzungen gehen davon aus, dass die Inflationsrate für dieses Jahr eher bei 100.000% liegen wird. Marc hat Simbabwe kürzlich besucht. Er sagte, er wäre am Montag losgegangen, um eine Flasche Orangensaft zu kaufen. Sie kostete 120.000 Simbabwe-Dollar. Am Dienstag war der Preis auf 180.000 Simbabwe-Dollar gestiegen. Und bis Freitag lag er schon bei 600.000.
Das alles würde sehr lustig wirken, doch haben Währungen eine Bedeutung für einfache Leute. Am Rande können Sie den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten. Dank der Finanzverwaltung von Robert Mugabe darf ein Durchschnittsbürger aus Simbabwe davon ausgehen, mit 37 tot umzufallen. Noch 1990 hätte er sich auf das Alter von 60 Jahren freuen dürfen. Während die Lebenserwartung sinkt, sinken auch die Aussichten auf einen Arbeitsplatz. Ein Durchschnittbürger hat lediglich eine 50/50 Aussicht darauf, einen Job zu finden.
Aber hier ist die Sorte von Detail, die uns Hoffnung für die Zukunft gibt. Wir werden es vielleicht nicht überleben, aber zumindest wird es amüsant sein. Offenkundig sind die Afrikaner an der Reihe, der UN Kommission für nachhaltige Entwicklung vorzusitzen. Natürlich wenden sie sich dabei an ein Land, das eine nachhaltige Nicht-Entwicklung möglich gemacht hat – Simbabwe. Mit diesem Land ist es bergab gegangen, seit man im Jahr 1979 Ian Smith aus dem Amt geworfen hat.
(Ian Smith ist, soweit ich weiß, immer noch am Leben. Er lebt in Kapstadt in Südafrika. Vermutlich sollte man ihn wieder in den Dienst rufen ... wie Churchill im Zweiten Weltkrieg ... oder Petain.)
Der Mann, dem man den Posten gegeben hat, der Kommission für nachhaltige Entwicklung vorzusitzen, heißt Francis Nhema, er ist ein Kumpan von Robert Mugabe. Sein persönlicher Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung besteht darin, dass er eine der Farmen erhalten hat, die man von den weißen Bauern gestohlen hatte und diese vor die Hunde gehen ließ.