Ethanol: Interessante Zahlen!
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Agrar-Rohstoffe
vom 27. Juni 2008, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Das US-Landwirtschaftsministerium hat eine Analyse zur Auswirkung der "Bio-Kraftstoffe" in den USA durchgeführt (Quelle: United States Department of Agriculture).
Liegt gerade vor mir. Und diese Analyse liefert ganz interessante Ergebnisse, finde ich. Hier die meiner Ansicht nach wichtigsten Erkenntnisse:
- Ohne Ethanol (welches in den USA in erster Linie aus Mais hergestellt wird) würde der Benzinpreis um 20 bis 35 Cents je Gallone (ca. 3,785 Liter) höher sein.
- Für die gesamte US-Wirtschaft bedeutet das: Ohne Ethanol müsste sie aufgrund der höheren Benzinpreise zwischen 28 und 49 Milliarden Dollar mehr ausgeben
- In den USA gibt es - ähnlich wie in Deutschland - eine Beimischungspflicht für Ethanol. Laut US-Landwirtschaftsministerium haben die Unternehmen unabhängig davon einen wirtschaftlichen Anreiz, Ethanol zu produzieren und zu nutzen.
- Ohne das im eigenen Land hergestellte Ethanol müssten die USA (bei unverändertem Gesamtverbrauch) 7,2 Milliarden Gallonen Benzin bzw. den entsprechenden Gegenwert in Rohöl importieren.
- Ethanol hat 19% weniger CO2-Emissionen als „herkömmliches Benzin". Und das unter Berücksichtigung des vollen „Lebens-Zyklus" von Ethanol (vom Anbau inkl. der damit verbundenen Aufwendungen bis zum Verbrennen).
- Laut einer Schätzung des US-Energieministeriums wären in den USA im Jahr 2007 ohne Ethanol 13 Mio. Tonnen CO2 mehr emittiert worden.
*** Das klingt doch gar nicht so schlecht. Was nicht so klasse ist: Es sind Nahrungsmittel, welche in den USA zur Ethanol-Herstellung verwendet werden: Nämlich in erster Linie Mais.
Die Herstellung von Ethanol aus Mais wird aber hoffentlich die „erste Generation" bleiben, durch die wir erst einmal „durch müssen".
In der nächsten Generation wird sich Ethanol aus Zellulose herstellen lassen. Dann können Erntereste wie Stengel und Halme zu Ethanol verarbeitet werden. Die Frucht für die Ernährung, die restliche Pflanze für die Erzeugung von Treibstoff.
Dann werden auch (meine) Bedenken wegen der Verwertung von Nahrungsmitteln für die Treibstoffproduktion entfallen.
*** Und hier geht das US-Landwirtschaftsministerium den richtigen Weg.
Denn das Ministerium hat angekündigt, 1 Milliarde Dollar in die Erforschung der nächsten Generation (müssen Sie da auch an „Star Trek - The Next Generation" denken?) der „Bio-Kraftstoffe" zu stecken.
Kosten-effektives und effizientes Verarbeiten von Zellulose zu Ethanol ist das Ziel, mit möglichst schnellem Durchbruch, was auch für kleine Bio-Raffinerien zu einem wirtschaftlichen Arbeiten mit der „nächsten Generation" führen wird.
Da kann ich nur sagen: Respekt, US-Landwirtschaftsministerium! Das ist doch wirklich mal ein vernünftig angelegtes Milliärdchen. (Den Verweis auf meiner Ansicht nach viel unsinniger ausgegebene Milliarden, Stichwort Irak-Krieg, kann ich mir wohl sparen.)
Ich wünsche Ihnen ein angenehmes Wochenende,
Ihr
Michael Vaupel