Estland und China
Michael Vaupel in Traders Daily zum Thema Global Anlegen
vom 1. Dezember 2010, 12:00 Uhr
ENL5454
*** Erinnern Sie sich noch?
Europäische Zentralbank stimmt einem Beitritt Estlands zur Euro-Zone mit Bedenken zu?
Dieses Land ist doch ein „Geschenk" für unsere Europäische Union! Was Schuldenstand und Neuverschuldung betrifft - vorbildlich. Da kann höchstens noch Luxemburg mithalten.
Und gerade beim Blick auf eine Performance-Rangliste der europäischen Börsen...
...die Entdeckung: Platz 1 hat die estnische Börse Tallin. Der estnische OMX-Index hat seit Jahresanfang knapp 70% zugelegt.
Erfreulich, dass wir in Europa noch solche Länder haben. Diese „mit Bedenken"-Wichtigtuerei hingegen wirkt da gerade zu lächerlich. Ich spreche mit großer Überzeugung aus: Willkommen, Estland!
*** In China werden in den nächsten Jahren wohl einige neue Städte entstehen, deren Bevölkerung jeweils so groß ist wie die Gesamtbevölkerung von Estland.
China „boomt" weiterhin. Keine Frage.
Die Politik des leichten Geldes der USA wirkt sich auch in China aus. Wir sehen eine Art „Carry Trade": In den USA wird sich zu Zinssätzen von fast Null Geld geliehen, das wird dann in Emerging Markets investiert. Eben auch in China.
Die chinesische Führung zeigt sich meiner Ansicht nach wirtschaftlich sehr verantwortungsbewusst. Sie hält dagegen, versucht einem Heißlaufen entgegenzuwirken.
So hat die chinesische Notenbank den Reservesatz um 50 Basispunkte erhöht. Der gilt für große Banken und liegt nun bei 18,5% (soviel der Einlagen müssen zurückgehalten werden, dürfen nicht als Kredite rausgegeben werden.)
Eine Erhöhung des Wertes bedeutet, dass das Wachstum der Kreditvergabe gebremst wird.
Meiner Einschätzung zufolge wird die chinesische Regierung da noch einige Male erhöhen. Auch die Leitzinsen könnten erhöht werden: Diesen Monat ist noch eine Sitzung der chinesischen Zentralbank.
Da möchte man doch gerne „China sein", was die wirtschaftliche Lage betrifft, oder? Knapp zweistelliges Wirtschaftswachstum, riesige Devisenreserven, Überschuss in der Handelsbilanz...
Nun, immerhin haben wir Estland.
Mit herzlichem Gruß!
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.
Chefredakteur Trader´s Daily
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Helmut (01.12. 2010 14:04 Uhr):
..ich wäre bezüglich Estland etwas vorsichtiger..in der Regel verheizen die Großen die Kleinen...David und Goliath sind Legende.....an dieser Machtparität wird auch Estland scheitern......wie soll ein Land wie Estland ein Ungleichgewicht von mehr als 750 Milliarden angenommenen Schuldverpflichtungen der EU ausgleichen???
Antworten - Kommentar von Roland Mall (01.12. 2010 14:52 Uhr):
Hallo Herr Vaupel, klasse Artikel, auch sonst lese ich sehr gerne Ihre offenen Beiträge. Liebe Grüße aus Pfinztal Rol. Mall
Antworten - Kommentar von Hannes (02.12. 2010 08:04 Uhr):
"In China werden ... einige neue Städte entstehen, deren Bevölkerung jeweils so groß ist wie die Gesamtbevölkerung von Estland." ... "Nun, immerhin haben wir Estland." Breites Grinsen. Sie sind ein Schelm. Doch irgendwie optimistisch. Ich lese Sie gern.
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