Escondida - die grösste Kupfermine der Welt im Streik

Andreas Lambrou in Insider Daily zum Thema Kupfer
vom


von Andreas Lambrou

Hinweis: Da sich Insider Daily-Redakteurin Kerstin Kramer bis zum 11.08.06 im Urlaub befindet, stellen wir Ihnen an dieser Stelle interessante Gastbeiträge vor, heute von Andreas Lambrou, Chefredakteur von Tiger & Dragon


Seit gestern Mittag befinden sich in Chile 2.000 Arbeiter der weltgrössten Kupfermine Escondida im Streik. Ihre Forderung 13 % mehr Lohn und eine Bonuszahlung in Höhe von 30.000 US-Dollar. Der Minenbetreiber BHP-Billiton erklärte sich bislang zu einer Lohnerhöhung von 3 % und einer Bonuszahlung von 15.000 US-Dollar bereit.

Escondida förderte letztes Jahr 1,27 Millionen Tonnen Kupfer und lieferte damit rund 8 % der weltweiten Nachfrage. Mit dem jetzigen Förderausfall könnten der Welt damit rund 3.500 Tonnen Kupfer täglich verloren gehen. Der Förderausfall hat eine enorme Wirkung auf die Gewinne der Betreibergesellschaften, denn Escondida erwirtschaftet rund 1 Million US-Dollar Nettogewinn und zwar pro Stunde.

Unterinvestitionen auch im Kupfersektor

Gestern hatte ich ja bereits über die Notwendigkeit von höheren Investitionen im Ölsektor gesprochen. Bei Kupfer zeigt sich das gleiche Bild. Die chilenische Kupferförderung stagniert und dies obwohl alle chilenischen Kupferminen in diesem Jahr zusammen fast 20 Milliarden US-Dollar netto verdienen werden.

Laut Gewerkschaftsangaben wurden im gesamten Sektor über den Zeitraum von 31 Jahren, von 1973 bis 2004 lediglich 17 Milliarden US-Dollar investiert. Bislang hat der Streik jedoch noch nicht die gesamte Förderung lahm gelegt. Die Minenbetreiber sprechen von einer Reduktion um 60 %, während die Gewerkschaften schon von 80 % reden.

Lohn-/Preisspirale

Während ein Streik sicher noch nichts Ungewöhnliches ist, muss ich dennoch darauf hinweisen, dass die Arbeitskämpfe im Rohstoffgewerbe zurzeit massiv zunehmen. Die letzten grossen Lohnverhandlungen wurden bei Kupferpreisen um 1.500 US-Dollar je Tonne durchgeführt. Damals gab es in Chile vielleicht einen Streik pro Jahr. Doch nachdem die Preise explodiert sind wird alle 3 Monate gestreikt.

Steigen die Löhne, steigen die Förderkosten, sinkt das Angebot und die Preise steigen weiter. Wir haben es hier mit einer klassischen Lohn-/Preisspirale zu tun. Ich denke die weltweiten Zentralbanken sollten sich bei aller Inflationssorge bewusst sein, dass sie die langfristig steigende Inflation und die steigenden Rohstoffpreise nicht so einfach mit ein paar Zinsschritten bändigen können.

Fazit

Dieser Streik kam nicht unerwartet und wurde deshalb bereits in den aktuellen Kupferpreisen eskomptiert. Ich rechne nicht damit, dass es hier zu einer schnellen Einigung kommen wird.

Ob der Kupferpreis über sein Rekordhoch von 8.000 US-Dollar je Tonne steigen kann, wird aber auch davon abhängen ob die US-Zentralbank heute Abend ihre Zinsen weiter erhöht oder eine Pause einlegt. Eine Zinserhöhung würde die Kupferpreise kurzfristig voraussichtlich unter Druck bringen. Eine Zinspause könnte jedoch einige spekulative Käufe anziehen und den Kupferpreis schnell auf neue Rekordstände treiben.

Ihr
Andreas Lambrou

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