Es wird nach wie vor konsumiert!
Klaus Buhl in Nebenwerte Daily zum Thema Aktien & Aktienhandel
vom 22. Dezember 2008, 17:00 Uhr
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Liebe Leserinnen und Leser,
hoffentlich haben Sie ein entspanntes Adventswochenende erlebt und sind gut in die Weihnachtswoche gestartet. Seitens der Börse gab es gute Gründe für ein ruhiges Wochenende. Nicht einmal der Verfalltag konnte große Unruhe über die Märkte bringen und der DAX z.B. handelt nach wie vor oberhalb seiner wichtigen Unterstützung bei 4.550. Auch die meisten europäischen Indizes handeln innerhalb ihrer Seitwärtstrends. Entwarnung brachte der späte Freitag auch für die US-Autobauer, die nun die erhofften Milliarden aus dem Regierungsprogramm erhalten, welches ursprünglich für die Banken reserviert war. Ich persönlich bin zwar skeptisch, ob diese Summen clever investiert sind, aber noch Präsident Bush sagte wörtlich, dass er seinen Nachfolger nicht mit der Hypothek einer insolventen Autoindustrie belasten wolle. Da diese Rettungsmaßnahmen keine echten Überraschungen waren, wird sich jetzt also zeigen, in welche Richtung die Märkte wirklich nach dem Verfalltag marschieren wollen. Und auch darüber wird wohl erst in den ersten Tagen des neuen Jahres entschieden werden. Ein wenig Sorge bereitet mir allerdings die Tatsache, dass weltweit die stabilen Aktien, in die sich sicherheitsorientierte Anleger flüchten, wie eine Nestle, Novartis oder Pfizer, zu den Verlierern der letzten Tage zählen. Zu den guten Nachrichten des Tages zählt das Konsumklima in Deutschland, welches die Finanzkrise nach wie vor nicht widerspiegelt. Die Sparrate hat sich im letzten Quartal sogar leicht reduziert, was vielleicht auch am Rückenwind der sinkenden Benzinkosten liegt.
Stühle rücken im SDAX
Obwohl natürlich die Presse heute vor allem die beiden Neuen im DAX, also Beiersdorf und Salzgitter beachtet, will ich Ihnen natürlich nicht verheimlichen, dass es auch im SDAX Veränderungen gab. Ich persönlich weine den beiden Werten, die den SDAX verlassen haben, keine einzige Träne nach: Nämlich der IKB und dem Fondsinitiator HCI-Capital. Interessanter wird es da schon, die Neuankömmlinge in den nächsten Wochen genau zu observieren. Den Fernseh-Hersteller Loewe, den Internet Reifenhändler Delticom und vor allem den Stahlkocher Klöckner-Werke. Besonders stürmisch wurde Loewe von den Anlegern begrüßt, die gegen Mittag einen Kurssprung von 8 % verzeichneten. Da dieser ohne Meldung erfolgte, tippe ich auf eine charttechnische Reaktion auf die erfolgreiche Verteidigung der Unterstützung bei 7,50 Euro. Natürlich ist die Indexaufnahme aber auch gerade bei Titeln interessant, die vorher in keinem anderen Index vertreten waren. In diesem Fall, wie hier bei Loewe, gibt es also per Saldo eher Käufe von Index-orientierten Fondsmanagern als Verkäufe.
Loewe: könnte vom besser als erwarteten Konsumklima profitieren
Gerade im Zusammenhang mit dem heute veröffentlichten Konsum-Klima-Index der Forschungsgesellschaft GFK ist der Neuzugang im SDAX eine Bereicherung. Denn auch zu meiner eigenen Überraschung zeigen sich die Deutschen nach wie vor recht konsumfreudig und wollen einfach nicht an einen bevorstehenden Weltuntergang als Folge der Finanzkrise glauben. Davon würde natürlich vor allem ein reinrassiger Konsumwert wie Loewe profitieren. Die Loewe AG ist nach eigenen Angaben einer der führenden deutschen Hersteller und Anbieter von hochwertigen Fernsehgeräten. Die Stärken liegen in der Produktgruppe der Flachdisplaygeräte, bei Großbildfernsehern und im Breitbildformat 16:9. Ergänzend zu TV-Geräten bietet Loewe weitere Produkte der Unterhaltungselektronik wie z.B. DVD-Player, Videorecorder und Hi-Fi-Produkte an. Die Marke Loewe ist in über 30 Ländern präsent.
Bereits in den ersten neun Monaten des Jahres 2008 zeigte sich Loewe stark und verbesserte den Gewinn um 24 % auf 6,3 Mio Euro und konnte auch die Marge verbessern. Grund für die positive Entwicklung war die Konzentration des Unternehmens auf LCD-Flachbildfernseher und DVD-Lösungen. Denn nach einer Umstrukturierung haben sich die Kronacher von den Sparten Plasma-Fernseher und Bildröhren getrennt. Trotz der noch immer guten Geschäftslage wurde die Aktie im vergangenen Markt stark verkauft. Der heutige Marktwert von gerade einmal 120 Mio. Euro könnte sich als Übertreibung herausstellen, vor allem wenn man die Dividendenrendite von ca. 8 Prozent beachtet und ein geschätztes KGV von 9 für das kommende Jahr. Mit diesen Zahlen habe ich sogar schon ein einen Einbruch der Umsätze von 10 % einberechnet, mit dem das Management überhaupt nicht rechnet. Ein weiterer Pluspunkt der Aktie in Krisenzeiten ist der sehr geringe Verschuldungsgrad, der die Unabhängigkeit von Banken und Fremdkapital verbessert. Sollte sich die Situation im SDAX wenigstens etwas entspannen im neuen Jahr, habe ich keine Probleme mit einem fundamentalen Kursziel von 10 Euro für die Loewe AG!