Es war einmal ein Hedgefonds... (2. Teil)
Andreas Lambrou in Rohstoff Daily zum Thema Fonds
vom 15. August 2006 20:45 Uhr
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Für mich sind die hohen Verluste von Motherrock ein wenig unverständlich.
Zwar ist es Richtig, dass die Erdgaspreise für die Sommerlieferung in den USA massiv gefallen sind, da die USA einen sehr warmen Frühling hatten und die Lagerbestände entsprechend angestiegen waren, doch in den späteren Liefermonaten hielten sich die Preise doch relativ hoch. Konkret finde ich es doch sehr spekulativ, dass der Motherrock Fonds offenbar sein größtes Gewicht auf einen weiteren Verfall der kurzfristigen Erdgaspreise legte und dies obwohl die Preise bereits um fast 50 % vom Hoch gefallen waren. Zudem sind kurzfristige Preisprognosen bei wetterabhängigen Rohstoffen ohnehin relativ schwierig.
Kurzfristige Spekulation nahm Überhand
Eine Erklärung weshalb der Fonds ein so hohes Risiko im kurzfristigen Erdgashandel eingegangen ist habe ich nicht. Wie mit Aktien ist es schließlich auch mit Rohstoffen so, dass man ultrakurzfristige Bewegungen nur sehr eingeschränkt prognostizieren kann. Hätte der Fonds auf die langfristige Entwicklung der Erdgaspreise spekuliert, wären diese Verluste nicht eingetreten.
Erklärung von Motherrock unzureichend
Insofern dürften die Investoren in den Motherrock Fonds auch nicht mit der Erklärung des Fondsgründers zufrieden sein. Dieser schrieb nämlich laut einer Übersetzung im Handelsblatt: „Lassen Sie mich Ihnen versichern, dass ich die schreckliche Wertentwicklung von MotherRock und deren Folgen für ihr Investment bedauere“
Sspätere Liefermonate waren von den Schwankungen kaum beeinflusst
Erdgas wird ja logischerweise vor allem in der Heizphase während des Winters nachgefragt. Dementsprechend würde es für einen Fonds Sinn machen auch diese „Heizphase“ zu handeln. Der Erdgaspreis per Termin Januar 2007 zeigte sich also dementsprechend robust und hielt sich trotz eines starken Anstiegs in der 2. Jahreshälfte 2005 im Verlauf dieses Jahres bislang sehr konstant zwischen 10 und 12 US-Dollar je Millionen BtU (siehe Chart).
Die Anfälligkeit von Prognosemodellen
Ich vermute, dass Motherrock wie viele Hedgefonds unter anderem mit Hilfe verschiedener und sehr komplexer mathematischer Modelle gearbeitet hat. Doch diese Modelle besitzen den Nachteil, dass sie die Zukunft nur unzureichend prognostizieren können, da ihre Funktionsweise auf den Daten der Vergangenheit aufbauen. Insbesondere das Marktrisiko wird von diesen Modellen mitunter falsch eingeschätzt. Der zu starke Verlass auf diese Modelle führt in regelmäßigen Abständen zu großen Verlusten bei einzelnen Fonds. Ich erinnere mich noch gut an die große Pleite des Long-Term-Capital-Management Fonds im Jahr 1998.
Der Markt hat immer Recht
Natürlich könnte es sich auch um einen menschlichen Spekulationsfehler gehandelt haben. Wenn Sie als Spekulant nämlich sehr überzeugt sind und der Markt trotzdem nicht macht was Sie voraussehen, dann tendieren viele Spekulanten oft dazu ihre Verlustpositionen immer weiter zu erhöhen. Meistens enden solche Übungen in einem Desaster. Deshalb ist es ganz wichtig den Leitspruch zu verinnerlichen "Der Markt hat immer Recht".
Allgemeines Problem von Hedgefondsanlagen
Das große Problem von Hedgefondsanlagen ist immer, dass Sie als Anleger gar nicht genau wissen was sie da eigentlich kaufen. Wenn Sie einen Rohstoff-Hedge-Fonds kaufen, dann tun Sie dies ja vermutlich weil Sie von der langfristigen Entwicklung der Rohstoffpreise überzeugt sind.
Es ist deshalb sehr ärgerlich, wenn Sie dann in einer relativ kurzfristigen und auf wenige Monate beschränkten Marktbewegung, die im langfristigen Kontext eher eine untergeordnete Rolle spielen, ihr Geld verlieren.
Besser ist es auf eindeutige und nachvollziebare Produkte zu setzen
Deshalb ist es meines Erachtens besser sich selbst mit den Rohstoffmärkten zu befassen und für den Grossteil Ihres Anlagekapitals auf langfristige Produkte zu setzen. Dafür eignen sich zum Beispiel Indexzertifikate, Discount Zertifikate und Aktien von Rohstoffproduzenten sowie Rohstoffaktienfonds.
Als Profi können Sie auch die verschiedenen Terminkontrakte kaufen. Beim Kauf von Terminkontrakten ist es aber auch wichtig das Geld auf die verschiedenen Verfallsmonate zu streuen. Bei einer Aktie würden Sie ja vermutlich auch nicht Ihr gesamtes Kapital auf einen Optionsschein mit einer kurzen Laufzeit setzen.
Ich hoffe Sie hatten keine Anteile desMotherrock Fonds in Ihrem Depot.
Ihr
Andreas Lambrou
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