Es spitzt sich zu?
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 13. Oktober 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Was ist da eigentlich los?
Israel greift Syrien an und erhält von Amerika "Rückendeckung".
Amerika erwägt nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" Abwehrraketen zum Schutz vor Raketen aus dem Iran zu stationieren und zwar in Europa. Die USA bietet den Ländern Europas, die eine Stationierung zulassen, im Gegenzug Wirtschaftshilfe an.
Gerüchten zufolge werden Terrorcamps in Syrien durch den Iran finanziert.
Der Spiegel veröffentlichte, dass eine Spezialeinheit des israelischen Geheimdienstes "Mossad" vor zwei Monaten den Auftrag zur Ausarbeitung von Plänen zur völligen Zerstörung iranischer Atomanlagen erhalten habe.
Im Iran wurde derweil angereichertes Uran entdeckt: Der Iran erhielt von der Internationale Atomenergiebehörde die Auflage, bis Ende Oktober sein komplettes Atomprogramm offen zu legen. Der Iran behauptet, das gefundene Uran sei außerhalb des Landes angereichert worden.
Deutsche U-Boote, die an Israel gegangen sind, sollen von Israel umgerüstet worden sein, so dass sie nukleare Sprengköpfe tragen können (obwohl manche Experten bezweifeln, dass das technisch überhaupt möglich sei).
Tony Blair warnt, dass die Zerstörung des Staates Israels erklärte Politik des Iran sei.
Und zu guter Letzt will jetzt auch noch Saudi Arabien "Gerüchten zu Folge" eine eigene Atombombe.
Es spitzt sich etwas zu. Was das genau ist, wie schnell das alles wieder verpufft oder ob es der Beginn einer neuen Eskalation ist, kann kaum beurteilt werden. Bahnt sich ein großer Konflikt mit dem Iran an?
Dazu kann man viele wilde Vermutungen und Spekulationen aufstellen. Wem würde ein Iran-Konflikt nützen? Werden sich die Amerikaner beteiligen? Immerhin gehört der Iran zur so genannten "Achse des Bösen". Bush hat gerade den Ton gegenüber Kuba verschärft. Kritiker behaupten, das hat er lediglich getan, um Stimmen der vielen Casto-Gegner in Florida auf seine Seite zu bringen. Was wird Bush noch tun, um seine Bevölkerung hinter sich zu bringen?
Nein, unsere Welt ist nicht sicherer geworden. Auch wenn die US-Regierung nach dem Irak-Krieg immer wieder darauf hingewiesen hat. Im Irak selbst geraten derweil die Zuständen zunehmend außer Kontrolle. Jetzt hat eine neue irakische Gruppe angekündigt, alle Mitglieder des von der amerikanischen Besatzungsmacht eingesetzten irakischen Verwaltungsrats zu ermorden.
Eine gute Zeit, um das einjährige Bestehen des Bullenmarktes zu feiern, so wie Freitag in den USA. Obwohl wir dann am 27.10.03 auch das sechsjährige Bestehen des Bullenmarktes feiern müssten. Doch ich vermute, das würde einigen Anleger nicht sonderlich gefallen.
Nein, diese Rallye läuft seit März dieses Jahres, alles andere ist Quatsch. Und sie läuft weiter. Obwohl man den Einbruch im September als "Warnschuss" sehen könnte. Ich erinnere mich an Nov/Dez 2002. Da brach der Dax zunächst die überaus wichtige Widerstandsmarke bei 3000 Punkten, um danach noch einmal steil nach oben zu laufen. Sie wissen ja, der Markt geht den Weg des größten Schmerzes – für Bullen und Bären.
Genau das könnte auch diesmal der Fall sein. Vielleicht wird der Dax sogar noch einmal über die 3700 Punkte getrieben, alle Bären wären vertrieben und gerade wenn die Bullen feiern, würde er wieder wegbrechen. Das zumindest wäre die schmerzhafteste Variante für alle Beteiligten. Eins ist sicher: Erst wenn der Dax jetzt noch einmal die 3200 Punkte Marke (das Septembertief) unterschreitet, wird's ernst. Denn das wäre das eindeutige Ende dieser Rallye. Bis dahin ist nichts weiter geschehen, als dass der Dax in einer Rallye die langerwartete Konsolidierung vollzogen hat und nun zu neuen Höhen strebt.