Es rappelt in der Q-Cells-Kiste

Kathrin Dörfeld in Insider Daily zum Thema Aktien
vom


bereits vor zwei Wochen berichteten wir über den erst kürzlich Pleite gegangenen Solarmodul-Produzenten Q-Cells. Eine kurze Meldung über mögliche Investoren, die angeblich Interesse am Kauf des "Insolvenzpatienten" zeigten, reichte damals vollkommen aus, um an nur einem Tag der Q-Cells-Aktie ein Kursplus von mehr als 20% zu bescheren. Der Wahnsinn. Wenn man sich vor Augen hält, dass Investoren die Auswahlkriterien für ihr nächstes Investitionsobjekt in der Regel äußerst penibel unter die Lupe nehmen, so verwundert es doch ein wenig, dass sie sich ausgerechnet zu einer Anlage in ein bereits Pleite gegangenes Unternehmen entschieden. Waghalsig oder bewiesen die Anleger doch den richtigen Riecher?


In den letzten Tagen häufen sich erneut positive Neuigkeiten um den einstigen deutschen Solar-Vorzeigekonzern. Seit der Insolvenzverwalter das Ruder in dem Unternehmen in die Hand genommen hat, läuft Q-Cells allem Anschein nach auf Vollbetrieb.

IKEA bekommt Solarmodule von Q-Cells aufs Dach

Man höre und staune - der Solarmodul-Hersteller hat vom Möbelriesen IKEA einen Auftrag zur Lieferung von Solarmodulen mit einer Gesamtleistung von über 7 Megawatt erhalten. Die Solarmodule (CIGS-Dünnschicht) sind für eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Hauptwarenhauses in der norditalienischen Stadt Piacenza bestimmt. Neben der Lieferung seiner leistungsstarken Produkte soll Q-Cells auch aktiv am Design und der Planung für die Dachinstallation mitgewirkt haben. Ciro Ahumada, Vertriebsleiter für Q-Cells in Europa, sagt über den an Land gezogenen Großauftrag: "Wir sind sehr stolz auf diesen Auftrag. Er stellt nicht nur unsere starke Präsenz auf dem italienischen Markt heraus, sondern zeigt auch, dass führende Marken wie IKEA auf die hochqualitativen und langlebigen Produkten von Q-Cells vertrauen. Unsere Q-Smart Dünnschicht-Solarmodule sind engineered-in-Germany und überzeugen durch ihre starke Leistung insbesondere in dem warmen italienischen Klima sowie durch ihr ansprechendes schwarzes Design."

Es sieht also ganz so aus, als ob sich Q-Cells der gegenwärtigen Misere in der Solar-Branche nicht kampflos geschlagen geben will. Dank des IKEA-Auftrags kann das deutsche Solarunternehmen seine Marktposition in Italien stärken. "Der Auftrag stellt einen weiteren Meilenstein in der internationalen Expansion von Q-Cells dar. Q-Cells arbeitet konsequent daran, seine Position in verschiedenen Segmenten im italienischen Markt als Partner für Kunden und Zulieferer mit hochwertigen Photovoltaik-Produkten und Systemlösungen auszubauen. Denn Italien ist einer der bedeutendsten Photovoltaik-Märkte der Welt.", sagt Marco Dona, Vertriebsleiter von Q-Cells für den italienischen Markt.

Neue Hoffnung für Solarbranche durch korrigierte Kürzung?

Nicht nur bei Q-Cells tut sich was. Auch für die gesamte Solarbranche gibt es einen neuen Hoffnungsschimmer. Am Montag haben die Ministerpräsidenten von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in einem Gespräch mit Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) versucht, ihn zu Korrekturen der beabsichtigen Kürzung der Solarförderung zu bewegen. Hauptforderung der Ministerpräsidenten war unter anderem auch eine langfristige Strategie für den Erhalt von rund 10.000 Arbeitsplätzen. Ob es tatsächlich zu einer Entschärfung der geplanten Einsparungen bei der Solarförderung kommt, entscheidet sich bei der Bundesratsabstimmung diesen Freitag.

Es besteht also berechtigte Hoffnung seitens der Solarunternehmen, dass die geplante harte Kürzung doch noch in abgeschwächter Form über den Tisch geht. Q-Cells konnte sich von den Tiefstständen zwar etwas erholen, aber angesichts der Schuldenberge, auf denen das Unternehmen sitz, ist dies nur ein winziger Tropfen auf den heißen Stein. Grund zum Jubeln gibt es bis dato jedenfalls nur in Maßen. Bereits vor zwei Wochen haben wir unsere Leser auf die Risiken bei einer Investition in Q-Cells hingewiesen. Und wir bleiben dabei: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, vor allem wenn sie Risse hat. Für eine nachhaltige Kurserholung reicht ein IKEA-Auftrag in Italien wohl kaum.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Börsentag.

Ihre

Kathrin Dörfeld


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