Es kommt alles so, wie es kommen muss
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 3. November 2008, 07:30 Uhr
ENL5454
Die amerikanischen Verbraucher schränken sich immer mehr ein" heißt es auf der Titelseite des International Herald Tribune von Freitag.
Das ist der schärfste Einbruch seit 1980, die Daten weisen auf ein schrumpfendes Bruttoinlandsprodukt hin."
Aber was haben sie denn erwartet?
Ich bin gerade in meinem Pariser Büro ganz besonders guter Laune. Warum? Weil alles so kommt, wie es kommen sollte. Gott ist im Himmel, die Königin ist auf ihrem Thron. Und der große Boom stellte sich als eine große Krise heraus.
Wie auf diesen Seiten schon häufig vorhergesagt, gehen die Verbraucherausgaben stark zurück. Aber was sollten sie auch sonst tun?
Wir wollen einen Blick über die Schulter zurückwerfen und nachsehen, wie wir überhaupt in diese Lage gekommen sind.
Die Regierungsvertreter haben die einbrechende Wirtschaft im Jahr 2002 mit geschichtsträchtigen Geldinjektionen und extra-lockeren Krediten aufgepeppt. Darauf folgte eine einmalige Blase bei den Immobilien... welche die gesamte Weltwirtschaft nach oben trieb. Amerikaner kauften Güter, die sie sich nicht wirklich leisten konnten von Geld, das sie nicht wirklich hatten. Und die gesamte Welt jubelte vor Freude.
Aber wenn die Immobilienpreise so sehr aus dem Ruder sind, dass ein Durchschnittsbürger nicht einmal mehr davon träumen kann, sich ein durchschnittliches Haus zu kaufen, dann muss sich irgendetwas ändern.
Die Immobilienpreise fingen an einzubrechen... und rissen das Geschäft der hypothekarisch gesicherten spekulativen Finanzen mit sich in die Tiefe.
Anfangs haben wenige Leute das ernst genommen, also brauchte es eine lange Zeit, ehe die Hausbesitzer anfingen zu reaglieren. Aber sie mussten früher oder später ihre Ausgaben zurückfahren.
In einer Wirtschaft, die sich zu mindestens 80% auf die Verbraucherausgaben stützt, verursachen weniger Ausgaben vermutlich eine Rezession.
Und wenn die Unternehmen weniger Gewinne machen, dann werden die Aktienpreise mit Sicherheit fallen.
Und all das ist passiert - genau so, wie es sein sollte.
Aber was sollte als nächstes passieren?
Zuerst sollten wir einige schockierende Arbeitslosenzahlen zu Gesicht bekommen. Es braucht Zeit, die Lohnlisten zu stutzen, aber wir sollten das morsche Holz schon bald auf dem Boden liegen sehen. Und dann auch bald einige grüne Äste. Gute, junge Arbeiter werden zusammen mit den Babyboomern von den Listen gestrichen werden.
Ein neues Hotel, das in Las Vegas die Pforten öffnet, hat Stellen ausgeschrieben. Sie erhielten 67.000 Bewerbungen auf 500 Stellen. Und von American Express hieß es am Donnerstag, dass man hier 7.000 Arbeitnehmer entlassen will.
Die Arbeitslosenzahlen liegen in den Vereinigten Staaten offiziell bei 6%. Sie werden die 10% überschreiten und dann noch weiter steigen.
Und dann werden wir es auch mit einem steilen Anstieg der Konkurse, der Zahlungsverzüge und der Zwangsvollstreckungen zu tun bekommen. Selbst nach den Kündigungen und Einsparungen werden die Unternehmen noch nicht wieder in der Lage sein, ihre Rechnungen zu zahlen. Entlassene Arbeiter werden es schwer finden, neue Arbeitsplätze zu finden, auch sie werden dann Konkurs anmelden. Und die Unternehmensanleihen werden wertlos sein. Milliarden Dollar in Schulden auf Kreditkarten und Autokrediten werden sich - gemeinsam mit den Hypothekenschulden - als uneinbringlich erweisen.
Was wird noch passieren?
Die Globalisierung wird den Rückwärtsgang einlegen. Diesmal wird dazu kein Mister Smoot und kein Mister Hawley nötig sein. Mr. Market wird das für sie erledigen. Der weltweite Handel wird einbrechen, wenn der Verbraucher der ersten und letzten Instanz, der Amerikaner, aufhört, Geld auszugeben.
Wir haben das im Bereich der Kapitalanlagen schon sehen können. Volvo hatte im dritten Quartal 2007 41.970 Bestellungen für die großen Trucks. Im dritten Quartal 2008 gingen jedoch insgesamt nur 155 Bestellungen ein.
Wie Mark Gilbert auf Bloomberg berichtet, muss man, wenn niemand Trucks kauft, auch keine Trucks verschiffen. Die Zahlen für die Verschiffung von Gütern brechen auch ein. Heute kostet es kaum 10% dessen, was es Anfang des Jahres kostete, einen Truck zu verschiffen.
Es ist der Absturz in die Hölle" sagt Michael Bloomberg selbst, während er beschreibt, was den nächsten Präsidenten erwartet.