Sven Weisenhaus handelt seit mehr als 10 Jahren Aktien, Zertifikate und inzwischen hauptsächlich CFDs. Im Wave Daily dreht es sich meist um Elliot Wellen.
Sven Weisenhaus in Wave Daily zum Thema Rohöl | Erdöl
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Kurzer Rückblick
Als ich den Nasdaq zuletzt am 6. März (Wow, schon so lange her?!) analysierte, fragte ich: "Ist dieser Index noch zu stoppen?" Auf dem damaligen Niveau von ca. 2.600 Punkten wünschte ich mir eine Korrektur herbei, weil der Run nach dem Ausbruch recht weit gelaufen war.
Ein Wunsch geht in Erfüllung
"Der Anstieg war sehr lang und steil. Im Idealfall fällt der Kurs auf das Ausbruchsniveau zurück und dreht dort wieder nach oben. Der Kurs würde den Ausbruch dann bestätigen und zusätzlich absichern. Denn der ehemalige Widerstand hätte sich dann zu einer Unterstützung gewandelt, die dann mustergültig dem Angriff von oben Stand gehalten hätte", schrieb ich Anfang März bei der letzten Nasdaq-Analyse.
Vor diesem Hintergrund ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt für die neue Analyse. Denn der Kurs ist zwar noch weiter auf knapp 2.800 Punkte gestiegen, setzt aber nun exakt auf dem Ausbruchsniveau auf. Mein Wunsch geht also derzeit in Erfüllung. Fehlt nur, dass die Unterstützung nun auch hält.
Ölpreis und US-Konjunkturdaten
Gestern griff ich bereits den Ölpreis bzw. meine Warnungen vor dem zu hohen Ölpreis auf ("Ist der Ölpreis verantwortlich für die Kursverluste?"). Auch bei der Nasdaq-Analyse am 6. März war der Ölpreis Thema. Zitat:
"Die US-Indizes liegen absolut exakt im Plan meiner Analysen. Das freut mich natürlich sehr. Doch ich blicke nicht umsonst kritisch auf den Ölpreis."
Aktienmärkte folgen dem Ölpreis
Damals stand der Ölpreis (Brent=blau, siehe folgender Chart) bei knapp 125 USD (WTI=gelb bei 110 USD) und damit so ziemlich am Hoch. Er hielt sich noch einige Zeit lang auf diesem Niveau, Ende März/Anfang April drehte der Ölpreis dann nach unten. Der Dow Jones (grün) hielt sein Niveau noch bis Mai, der Nasdaq100 (rot) folgte hingegen exakt dem Ölpreis. Der DAX (schwarz) fand sein Hoch sogar schon Mitte März. Im Endeffekt laufen aber nun alle drei Indizes gemeinsam mit den fallenden Ölpreisen in den Keller.
(Quelle: CFX-Broker) Vergleich der Kursverläufe von Aktien und Öl
Geringere Öl-Nachfrage in rezessiven Phasen
Es wird mit diesem Chart mehr und mehr deutlich, dass die derzeitigen Kursverluste wohl konjunkturell bedingt sind. Es könnte demnach wirklich so sein, dass der hohe Ölpreis in den USA die Konjunktur abgewürgt hat und die Krise in Europa nun auch bald auf die Konjunktur in Deutschland durchschlägt.
Durch eine in rezessiven Phasen typischerweise geringere Produktion wird weniger Öl nachgefragt, womit sich der Rückgang in den Ölpreisen erklärt. Geringere Produktion führt zu geringeren Unternehmensgewinnen, womit sich wiederum die schwächeren Aktienkurse begründen lassen.
Signale richtig deuten
Mich ärgert ein wenig, dass ich zwar die Signale schon vor Wochen richtig gesehen habe, aber durch die Kursgewinne in den Indizes - oder besser gesagt durch die eigenen Elliott-Wellen-Analysen - ein wenig geblendet war. Das war auch genau so kurz vor dem Crash in 2011 der Fall. Damals signalisierten die US-Konjunkturdaten ebenfalls bereits einen Kursabschwung, doch die Liquidität hielt die Kurse hoch.
Man lernt halt an der Börse immer weiter dazu durch eben solche Erfahrungen. Und ich habe ja auch stets gepredigt, dass man sich nicht auf eine Methode versteifen soll, besonders, da viele mögliche Elliott-Wellen-Szenarien denkbar sind. Und so kann ich zumindest behaupten, dieses Mal frühzeitig auf die schlechten US-Daten geachtet und im aktuellen Kursrückgang zur Zurückhaltung und zum Abwarten aufgerufen zu haben.
Es kann helfen, das große Ganze zu verstehen
Ein deutlicher Lerneffekt. Und er zeigt mir erneut, dass es wichtig ist, dass große Ganze zu betrachten. Denn ich halte es für wichtig zu verstehen, warum die Kurse aktuell fallen oder warum die Kurse irgendwann auch mal wieder steigen.
Reine Charttechniker mögen dagegen halten, dass die Charts doch letztlich alles widerspiegeln. Das ist auch völlig richtig. Aber ich persönlich will verstehen, warum Kurse fallen oder steigen. Nur so ist man frühzeitig vor Trendwechseln gewarnt, auch wenn man dadurch nie das Hoch oder das Tief exakt treffen wird.
Bestätigen die Konjunkturdaten den Kursrutsch?
Und daher schrieb ich auch noch in der Nasdaq-Analyse vom 6. März:
"Und eine ganz wichtige Frage ist auch noch offen: Bestätigen die Konjunkturdaten den Kursanstieg oder laufen Kurse und Daten inzwischen auseinander?
Gemäß dem Elliott-Wellen-Fahrplan steht diese Frage eigentlich erst später auf dem Programm. Da ich jedoch gerade die Analyse der US-Indizes abgeschlossen habe, werde ich passend dazu als nächstes auf die US-Daten blicken."
Passt irgendwie zu meinen aktuellen Beiträgen. Nur heute muss die Frage lauten: „Bestätigen die Konjunkturdaten den Kursrutsch?". Genau wie im März möchte ich nach der Analyse der US-Indizes ebenfalls auf die Konjunkturdaten eingehen, um diese Frage zu beantworten. Dazu morgen mehr.
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Sven Weisenhaus
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- Kommentar von Gerd
Als regelmäßiger Leser der Produkte des FID habe ich gelernt, dass die Kurse der Konjunktur 6 Monate vorauslaufen. Ich zweifele nicht daran, dass momentan Ereignisse, die jetzt bestenfalls zu ahnen sind, eingepreist werden. Da ich ein Blutbad erwarte in puncto Griechenland, Spanien, der Zukunft des europäischen Wrtschaftsraums und Euro, denke ich, dass die Tiefpunkte noch lange nicht erreicht sind. Mit freundlichen Grüßen stockgerd
Antworten- Antwort von Sven Weisenhaus:
Guten Tag, Herr Stockgerd! - - - Vielfach wird auch von 6 BIS 9 Monaten gesprochen. Allerdings fehlt mir hierzu ein wenig die empirische Untersuchung und zum anderen glaube ich, dass man dies so pauschal nicht sagen kann. Denn es wird immer plötzliche Ereignisse geben (Fukushima), die das Weltwirtschafts-Gefüge kräftig durcheinander wirbeln können. Auf solche und andere Ereignisse kann die Börse nicht bis zu 9 Monate im Vorfeld reagieren. - - - Für mich ist daher die Frage nicht abschließend geklärt, ob die Kurse nicht aktuell der Konjunkturentwicklung hinterherlaufen. - - - Ich stimme aber zu, dass in gewöhnlichen Phasen (also außerhalb von Krisen und sonstigen Strörfaktoren) die Regel gilt, dass Börse konjunkturelle Entwicklungen vorweg nimmt. - - - Mit freundlichen Grüßen - - - Sven Weisenhaus