Es ist noch Suppe da
Miriam Kraus; Andreas Lambrou (Gastbeitrag) in Rohstoff Daily
vom 25. Februar 2010, 20:00 Uhr
Keine Sorge, unsere Griechenland-Debatte ist noch nicht beendet! Am Montag werde ich erneut auf ihre Kommentare und Überlegungen eingehen. Heute möchte ich allerdings wieder einmal meinen Kollegen Andreas Lambrou zu Wort kommen lassen, der sich ebenfalls so seine Gedanken zur Entstehung und über den Fortgang der Krise gemacht hat.
Wir lesen uns morgen wieder zum gewohnten Wochenrückblick!
Bis morgen und liebe Grüße
Ihre Miriam Kraus
Andreas Lambrou schreibt:
Liebe Leserinnen und Leser,
Der Karneval ist zwar schon vorbei, aber trotzdem möchte ich Ihnen das fröhliche Liedchen von Jupp Schmitz vorstellen: Es ist noch Suppe da..." Denn kein anderes Lied verkörpert die Entwicklungen der Weltwirtschaft besser.
Die jüngeren Leser werden sich kaum an diesen Hit von 1968 erinnern, auch ich wurde erst 10 Jahre später geboren. Trotzdem kann ich mich heute noch an dieses Lied erinnern:
...doch der Wirt hat sich vertan ein Kessel blieb noch voll und so kam es daß der Präsident mit einem Mal ganz laut durch's Mikrophon rief in den Saal: Es ist noch Suppe da, es ist noch Suppe da! Wer hat noch nicht wer will noch mal"
Welch Analogie! Denn genauso könnten Sie heute jedem den Verlauf der Wirtschaftskrise von 2008 "vorsingen". Denn nachdem man auf der Welt Mitte 2008 plötzlich feststellte, dass die Suppe alle ist, entdeckte der Wirt doch noch einen vollen Kessel mit Suppe, aus dem wir heute wieder alle fröhlich weiter löffeln können.
Eine asiatische Suppe
Im Karnevalslied von 1968 war es noch die Erbsensuppe. Heute müsste man wohl eher an eine Nudelsuppe aus Asien denken.
Zunächst stabilisiert sich völlig unsichtbar und unwirklich erscheinend, das Bankensystem - dank der Multibillionen Aktionen der Notenbanken.
Dies führte ab März 2009 zu einer Erholung der Anlagemärkte. Vor allem die Immobilienmärkte in China, Hong Kong und Singapur konnten sich sehr schnell stabilisieren und schafften auf leicht tieferem Preisniveau Anreize für die Käufer.
Die Unternehmen passten leicht verzögert ihre Kapazitäten an ein geringeres Niveau an. Die Krise hat unterdessen den Arbeitsmarkt und damit die so genannte "Realwirtschaft" erreicht, wobei ich diesem Begriff ablehnend gegenüber stehe, da es durch die enge Verbundenheit von Kapitalmarkt und Gütermarkt, ohnehin nur eine Wirtschaft geben kann.
Asien führt das Wachstum an
Danach kehrte ab Frühjahr 2009 der internationale Geld- und Warenverkehr, zunächst innerhalb Asiens, langsam wieder zurück. Ausgelöst wurde die schnelle Erholung vor allem durch das per Staatsdekret verordnete Stimulationsprogramm in China, welches insbesondere die Sektoren Elektrizität, Straßenbau, Häuserbau, das Gesundheitsweisen und natürlich mein Lieblingsthema: Die grünen "solaren und windigen" Technologien umfasste.
Diese schnelle Stabilisierung in Asien führte nun auch in Europa und den USA zu mehr Hoffnung dahingehend, dass die These des anhaltenden Weltwirtschaftswachstums dennoch teilweise erhalten bleibt. Vor allem die internationalen Großkonzerne aus dem Rohstoff- oder Nahrungsmittelbereich konnten von dieser internationalen Wachstumsrückkehr im 2. Halbjahr 2009 schnell profitieren, während die Investitionsgüterwirtschaft, sowie die kleinen und mittleren Unternehmen noch immer mit der Krise, Preissenkungen, Kapazitätsunterauslastungen und natürlich den schwierigen Kreditmarktbedingungen weiterhin schwer zu kämpfen hatten.
Seit Herbst 2009 kehrte durch die langsame Verbesserung auch wieder ein generelles Vertrauen in die Wirtschaft zurück und auch die Unternehmer in den westlichen Volkswirtschaften begannen nach und nach ihre Lagerbestände wieder aufzubauen, die sie im Herbst 2008 schlagartig geleert hatten.
Dieser Aufschwung hält noch immer an.
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