Es ist an der Zeit, Aktien zu verkaufen
Bill Bonner in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 19. Mai 2009, 07:30 Uhr
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Haben Sie ihre Stops überprüft, liebe Leser?
Erinnern Sie sich noch daran, wie wir im November auf den Rückprall nach der Wahl Obamas gewartet haben? Ich habe damals gesagt, es sei eines der zuverlässigsten Phänomene in der Welt des Investierens. Und dann fing ich an, mich zu wundern. Monat um Monat... kein Rückprall.
Es hat eine lange Zeit gebraucht, aber dann sind die Kurse im März endlich nach oben geklettert. Seit dem 9. März ist der Aktienmarkt weltweit um 37% nach oben geklettert - das ist ungefähr der Durchschnitt für einen Rückprall nach einer Krise.
Hat die Rally die besten Tage hinter sich?
Und jetzt sieht es so aus, als hätte die Rally im Bärenmarkt die besten Tage hinter sich. Ende vergangener Woche ist der Dow eingebrochen. Ich weiß nicht, ob das das Ende markiert oder nicht. Aber verlassen Sie sich nicht auf mich. An diesem Punkt ist es deutlich zu gefährlich, viel in Aktien investiert zu haben.
Warum? Die Blasenepoche ist vorbei: Die Blase im Finanzsektor ist im vergangenen Jahr in die Luft gegangen. Das markierte das Ende eines halben Jahrhunderts, in dem die Schulden immer weiter aufgebaut wurden. Vermutlich werden die Schulden jetzt abgeschüttelt werden müssen, verschachert, abbezahlt, abgearbeitet. Oder sie werden gar nicht bezahlt werden können.
Wenn der Finanzsektor die Anlagewerte nicht weiter nach oben treibt, dann werden die Kurse vermutlich eher fallen als steigen. Und ohne dass der Finanzsektor weiter Schulden anhäuft... und den amerikanischen Verbrauchern alles gibt, was nötig ist, sich selbst ein noch tieferes Loch zu graben... wird die Weltwirtschaft umstrukturiert werden müssen.
Die Produzenten in China können sich nicht jetzt mehr auf die Verbraucher Amerikas als letzten Ausweg verlassen. Die Leute in den Vereinigten Staaten können nicht länger kaufen, was sie nicht brauchen von Geld, das sie nicht haben. Denn keiner wird ihnen mehr Geld leihen. Und der weltweite Handel bricht auch ein. Die Schiffe warten an den Beladungsdocks.
Wo sind die Container? Die Fabriken warten auf Bestellungen und die Läden warten auf die Kunden, aber wo sind die Kunden? Die Kunden werden nicht wieder auftauchen. Die Amerikaner haben aus der Krise gelernt, dass sie aufhören müssen, so viel Geld auszugeben. Ihnen droht das, was die Washington Post als "Baby Boomers' Retirement Bummer" bezeichnet. (Rentenschlag für die Baby Boomer) Sie haben keine Wahl, sie müssen ihre Schulden abzahlen und nicht weitere hinzufügen.
Man hört, dass China sich wieder erholt. Ich kann das nicht glauben. Wer kauft denn heute noch?
Es heißt, die amerikanische Wirtschaft habe den Boden fast erreicht. Auch das will ich nicht glauben.
Alan Greenspans Meinung
Einen Augenblick, wir fragen Alan Greenspan. Hier ist ein Bericht von Bloomberg:
Der einstige Vorsitzende der Bundeszentralbank, Alan Greenspan, sagte am vergangenen Dienstag, der Keimling eines Bodens" am einbrechenden amerikanischen Immobilienmarkt würde sichtbar.
Er sprach vor einem Gipfel der National Association of Realtors (landesweite Maklervereinigung). Greenspan sagte, es gäbe Gründe zu glauben, dass die gewaltigen Bestände unverkaufter Häuser schwinden und dass das für die Preise mehr Stabilität bedeuten würde.
"Mir scheint es, wenn ich die Bildung eines Gleichgewichts im Haushalt durch Umbauten, Zusammenschlüsse und Abriss auf der einen Seite betrachte, dass wir am Rande einer gewaltigen Liquidierung des überschüssigen Bestandes stehen, und ich gehe davon aus, und ich hoffe, dass ein solcher Schritt die Preise stabilisieren wird."
Wenn ich also in Richtung des Immobilienmarktes blicke, dann sehe ich nun endlich den Keimling eines Bodens", fügte er hinzu.
Ich kann mir die Keime einer Erholung vorstellen. Ich kann mir auch Anzeichen für das Erreichen eines Bodens vorstellen. Aber ich weiß verdammt noch mal nicht, was Keime eines Bodens" sein sollen.
Wachsen diese Keime dann nach unten? Und verwandeln sie sich in einen Boden? Und was passiert dann?
Kein Boden in Sicht
Aber für mich ist damit alles klar. Wenn der einstige Vorsitzende der Zentralbank denkt, dass er Keimlinge eines Bodens" sieht, dann ist nirgends ein Boden in Sicht. Wie auch? Man kann nicht darauf hoffen, dass man die Fehler eines 50jährigen Aufbaus von Schulden binnen eines einzigen Jahres auslöscht.
Sehen Sie sich doch nur die Automobilindustrie an. Wie lang wird es dauern, bis GM eine Trendwende erfährt... oder durchbricht... die Anlagewerte abverkauft hat... und die guten Dinge wieder an die Arbeit bringt? Viele Jahre. Wie lange wird es dauern, um die Bestände am Immobilienmarkt abzuarbeiten? Jahre. Und wie lange wird China brauchen, um die Wirtschaft für den heimischen Bedarf umzurüsten? Jahre.
Es ergibt Sinn, auf der Hut zu sein, denn der unvermeidliche Abwärtstrend kommt in unsere Richtung... früher als Sie vielleicht glauben.
Und wie lange wird der amerikanische Verbraucher brauchen, seine Schulden bis zu dem Punkt abzuzahlen, an dem es ihm wieder gut geht? Nun... auf ewig... sie können das ganz einfach ausrechnen. Die Sparrate ist auf 5% des Bruttoinlandsprodukts angestiegen. Das sind 700 Milliarden Dollar im Jahr. Doch allein die übermäßige Verschuldung wird (von mir) auf einen Betrag zwischen 20 und 30 BILLIONEN Dollar geschätzt. Bei diesem Tempo dauert es 40 Jahre oder mehr, das Geld zurückzuzahlen.
Keine Ende der Schulden in Sicht
Doch einen Augenblick noch... während die Verbraucher ihre Schulden abzahlen, leiht die Regierung mehr als je zuvor. Während die Verbraucher vielleicht 700 Milliarden Dollar ihrer Schulden abzahlen, leiht die amerikanische Regierung 1,84 Billionen Dollar. Wenn das so weitergeht, dann werden die Amerikaner nie aus diesem Loch hervorkommen.
Der Markt wirkt so, als würde das hier eine durchschnittliche Rezession werden, aber das ist es nicht", sagt Paul Krugman, Nobelpreisträger von der Princeton University.
Nouriel Roubini geht auch davon aus, dass die Prognosen einer Erholung zu optimistisch" sind.
Sie haben mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Recht damit.
Krugman warnt außerdem, dass ein Anstieg der Aktien durch die Grundlagen nicht zu rechtfertigen ist. Auf mich wirkt es so, als ob der Markt momentan eine schnelle Erholung verzeichnet, dass eine V-förmige Rezession eingepreist wird, die ich selbst für extrem unwahrscheinlich halte."
Wir blicken einmal zurück: Die Aktien werden teurer... und dann billiger. So läuft es nun mal. Die Preise steigen und fallen in langen Zyklen. Und am Gipfel eines Zyklus sind sie sehr teuer - mit KGVs von mehr als 20. Und in den Tälern sind sie sehr billig, mit KGVs von 5. Am Gipfel eines Zyklus braucht man vielleicht 43 Unzen Gold, um die Aktien des Dow zu kaufen. In der Talsohle reichen dafür häufig schon ein oder zwei Unzen.
Gegenwärtig sind die Aktien nicht billig.
Nominal ist der Dow momentan achtmal höher als zu der Zeit, als der Bullenmarkt im August 1982 begonnen hat. Gemessen in Gold braucht man heute 9 Unzen Gold, um den Dow zu kaufen. Das ist deutlich weniger als im Jahr 1998 nötig war, als der Dow das 43-fache einer Unze Gold wert war. Aber es ist deutlich mehr, als man normalerweise bei echten Talsohlen erwartet. Und als der Zyklus im Jahr 1982 seinen Boden erreichte, da konnte man den gesamten Dow für nur eine Unze Gold kaufen. Gemessen am KGV kann man heute einige wenige Aktien für sehr geringe KGVs kaufen, aber die Mehrheit liegt immer noch bei über 15. Wenn dieses Verhältnis auf 5 fällt, dann können wir noch einmal darüber reden.
Es gibt noch keine Anzeichen für einen Boden am Aktienmarkt, oder auch nur für den Keimling eines Bodens und deswegen schließe ich die heutige Sitzung... und gehe davon aus, dass der wahre Boden noch sehr weit weg liegt.
Es ist an der Zeit, diese Rally zu verkaufen.
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