Es brodelt ...
Martin Weiss in Investors Daily
vom 08. März 2004 18:00 Uhr
ENL5454
In der ersten Woche des Monats März konnten sich die deutschen Standardwerte alles in allem sehr gut behaupten. Zum Wochenschluß konnte gar die Marke von 4100 Punkten erfolgreich verteidigt werden.
Ja, es war schon beachtlich, daß die Aktienmärkte sich am Freitag so gut haben halten können. Denn angesichts grottenschlechter US-Arbeitsmarktdaten wäre es wahrlich nicht verwunderlich gewesen, wenn die Märkte merklich gen Süden abgestürzt wären. Wie auch immer, die sog. Erholung ohne Neuschaffung von Arbeitsplätzen setzt sich in den USA scheinbar fort.
Aber, ist es wirklich ein Konjunkturaufschwung, eine Konjunkturerholung, die ohne neue Stellen verläuft? Gewiß, die Auslagerung selbst hochqualifizierter jobs in sog. Billig-Lohnländer und anhaltend hohes Produktivitätswachstum tragen sicherlich zu dieser Entwicklung bei. Nicht umsonst verliert das verarbeitende Gewerbe nunmehr sage und schreibe 43 (!!!) Monate in Folge Arbeitsplätze. Selbst im als "job-motor" gepriesenen Dienstleistungssektor wurden nur karge 46000 neue Stellen geschaffen.
Auch die extrem niedrigen Lohnzuwachsraten stimmen nachdenklich. Nicht zuletzt auch deswegen, zumal ja die Verbraucherpreise (vor allem durch erhöhte Energiekosten) gleichzeitig merklich anziehen. Erneut waren es knapp eine halbe Million Menschen in den USA, die die Suche nach einem Arbeitsplatz entmutigt aufgaben. Die Jugendarbeitslosigkeit blieb ebenfalls auf sehr hohem Niveau bei 16,6 %. Außerdem ist es sehr ernüchternd, daß die Gesamtzahl der Beschäftigten im Februar um insgesamt knapp 400 000 abnahm. Vor dem Hintergrund solch desaströser Fakten bleibt nur noch der Funken Hoffnung, daß die US-Konjunktur nach dem Auslaufen der staatlichen Stimulierungsbemühungen nicht in eine wirklich große Rezession, oder gar Depression abrutscht. Noch wurde die Wirtschaft weiter durch ein ungehemmtes Schuldenmachen der Verbraucher gestützt. Die Gesamtsumme der ausstehenden Verbraucherkredite stieg im Februar erneut an, und zwar um 14,3 Milliarden $ auf 2016,1 Milliarden $. Wehe, wenn diese "Kreditmaschine" sich einmal verlangsamt, oder gar zum Stillstand kommt ...
Auch in Deutschland ist die Situation am Arbeitsmarkt keineswegs besser. Im Gegenteil, es herrscht Eiszeit. Und Aussicht auf wirklich nachhaltige Besserung ist nicht in Sicht. Auch wenn die noch verantwortlichen Politiker täglich den "Aufschwung" am "Horizont" sehen wollen ...
Nichtsdestotrotz, auch am Devisenmarkt brodelt es. Die Volatilitäten steigen zusehends. Zwar konnte zunächst der US-Dollar gegenüber dem Euro mächtig zulegen, doch mit der Bekanntgabe der Arbeitsmarktdaten stieg die europäische Gemeinschaftswährung wieder auf 1,24 $ an. Wie dem auch sei, angesichts der heftigen Bewegungen (teilweise 2,5 Euro-Cent am Tag!), wäre es nicht überraschend, wenn einige größere Anleger, z. Bsp. Hedge-Fonds, in Schwierigkeiten kommen. Bleibt zu hoffen, daß dem Weltfinanzsystem ein zweiter "LTCM-Crash" erspart bleibt.
Indes verkauften die US-Unternehmensinsider im Monat Februar Anteile an Ihren Unternehmen im Wert von 4,9 Milliarden $! Dies ist der höchste Wert seit Mai 2001! Anscheinend gehen die Firmenlenker eher weniger davon aus, daß Ihre Aktien noch weiter großes Kurssteigerungspotential haben. Last but not least, der Goldpreis, bewertet in Euro, ist in den letzten Tagen etwas vorangekommen. Aber, noch immer ist physisches Gold in Europa sehr, sehr günstig ...