Ernüchterung am Arbeitsmarkt ...
Martin Weiss in Investors Daily
vom 07. Juli 2003 18:00 Uhr
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Leicht verbessert beendeten die wichtigsten Aktienmärkte die erste Handelswoche des dritten Quartals. Die US-Börsen gingen ja bereits am Donnerstag aufgrund des Unabhängigkeitsfeiertages verfrüht ins Wochenende.
Äußerst beachtlich sind die Entwicklungen, die sich momentan in Japan abzeichnen. Zum einen befindet sich der Nikkei225 schon seit Wochen im Aufwärtstrend, welcher sich in den letzten Tagen nach einem besser als erwartet ausgefallenen Tankan-Bericht verstetigte. Technisch betrachtet besteht durchaus noch Luft nach oben für den japanischen Aktienmarkt. Andererseits scheint sich bei den japanischen Renten eine erstaunliche Wende anzubahnen. In der vergangenen Woche erlebte der Rentenmarkt den größten Verlust seit fünf Jahren, die Renditen am langen Ende schnellten von 0,40 % auf über 1 % hoch! Insofern, beachten Sie auch in den kommenden Wochen die Entwicklung in Japan. Diese könnte auch für die internationalen Kapitalströme von höchster Bedeutung sein. Dahingegen kommen aus den USA, vor allem vom Arbeitsmarkt, absolut schlechte Nachrichten.
Seit 20 Wochen liegt die Zahl der wöchentlichen Anträge auf Arbeitslosenunterstützung bei über 400 000, was ein klares Zeichen für einen schrumpfenden und weiterhin sehr angeschlagenen Arbeitsmarkt darstellt. In der Tat, die Situation jenseits des Atlantiks ist wahrlich sehr ernüchternd, wenn man bedenkt, daß in diesem Jahr bereits knapp 400 000 Arbeitsplätze in der US-amerikanischen Wirtschaft verloren gingen. Analysten schätzen nunmehr bereits, daß die Wirtschaft in den Staaten um drei Prozent jährlich wachsen müsse, damit neue Arbeitsplätze entstehen. Aber im ersten Quartal gab es nur einen vergleichsweise geringen Zuwachs um 1,4 Prozent, für das zweite Vierteljahr diesen Jahres sollen es 2 Prozent werden. Folglich wird es bei einem weiter schwachen Wachstum kaum Job-Expansion geben. Im Gegenteil, es wäre schon als Riesen-Erfolg zu werten, wenn der status-quo gehalten werden könnte.
Denn auf der Unternehmensseite sind die Restrukturierungs- und Kostensenkungsprogramme ja noch längst nicht abgeschlossen. Von einem neuen Einstellungszyklus kann folglich kein Rede sein. Angesichts dieser Tendenzen ist es alles andere als überraschend, daß die Verbraucher sich immer mehr Sorgen um den Arbeitsplatz machen und demzufolge beim Konsum langsam aber sich auf die Bremse treten. Bestes Beispiel in diesem Kontext ist die Tatsache, daß auch bei den Bauausgaben im Mai diesen Jahres ein Rückgang von 1,7 Prozent zu verzeichnen war. Dabei handelt es sich um den größten Rückgang in einem Jahr. Schon seit Monaten ist der Trend bei den Gesamt-Bauausgaben rückläufig.
Vor dem Hintergrund dieser Tatsachen ist es schon sehr verblüffend, daß sich die Aktienmärkte bisher so gut behaupten könnten. Ich geh jedoch mehr denn je davon aus, daß wir in den kommenden Monaten auch bei den Aktien wieder in den Abwärtstrend übergehen werden. Denn es wäre schon eine Riesen-Sensation, wenn die anstehende Quartalssaison explosionsartig steigende Unternehmensgewinne hervorbringen würde. Denn dies wäre dringend nötig, um das überaus hohe Kursniveau auch nur annähernd fundamental abzusichern.
In Deutschland hingegen scheint die wahre Lage keinesfalls besser zu sein. Ansonsten würde die Regierung Schröder nicht zum letzten Strohhalm, nämlich dem Vorziehen der Steuerreform auf 2004 – nötigenfalls auch auf Pump finanziert – greifen. Hier geht es schlichtweg darum, ein größeres wirtschaftliches Desaster zu verhindern, zumal sich die Regierung wohl auch der möglichen mittelfristigen Gefahr für die Stabilität der demokratischen Ordnung bewußt zu werden scheint. Denn solch katastrophale Verhältnisse am Arbeitsmarkt kann kein Land der Welt auf Dauer aushalten.