Erneut durchwachsene Daten
Henrik Voigt in DAX Daily zum Thema Dax 30
vom 2. Februar 2012, 08:30 Uhr
ENL5454
der aufschlussreiche Reigen der Konjunkturdaten ging gestern weiter. Die Serie von (leichten) Enttäuschungen hat sich dabei erstaunlicherweise fortgesetzt, was nicht auf einen bloßen Ausrutscher hindeutet. Die Börsen sind momentan bemerkenswert flexibel in der Umdeutung der Daten. Hier die Zahlen in aller Kürze:
USA: Im Januar wurden laut ADP-Report im Privatsektor außerhalb der Landwirtschaft weniger Stellen als im Vormonat geschaffen. Die Zahl der Beschäftigten stieg um 170.000 (Erwartung 193.000, nach 292.000 zuvor, revidiert von 325.000). Der starke Dezemberwert wird hier der positive Ausrutscher gewesen sein (verzerrt durch Saisonaleffekte). Wie auch im Dezember wurde der Stellenaufbau nur von den kleineren und mittleren Firmen getragen, nicht von den Großkonzernen.
Der mit Spannung erwartete ISM-Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe in den USA für Januar enttäuschte leicht mit einem minimalen Anstieg von 53,9 auf 54,1 Punkte (Erwartung 54,6 Punkte). Aber er liegt immerhin wieder komfortabel in der Wachstumszone oberhalb von 50 Punkten.
China: Der endgültige Wert des von der Großbank HSBC erhobenen Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in China für Januar liegt bei 48,8 Punkten, nach 48,7 Zählern in der letzten Veröffentlichung im Dezember. Der offizielle CFLP-Einkaufsmanagerindex des verarbeitenden Gewerbes erreichte im Januar dagegen 50,5 Punkte, nach 50,3 Zählern im Dezember. Die HSBC-Umfrage erfasst die Lage in den kleinen und mittelständischen Unternehmen etwas besser, während die offizielle Umfrage mehr Gewicht auf die großen staatlichen Unternehmen legt", zitierte MarketWatch Andrew Sullivan, Händler bei Piper Jaffray in Hong Kong. Der erste Wert liegt leicht in der Schrumpfungszone und Bestätigt damit die These, dass sich die größte Volkswirtschaft der Welt abkühlt und damit als Weltkonjunkturlokomotive erst einmal ausfällt. Der zweite Wert zeigt hingegen ein schwaches Wachstum - gut für die These der Optimisten vom „soft landing" in China. Hier braucht es weitere Daten, um einen Trend ausmachen zu können.
Europa: Eindeutiger dagegen waren die Einkaufsmanagerindizes aus der Eurozone. In der Eurozone ist der Industrie-Einkaufsmanagerindex im Januar nach den gestern gemeldeten endgültigen Zahlen von 46,9 auf 48,8 Punkte gestiegen, verharrt damit aber dennoch deutlich in der Schrumpfungszone. Was ja nach gesundem Menschverstand nicht verwundern kann: wo Ausgaben massiv gekürzt werden (müssen), ist es mit dem Wachstum nicht mehr weit her. Ohne die guten deutschen Daten, die wieder leicht in den Wachstumsbereich (51,0 Punkte nach endgültiger Fassung) vorstießen, wäre das Ergebnis wohl viel verheerender gewesen. Was verwundert ist eher die mit 2,7 Prozent vergleichsweise hohe Inflation in der Eurozone - trotz schrumpfender Wirtschaft.
Aber es nützt nichts: in vielen europäischen Ländern und in den USA finden in diesem Jahr Wahlen statt. Da braucht man vorher eine möglichst gute Stimmung und das Gefühl, die Lage sei wieder im Griff. Mit dem Sparen könnte man es kurzfristig aber nicht mehr so genau nehmen. Nun ja, das Verbreiten von Optimismus zu Beginn einer Krise hat im Wahljahr 2008 auch nur eine Weile funktioniert (nämlich bis zur Jahresmitte, dann kam der große Knall). Mal sehen, wie lange das Spiel diesmal funktioniert.
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Kommentare
Kommentar abgeben- Kommentar von Hedda Phonphai (02.02. 2012 09:50 Uhr):
Es wurde wohl vor der "krise" eine küstliche Nachfrage erzeugt, jeder musste alles haben, und die Banken gaben Kredite. Alle reiste auf Urlaub, ass sich halb zu Tode, und dass schlimmste, die waren nicht zufrieden. Der Jugend wurde den 0 Bock viel zu lange toleriert, und der Schreckenssatz, meine Kinder sollen es besser haben. Es hilft nichts, in langfristige zusammenhang muss Einkünfte her. Ich meine die Politiker und Banken haben fahrlässig gehandelt.
Antworten - Kommentar von Hartmut Fischer (02.02. 2012 10:41 Uhr):
Wieso sollen die (offiziellen) Inflationsdaten verwunderlich sein, wo die EZB im Gegensatz zu den offiziellen Stabilitäts-Lügen und -Lippenbekenntnissen Geld in Billionenhöhe druckt, um die Papiere maroder Straaten und Banken aufzukaufen und diese auch sonst mit "Liquidität" zu fluten. Mal gespannt, wie lange dieses Betrugs-Spiel noch weitergehen kann. Zieht Euch warm und edel(matallisch) an !
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