"Erneuerbare Energien" – der nächste Megatrend?
Michael Vaupel in Traders Daily
vom 08. Juni 2004 12:00 Uhr
ENL5462
Nochmal zum Thema "erneuerbare Energien". Denn es könnte gut sein, dass wir es hier mit einem zukünftigen Megatrend zu tun haben. Sie wissen: Wenn Sie an der Börse die großen wirtschaftlichen Entwicklungen erkennen und rechtzeitig auf die Profiteure dieser Trends setzen, können Sie mit dieser Strategie ein Vermögen verdienen. Damit meine ich nicht das Nachlaufen hinter kurzfristigen Hypes, sondern strategische Investments in Märkte, die von grundlegenden wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Veränderungen profitieren. Solche tiefgreifenden Veränderungen geschehen nicht innerhalb weniger Wochen oder Monate, sondern sind langfristig angelegt. Also, wie sieht es mit dem Thema "erneuerbare Energien" aus:
Ich verstehe nicht, warum hierzulande meist ein Keil zwischen "Ökologie" und "Ökonomie" getrieben wird. Oft wird der Eindruck erweckt, es handle sich um ein "entweder – oder". Steinkohle gegen Windkrafträder. Clement gegen Trittin. Wirtschaft gegen Umweltschutz.
Aber was ist daran schlecht, wenn sich Deutschland von Ölimporten zunehmend unabhängig machen will, durch den Ausbau erneuerbarer Energiequellen? Das macht ökonomisch Sinn.
Und schon wieder bringe ich hier China ins Spiel (nun ja, Sie wissen es, eins meiner Lieblingsthemen). Warum? Weil China derzeit den Ausbau erneuerbarer Energiequellen massiv forciert. Und die chinesische Führung hat nun wirklich kein besonders ausgeprägtes ökologisches Gewissen. Nein, sie tut dies aus wirtschaftlichen Gründen. Sie will ihre Abhängigkeit von ausländischem Öl verringern.
Was nur Experten wissen: Schon jetzt liegt der Anteil erneuerbarer Energien bei 15 % des gesamten chinesischen Energieverbrauchs. 15 %, die durch Solarenergie, Wind- und Wasserkraft und Biomasse erzeugt werden. 15 %! In Deutschland wird es bereits als Erfolg verkauft, dass dieser Anteil bei 5 % liegt.
Deshalb ist China einer der GANZ GROßEN, wenn es um "erneuerbare Energien" geht. Dieses riesige Land hat eine boomende Wirtschaft und einen um mindestens 10 % pro Jahr wachsenden Energiebedarf. Und es forciert den Ausbau erneuerbarer Energiequellen massiv.
Gleichzeitig ist das technologische Niveau niedriger als in Deutschland. Beispiel Windkraftanlagen: Da schaffen es chinesische Betreiber nur, Turbinen mit einer Leistung von 750 Kilowatt zu liefern. In Deutschland kann hingegen schon eine Turbine mit der 6-fachen Leistung hergestellt werden. Sehen Sie die Perspektive, die sich der deutschen Wirtschaft eröffnen würde, wenn sie im Bereich erneuerbare Energiequellen zum weltweiten Marktführer würde?
Wer vor diesem Hintergrund sagt, dass alternative Energiequellen schön und gut seien, aber Deutschland sich das "wirtschaftlich" nicht leisten könne, der hat keine Ahnung.
Ich kann nur hoffen, dass mehr Leute in entscheidenden Positionen dieses Potenzial erkennen. Und in dieser einen Hinsicht ist der gestiegene Erdölpreis (obwohl er die letzten Tage wieder abgegeben hat) wirklich gut: Er zeigt, wie wünschenswert es wäre, vom Erdöl wegzukommen. Das ist doch auch viel besser, als immer die OPEC anflehen zu müssen, die Produktionsmenge doch bitte zu erhöhen ...
Beste Grüße,
Michael Vaupel
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