Andrew Kashdan in Investors Daily
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Wenn jemand den aktuellen Stand der US-Wirtschaft als "den ultimativen Teufelskreislauf" bezeichnet, dann mag man vielleicht nicht zuhören. Besonders dann, wenn dieser jemand bereits vor Teufelskreisläufen gewarnt hat, bevor der Boom zum Abschwung wurde ... und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass dieser jemand Stephen Roach von Morgan Stanley ist.
Was Mr. Roach Sorgen bereitet, ist der Anstieg der nominalen Zinssätze trotz disinflationärer Faktoren – was zu einem gefährlichen Anstieg der realen Zinssätze führt. "Wenn auch eine temporäre Beschleunigung im Pfad der globalen Aktivität jetzt in Reichweite sein mag, bleiben zwei Schlüsselprobleme – das Risiko einer Deflation und die Wahrscheinlichkeit einer Korrektur des amerikanischen Handelsbilanzdefizits", schreibt Roach.
Roach hat sicher Recht, die Fähigkeit der Zentralbank, die wirtschaftliche Aktivität effektiv zu fördern, anzuzweifeln. Aber noch interessanter sind die unsicheren Konsequenzen des dramatischen Dollar-Verfalls ... und die Entwicklung beim US-Handelsbilanzdefizit. Roch meint, dass eine Anpassung (=Verringerung) des US-Handelsbilanzdefizits den weltweiten deflationären Druck erhöhen könnte, und dass die USA durch steigende Zinssätze und einen fallenden Dollar auch Deflation nach draußen senden könnten.
Eine weitere Dollar-Abwertung ist unvermeidlich ... und auch wünschenswert für die USA selbst. Ein niedriger US-Dollar ist gut für die amerikanischen Exporte, was erklären könnte, warum der US-Finanzminister John Snow seine zumindest rhetorische Politik des "starken Dollar" beiseite geschoben hat.
Aber nicht alle Finanzgurus sehen eine weltweite Deflation am Horizont; im Gegenteil, sagt Chen Zhao, Chefanalyst für Emerging Markets bei der Bank Credit Analyst Research Group. In einem Artikel für die Financial Times schrieb Zhao, dass "die Fed in einem gefährlichen Spiel mit China steht", und weiter: "Es wäre nicht möglich für die Renditen der US-Staatsanleihen, auf dem derzeitigen (niedrigen) Niveau zu bleiben, wenn China seine Ersparnisse nicht den USA anbieten würde." (Selbst trotz des jüngsten Anstiegs der US-Zinsen bleibt das Zinsniveau dort auf einem historischen Tief).
Im Endeffekt tauscht China laut Zhao seine Güter gegen amerikanisches Papier ein, was ein "hyper-stimulierendes" Umfeld für beide Länder schafft. Deshalb sieht Zhao im Gegensatz zur herrschenden Meinung eine Inflation in Chinas Zukunft. Die Interventionen, die stattgefunden haben, um einen Anstieg der chinesischen Währung zu verhindern, haben die Geldmenge expandieren lassen, und die Inflationsrate auf Konsumentenpreisebene hat in China bereits 1 % erreicht. Das ist nach den meisten Standards immer noch niedrig, aber wenn die Rate erst einmal auf 3–4 % gestiegen ist – was laut Zhao in den nächsten 6 Monaten oder so der Fall sein könnte –, dann wird die chinesische Zentralbank gezwungen werden, ihre Währung neu zu bewerten.
Wenn das passiert, dann könnte das zu einem weiteren Anstieg der US-Renditen führen, und zu inflationärem Druck in den USA.
Und egal, was Politiker und Zentralbanker sagen oder tun – wenn die US-Märkte weiterhin so stark von ausländischem Kapital abhängen, dann wird diese Anpassung schmerzlich sein.
Ich habe allerdings auch nie erwartet, dass solche Anpassungen schmerzfrei wären. Und ich denke auch nicht, dass sie das sein sollten. Roger Garrison, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Auburn University – und der moderne Guru der sogenannten österreichischen Schule der Volkswirtschaft – hat zusammen mit Gene Callahan einen Artikel im vierteljährlich erscheinenden Journal of Austrian Economics veröffentlicht. Dort heisst es: "Das Festhalten an künstlich festgelegten Zinssätzen wird – wie alle Preisfixierungen – unbeabsichtigte Konsequenzen haben, gegen die der Preisfestleger wenig tun kann."
Natürlich "braucht jede Spekulationsblase eine Story", so Garrison und Callahan. Als die Aktien von Netscape im August 1995 emittiert wurden, da stieg der Kurs über alle Erwartungen. Damals wurde der Rückgang der Arbeitslosenrate mit dem plötzlichen Anstieg der Produktivität begründet – das heißt, mit der Geburt der "New Economy".
Dann führte eine Serie von Krisen – Ostasien, Russland, Brasilien, der Zusammenbruch des LCTM-Hedgefonds und die Angst vor dem Jahrtausendwechsel – dazu, dass die Fed die Druckerpresse mit maximaler Geschwindigkeit laufen ließ. Aber der Boden für den folgenden Boom – inklusive Schuldenexplosion – war bereitet.
Aber die niedrigen Zinsen führten zu einem Missverhältnis, zwischen höheren Investitionen und niedrigeren Ersparnissen. Es gab dann nicht ausreichende Ressourcen, die die Investmentpläne stützen konnten.
Deshalb kam es zu einer Rezession. Aber diese "Rezession" blieb unvollständig – wegen der Politik der Fed.
Der Ansatz der "österreichischen Schule" in Bezug auf Wirtschaftszyklen ist sehr lehrreich, wenn man etwas über die Quelle von großen wirtschaftlichen Aufschwüngen wissen will. Aber was noch wichtiger für die, die in der Zeit nach einem Boom leben ... ist die Erklärung, warum die konventionelle "Kur" nicht immer wie geplant wirkt – wenn sie überhaupt wirkt.