Ericsson mit Schwierigkeiten
Jochen Steffens in Investors Daily
vom 03. Februar 2003 18:00 Uhr
ENL5454
Ericsson hat im vierten Quartal einen Verlust vor Steuern von 2,2 Mrd. schwedischer Kronen (rund 239 Mio €) zu verbuchen, nach 5,1 Mrd. Kronen im Vorjahr. Damit wurden die Erwartungen der Analysten verfehlt. Sie hatten lediglich mit einem Verlust in Höhe von 1,5 Mrd. Kronen gerechnet. Nicht ganz so deutlich wurden die Umsatzerwartungen verfehlt: Der Umsatz sank von 58,5 Mrd. Kronen im Vorjahr auf nun 36,7 Mrd. Kronen. Analysten hatten 37,5 Milliarden Kronen erwartet.
Diese Zahlen enttäuschen. Kein Wunder, dass Ericsson strikte Sparmaßnahmen eingeleitet hat, so soll die Belegschaft bis Ende 2003 auf unter 60.000 Mitarbeiter schrumpfen. Anfang 2001 beschäftigte Ericsson noch 107.000 Menschen.
Ericsson leidet als Telekomausrüster natürlich auch unter der Flaute in der Telekommunikationsbranche und den Einsparungen bei den großen Telekommunikationsanbieter. Dort führen die hohen Schulden zu einer erheblichen Einschränkung der Investitionen.
So soll der Umsatz im ersten Quartal dieses Jahres eventuell sogar um fast 30 % im Vergleich zum vierten Quartal 2002 sinken. Deswegen befürchten erste Analysten bereits, dass die Jahresprognosen von Ericsson nicht eingehalten werden können.
Auch beim Ausblick eher düstere Töne: Ericsson sieht keine unmittelbaren Anzeichen für eine Erholung in der Branche. Allerdings plant das Unternehmen, im vierten Quartal wieder die Gewinnzone zu erreichen.
Ericssons Zahlen sind gerade auch im Vergleich zu den Konkurrenten wirklich schlecht. Nokia hatte sogar in der auch für Ericsson wichtigen Mobilfunk-Netzwerksparte letztes Jahr ein Plus erzielt. Ericsson musste hier einen operativen Verlust von 300 Mio Kronen hinnehmen. Analysten hatten auf ein positives Ergebnis gehofft.
Ich sehe in diesen Zahlen erste deutliche Hinweise, dass Ericsson in Gefahr steht, in nachhaltige Schwierigkeiten zu geraten. Allein der Kursverlust von über 80 % im letzten Jahr war schon ein erstes Indiz dafür. Diese Zahlen nun erhärten meine Befürchtungen. Kein Kauf.