Erholung im Technologiesektor
unserem Korrespondenten Eric Fry an der Wall Street in Investors Daily
vom 30. Mai 2003 18:00 Uhr
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Die meisten Finanzmarktteilnehmer scheinen in den USA derzeit davon auszugehen, dass sich die Wirtschaftslage in der zweiten Jahreshälfte verbessern wird. Deshalb fallen die Kurse der US-Staatsanleihen, was die Renditen wieder ein bisschen steigen lässt – auf aktuell 4,42 % bei den 30jährigen amerikanischen T-Bonds.
Trotz der Erwartung, dass die Wirtschaft bald wieder ihre Muskeln zeigen wird, befinden sich die Renditen am Anleihenmarkt eher auf einem Niveau, das eine Rezession oder eine Deflation – oder beides – vorwegzunehmen scheint. Die bloße Schätzung, dass die Konsumentenpreise um mehr als 1 % bis 2 % pro Jahr steigen könnten, könnte Schockwellen durch den Anleihenmarkt senden.
Die Lage ist wirklich nicht klar. Es scheint genausoviele deflationäre Hinweise wie inflationäre Phänomene zu geben. Deshalb ist es möglich, dass ich immer wieder auf die Zeichen einer möglicherweise bevorstehenden Inflation hinweise – während mein Kollege Bill Bonner auf die deflationären Symptome hinweist. Wie die Arbeitsplatzverluste, zum Beispiel.
"Der größte amerikanische Export sind Arbeitsplätze", schrieb Bill Bonner letzte Woche. Es stimmt – besonders der produzierende Sektor hat in den USA in den letzten 3 Jahren besonders hart gelitten. Mehr als 2 Millionen Jobs sind in diesem Sektor in diesem Zeitraum verschwunden – und die meisten dieser Arbeiter haben auch keinen neuen Job gefunden, oder sie arbeiten jetzt niedrig bezahlt bei Kentucky Fried Chicken.
Während es dem produzierenden Sektor weiter schlecht geht, scheint sich die restliche amerikanische Wirtschaft zu erholen ... sehr, sehr leicht. "Die Investitions-Exzesse der Technologieblase sind durch den letzten Abschwung beseitigt worden, und heute ist die Erholung des Technologiesektors die treibende Kraft, ein einem sonst insgesamt durch einen furchterregenden Ausblicks geprägten produzierenden Sektor", so Richerd Berner von Morgan Stanley.
"Während die Erholung im Technologiesektor gesund ist", so Berner weiter, "geht es bis jetzt nur um 'Wartung und Reparatur'. ... Der Beweis für die Erholung: Die nominalen Buchungen für IT-Zubehör sind im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahreswert um 25,3 % gestiegen – das ist der stärkste Zuwachs seit 3 Jahren. Auch der Output für Computer, Kommunikationszubehör und Halbleiter ist in den Monaten Februar bis April um 15,3 % gebenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum gestiegen."
Die Kleinanleger haben die Erholung im Technologiesektor mit einer gewaltigen Rally der Nasdaq honoriert. Der technologielastige Nasdaq-Composite-Index hat seit Ende Oktober bemerkenswerte 40 % zugelegt.
Aber Bridgewater Associates betonen, dass die Aktienkurse selten eine Rally hinlegen, während sowohl die Anleihenrenditen als auch der Dollar fallen. Aber genau das war in den letzten paar Monaten der Fall. Normalerweise deuten steigende Aktienkurse auf eine wirtschaftliche Expansion hin, die normalerweise mit steigenden Anleihenrenditen und einem starken Dollar Hand in Hand geht. Warum ist das derzeit nicht der Fall? Welcher dieser Märkte hat Recht? Und hat überhaupt einer Recht? Wenn ich gezwungen würde, zu raten, dann würde ich sagen, dass der Anleihenmarkt Unrecht hat, dass der Aktienmarkt überoptimistisch ist und dass der Dollarverfall absolut gerechtfertigt ist ... aber ich rate nur.
"Wenn man sich die unglaublichen Kommentare der US-Politikmacher in diesen Tagen anhört", so Stephanie Pomboy von MacroMavens, "kann man sich nicht helfen – man fühlt sich in einem bizarren Traum gefangen, in dem die meisten Prinzipien unter dem Gewicht von Abstraktionen verbogen werden ... wie die Uhren in einem Bild von Salvatore Dali ... die Dinge sahen das erste Mal surreal aus, als Ben Bernanke letzten November seine berühmte Rede hielt (über die Dollar, die zu Kosten von praktisch Null gedruckt werden könnten) ... Bernankes Rede hat sich einen prominenten Platz in den Annalen der Dollar-Geschichte verdient. Er hat mit dieser Rede eine neue Phase für den Dollar eingeleitet ... eine Phase, in der die Schwäche des Dollar ausgenutzt werden soll, um die US-Exporte zu beflügeln und die Preisgestaltungskraft der US-Unternehmen wiederherzustellen. Aber wird das funktionieren?"
Nun, ich denke, dass die Bemühungen, einen schwächeren Dollar zu kreieren, erfolgreich sein werden. Aber was die "Beflügelung der US-Exporte" und die "Wiederherstellung der Preisgestaltungskraft der US-Unternehmen" angeht – da habe ich so meine Zweifel.