Erhellende Gespräche in Deutschland
Traders Daily
vom 17. November 2006 12:00 Uhr
ENL5454
*** Meine Gespräche mit verschiedenen Bankern während eines Besuchs in Deutschland waren ziemlich erhellend – ganz besonders deren einhellige Meinung, dass sie lieber in London oder in den Staaten arbeiten würden, als in Frankfurt am Main... Schließlich habe Frankfurt schon Mitte der Neunziger die Rolle eines ernst zu nehmenden Herausforderers des Kontinents gegenüber London eingebüßt.
Ihre Vorhersagen über die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands und damit Europas waren sehr vorsichtig. Die Finanzmedien haben sich in positivere Aussichten eingekauft, insbesondere wegen der kürzlich gestiegenen Beschäftigungszahlen, aber diese Aussichten werden ganz sicher nicht überall geteilt. Die wesentlichen Kritikpunkte sah man in der deutschen Bevölkerungsentwicklung und in den zurückgehenden Standards des deutschen Bildungssystems. Mittelfristige Sorgen bereiten die steigenden Kreditkosten in Europa, weil die Zentralbanker nach wie vor damit beschäftigt sind, gegen die Windmühlenflügel der Inflation ankämpfen.
Alles in allem sind die kurzfristigen Aussichten vermutlich optimistisch, ganz besonders insofern die deutschen Immobilien und die Bauindustrie betroffen sind. Beide erholen sich gerade in bescheidenem Ausmaße nachdem die Vertreter von Bund und Ländern ganze Wagenladungen von Geld in neue „Investitionsprojekte“ pumpen, um das Ausbluten ganzer Industrieregionen einzudämmen.
*** Eine andere Form der Menschenkenntnis
Im Zeitalter der Globalisierung zu reisen - ganz besonders bei Geschäftsreisen – ist ein wenig ansprechendes und langweiliges Unterfangen.
Der übliche Geschäftsreisende sieht das Innere eines Flugzeugs, die Eingeweide des Flughafens und das Innere eines Taxis, ehe er in die unüberwindlich engen Begrenzungen des Hotelzimmers gelangt. Zur Abwechslung liegen die Konferenzräume dann auch praktischerweise gleich im Hotel oder in den Büroräumen des ausländischen Gastgebers. Wenn man Glück hat, dann gibt es irgendwann gegen Ende des Tages ein anständiges Restaurant.
Es ist ganz egal, ob man nach Atlanta, Athen oder Atlantis reist. Die einzige Abwechslung liefern die Inneneinrichtungen der Taxis, mit denen man fährt. Diese spiegeln wiederum die ethnischen Konstellationen der vorletzten Einwanderungswelle des entsprechenden Landes wieder.
Selbst die Menschen, denen man bei solchen Geschäftsreisen über den Weg läuft, sehen alle gleich aus – ganz besonders dann, wenn das Ziel der Reise irgendwo in Nordeuropa liegt. Es gibt keine nationalen Erkennungszeichen mehr, die einem zeigen würden, woher jemand kommt. Die Unterschiede sind so minimal, dass es immer eine Zeitlang dauert, ehe man dahinter kommt.
Am meisten verraten die Schuhe über die Nationalität. Die Amerikaner lassen sich immer noch gut an ihren Lauf- und Wanderschuhen erkennen, auch wenn die Unterschiede gelegentlich verschwimmen. Nur junge Frauen, die weiße Turnschuhe tragen, die irgendwo Spuren von Pink aufweisen, können ganz sicher dem Land des Sternenbanners zugeordnet werden.
Die Deutschen haben im Großen und Ganzen einen gewissen Hang zu seltsam geformten Gesundheitsschuhen. Leute aus Island, ganz besonders die Frauen, geben Retro-Turnschuhen den Vorzug, häufig in unattraktiven Farben, die an eine Mischung aus den Stollenschuhen der Sprinter und Bergwanderschuhen erinnern... nur noch scheußlicher. Aber das gleiche gilt auch für andere skandinavische Frauen und ganz besonders für deutsche Frauen.
In Fällen wie diesen muss man sich nach anderen Hinweisen umsehen. Deutsche Frauen fühlen sich ab einem bestimmten Alter und einem bestimmten Lebensabschnitt gezwungen, ihre hässlichen Turnschuhe um einen noch schrecklicheren Kurzhaarschnitt zu ergänzen, der vage die Erinnerung an die Technokünstler der Achtziger wachruft. Sie färben die Haare gerne rot... nicht kastanien-, kupfer- oder hennarot, oder in irgendeinem anderen Rot-Ton, der von der Natur zum Schmuck weiblicher Schädel geschaffen wurde, sondern wirklich ROT. Wie die Plastikbecher bei Wal-Mart.
Die Isländer tendieren hingegen zu grau. Nicht als Zeichen vorzeitiger Alterung, sondern eher wie eine dünne, durchscheinende Aschenschicht der verschiedenen Vulkane, die sich über die Menschheit ergossen haben.