Erhebliche makroökonomische Risiken
Mr N. N. in Kapitalschutz Akte zum Thema Kapitalschutz
vom 12. August 2010, 07:30 Uhr
ENL5462
Das statistische Bundesamt zu Wiesbaden vermeldete gestern, dass in den ersten fünf Monaten diesen Jahres die Zahl der Insolvenzen in Deutschland um 7,6 Prozent auf 70125 gegenüber dem Vorjahreszeitraum angestiegen ist.
Verbraucherinsolvenzen nehmen prozentual zweistellig zu
Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen lag im Mai 2010 mit 8 552 Fällen um 14,1% höher als im Mai 2009. Gegenüber den ersten fünf Jahren des Jahres 2009 betrug der Zuwachs 11,8 Prozent. Zusammen mit den Insolvenzen von anderen privaten Schuldnern und Nachlässen waren es insgesamt 13 477 Fälle. Das bedeutet einen Anstieg von 7,7% gegenüber dem Mai des Vorjahres.
13716 Unternehmensinsolvenzen
Trotz des tagtäglich massenmedial euphorisch gefeierten Aufschwungs in Deutschland mussten in den ersten fünf Monaten immerhin noch 13716 Unternehmen beim Amtsgericht Insolvenz anmelden. Allein im Mai 2010 waren es 2692 insolvente Unternehmen. Immerhin waren dies gegenüber Mai 2009 nur 1,1 Prozent mehr.
Ja, liebe Leserin, lieber Leser, anscheinend ist das konjunkturelle (Export-) Strohfeuer noch nicht wirklich bei allen Unternehmen und Verbrauchern angekommen. Immerhin ist aktuellen Umfragen zufolge bei vielen Unternehmen zwar eine Belebung zu spüren, welche aber beim Gros der Mitarbeiter bisher (noch) nicht ankommt.
Hoch interessant ist auch, dass dem Jahresbericht der Basler Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zufolge es trotz der Konjunkturerholung unwahrscheinlich sei, dass der Anstieg der Staatsverschuldung zurückgeführt werden könne. So werde für die USA für das Jahr 2011 immer noch ein negativer Finanzierungssaldo in Höhe von 8,9 Prozent des BIP erwartet (für die BRD 4,5 Prozent).
Erhebliche makroökonomische Risiken
Der BIZ zufolge berge die Verschlechterung der Lage der öffentlichen Finanzen in den Industrieländern erhebliche makroökonomische Risiken für die Weltwirtschaft. Eine weiter steigende Staatsverschuldung beeinträchtige der Notenbank der Notenbanken zufolge nicht nur die mittel- und langfristigen Wachstumsaussichten eines Landes. Darüber hinaus werde auch die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik zur Gewährung einer niedrigen Inflation untergraben.
Massive langfristige Ungleichgewichte immer noch verdeckt
Äußerst spannend ist ferner, dass die BIZ auch offen auf die MASSIVEN langfristigen Ungleichgewichte der öffentlichen Haushalte in den Industrieländern hinweist. Diese werden aktuell immer noch durch die weitaus geringeren offiziellen Zahlen zur Staatsverschuldung verdeckt. Hier wird explizit eine höhere Transparenz bei den öffentlichen Statistiken angemahnt.
Last but not least müssten die fortgeschrittenen Volkswirtschaften erhebliche Anpassungen vornehmen. Ob diese Austeritätsprogramme dann aber tatsächlich umgesetzt werden (können), bleibt abzuwarten.
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